Enterohämorrhagische

EHEC: Pfullendorf hat den ersten Fall

Pfullendorf / Lesedauer: 3 min

EHEC: Pfullendorf hat den ersten Fall
Veröffentlicht:30.05.2011, 18:45
Aktualisiert:25.10.2019, 18:00

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Das Kolibakterium EHEC (Enterohämorrhagische Escherichia Coli) das schwere bis lebensbedrohliche Durchfallerkrankungen auslöst, ist im Kreis Sigmaringen angekommen. Nachdem am Wochenende ein Fall in Lindau bekannt wurde, gibt es jetzt auch Fälle im Raum Pfullendorf und in Gammertingen .

Eine 35-jährige Frau aus Pfullendorf ist erkrankt. In der Nacht zum Samstag wurde sie ins Pfullendorfer Krankenhaus eingewiesen und von dort am Sonntag ins Klinikum Ulm verlegt, weil sich bei ihr das gefürchtete hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS) entwickelt hat. Wie das Landratsamt bestätigte gibt es einen weiteren Fall in der Raumschaft Pfullendorf und einen Fall in Gammertingen. In diesen beiden Fällen war keine stationäre Aufnahme in eine Klinik erforderlich. Ein Zusammenhang zwischen den drei Fällen ist bisher nicht erkennbar, schreibt das Landratsamt.

Ja, es stimmt, eine unserer Mitarbeiterinnen ist an EHEC erkrankt“, bestätigte gestern Werner Groß , Vorstandsvorsitzender der Volksbank Pfullendorf, der die kranke Kollegin bereits besucht hat, auf Anfrage der „Schwäbischen Zeitung“. Er selbst hat keine Angst vor einer Ansteckung und auch seine Mitarbeiter nicht: „Was bei uns im Haus herrscht, ist eine tiefe Betroffenheit, und wir wünschen uns nichts mehr, als dass sie schnell wieder ganz gesund wird“, sagte Groß. Der Fall sei über eine Woche her, denn einige Tage seien vom Auftreten der ersten Symptome bis zum Laborbefund, der am Freitagabend vorlag und eine sofortige Einweisung ins Krankenhaus zur Folge gehabt habe, vergangen. Inzwischen sei die Mitarbeiterin in einer Spezialklinik. „Auch unsere Kunden brauchen keine Angst zu haben“, sagte Groß weiter, denn die Mitarbeiterin sei in der Verwaltung beschäftigt und habe keinerlei Kundenkontakt. Besondere Maßnahmen, wie eine vorübergehende Schließung des Bankhauses, habe man nicht in Betracht gezogen. Lediglich die Sanitäranlagen seien besonders intensiv desinfiziert worden. „Eher eine Beruhigungspille“, sagt Groß allerdings selbst.

Inzwischen macht sich die Angst vor dem Bakterium auch in der Gastronomie breit. Im Stadtcafé beispielsweise wird zum Tagesessen vorläufig kein Salat mehr serviert. Auf einem Informationsblatt bittet Inhaber Christian Uhr seine Gäste um Verständnis für diese vorbeugende Maßnahme. Protestiert hat bisher niemand. Sonja Thurner, Restaurantleiterin im Restaurant „Boni“, hingegen sagt: „Bei uns gibt es Salat, wir haben deutsche Produkte von der Insel Reichenau. Der Salat wird geschält und gut gewaschen, man kann ihn bei uns beruhigt essen.“

Die Lebensmittelgeschäfte haben sich auf die Situation eingestellt. Die meisten Großmärkte haben Produkte aus heimischem Anbau getrennt von anderem Gemüse aufgestellt und weisen ausdrücklich auf den Erzeugungsort hin. „Die Kunden sind vorsichtiger geworden“, berichtet Christina Kruczyna, Verkäuferin bei „Früchte Herr“ im Linzgau Center, „sie fragen nach, woher die Ware kommt.“ Spanische Produkte, auch Obst, werde so gut wie nicht gekauft, während es gegen deutsche Tomaten und Reichenauer Gurken keine Vorbehalte bei den Kunden gebe.