Katze

„Katze beißt sich in den Schwanz“

Pfullendorf / Lesedauer: 5 min

Resultate wie das 0:6 in Ulm erschweren beim SC Pfullendorf die Aufbauarbeit - Lebenszeichen von F.A.L.
Veröffentlicht:30.03.2016, 11:41
Aktualisiert:23.10.2019, 17:00

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Mit 0:6 ist Oberligaschlusslicht SC Pfullendorf am Karsamstag beim SSV Ulm abgefertigt worden. Die Ulmer schossen sich auf Kosten der bedauernswerten Linzgauer schonmal warm für das Spitzenspiel am Freitagabend, in dem sie als Tabellenzweiter beim punktgleichen Spitzenreiter FC Nöttingen antreten.

Das Pfullendorfer „Debakel an der Donau“ war aber nicht nur auf die hohe Qualität der „Spatzen“ zurückzuführen, sondern auf die extrem schwierige Gesamtlage, in der sich der SC Pfullendorf weiterhin befindet. In allen Bereichen, sportlich wie wirtschaftlich, muss ja bekanntlich der Notstand verwaltet werden.

Das kann nicht immer in jeder Hinsicht glücken. Die vor einigen Wochen umgesetzte und grundsätzlich schlüssige Idee beispielsweise, die beiden gemeinsam rund 30 Spieler umfassenden Kader der ersten Mannschaft und des F-Teams strikt zu trennen, um effektivere Trainingsarbeit zu ermöglichen, erweist sich aktuell als Bumerang. In der vergangenen Woche hatte Chef-Trainer Patrick Hagg nämlich kaum mal mehr als zehn Spieler in den drei Trainingseinheiten des Oberligateams. Ein paar Verletzte, ein paar beruflich Verhinderte - schon hat die Realität des Amateurfußballs den an und für sich sinnvollen Plan bei dem einst halbprofessionellen Sportclub ad absurdum geführt. Auch die A-Jugend, die dem F-Team und der Oberliga-Elf personell aushilft, bleibt von den Rochaden nicht unbelastet, wie das 0:11-Heimdebakel am Montag gegen Tabellenführer Offenburger FV zeigt.

„Die Lage ist natürlich sehr problematisch“, sieht auch Markus Kling , der Sportliche Leiter im neuen Vorstandsteam, das personelle Dilemma. „Wir sind ja dabei, die Strukturen zu ändern. Aber das ist ein Prozess, das braucht Zeit.“

Und natürlich vor allem Geld. Mit Feuereifer versuchen Marko Barlecaj, Marco Konrad, Ralf Hermanutz, Markus Kling & Co. deshalb, tragfähige Sponsorenstrukturen wiederzubeleben oder neu aufzubauen. Doch der Blick ins Gönnerzelt beim vergangenen Heimspiel (2:2 gegen Friedrichstal), als die meisten Tische leer blieben, ernüchterte. Hotelier Kling, der sich auch für den Würstchenverkauf im Stadion nicht zu schade ist („Wir brauchen jeden Euro!“), hat gemerkt: „Es gibt zwar von vielen Seiten positive Signale. Aber potenzielle Geldgeber wollen dann halt auch Siege sehen. Und da beißt sich Katze derzeit ein bisschen in den Schwanz.“

Im ohnehin kaum noch zu verhindernden Abstieg in die Verbandsliga Südbaden sähe Kling deshalb eine neue Chance für den Verein: „Die Leute wollen den SC Pfullendorf gewinnen sehen, die Liga ist da nicht entscheidend. Mit positiven Ergebnissen hat man es bei den Sponsoren leichter. Und du hättest wieder mehr Derbys und damit auch mehr Zuschauer.“ Doch Kling sagt auch klipp und klar: „Niemand sollte glauben, dass wir mit dem aktuellen Kader in der Verbandsliga gleich wieder oben mitspielen würden. Wir müssten uns verstärken.“

Letztlich also alles wieder eine Frage des Geldes? „So ist es“, sagt Kling.

In der Verbandsliga Südbaden befindet sich mit der Spvgg. F.A.L. ein weiterer Club aus dem Linzgau auf dem letzten Tabellenplatz. Bis zu vier Absteiger könnte es aus dieser Klasse geben. Die Frickinger haben mit 13 Zählern aktuell sieben Punkten Rückstand auf das rettende Ufer und somit ziemlich schlechte Karten.

Doch abschreiben sollte man sie nicht. Das wissen seit Ostersamstag nun auch die Spieler des ebenfalls noch längst nicht geretteten FC Radolfzell (Platz elf, 23 Punkte). Denn von dort brachte F.A.L. überraschend drei Punkte mit. Kaum jemand dürfte die Spielvereinigung zuvor noch auf der Rechnung gehabt haben. Die Hinrunde verlief ja geradezu fatal. Als dann kurz vor der Winterpause doch noch die ersten beiden Saisonsiege gelangen (5:2 gegen den FC Singen, 3:1 gegen den VfB Bühl), keimte nochmals Hoffnung am Aubach. Doch nach vier weiteren Niederlagen in Serie, drei davon nach der Winterpause, schien der Ofen nun endgültig aus. Bis zum Derbypaukenschlag in Radolfzell, dessen Vernehmbarkeit auch durch die zu erwartende Niederlage am Ostermontag beim Tabellenfünften SV Linx (1:4) kaum eingedämmt wurde.

Was ist das nur los im F.A.L.-Lager? Wozu ist die Mannschaft noch in der Lage? Und wozu nicht? Kapitän Phillip Arnold gewährt Einblick ins Innenleben des Teams: „Unsere Niederlagen waren ja zumeist knapp, oft haben wir nur mit einem Tor Unterschied verloren, oft durch Tore, die spät fielen. Es fehlt uns hier und da einfach ein bisschen die Kaltschnäuzigkeit. Aber gegen Radolfzell war sie halt mal da.“ Kai Huber hatte die Linzgauer in der 63. Minute mit einem satten 15 Meter-Knaller in Führung gebracht, Mark Burgenmeister dann mit seinem 13. Saisontor in der Nachspielzeit den Deckel zum 0:2 drauf gemacht.

Die Frickinger machen sich keinen Druck, könnten deshalb noch für die ein oder andere Überraschung gut sein. Arnold: „Die Stimmung in der Mannschaft ist gut. Wir machen uns nicht verrückt. Wenn wir drin bleiben ist es super, wenn wir absteigen sollten, geht die Welt für uns nicht unter.“ Aufgegeben hat sich die Elf von Trainer Johannes Schilli jedenfalls noch lange nicht. Arnold: „Wir haben noch einige direkte Duelle gegen Mitabstiegskandidaten. Da freuen wir uns drauf. Und zum Schluss sehen wir dann, was dabei herausgekommen ist.“

Am Sonntag kommt der SV Bühlertal. Unterschätzen wird der Tabellenneunte die Frickinger sicher nicht.