Stegstrecker

Die Stegstrecker übernehmen kurzerhand die Macht im Städtle

Pfullendorf / Lesedauer: 2 min

Bäckergesellen aus dem Amtsstuben verteidigen das Pfullendorfer Rathaus – Hefezopf wird ans närrische Volk verteilt
Veröffentlicht:28.02.2019, 19:03
Aktualisiert:22.10.2019, 12:00

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Erstmals hat die Bürgerwehr am Schmotzigen Donnerstag das närrische Treiben auf dem Marktplatz eröffnet. Ein halbes Dutzend ohrenbetäubender Kanonenschläge war für die Kids in den weiterführenden Schulen das unüberhörbare Startzeichen für das „Ochseneinspannen“, das in diesem Jahr die Mannschaft „Bella Ciao“ von der Sechslinden-Schule für sich entschied.

Während sich das Jungvolk danach schnell ins „Moccafloor“ zu einer streng behüteten Jugendparty verabschiedete, versammelten sich die verschiedenen Gruppen der Stegstrecker und eine stattliche Anzahl Zuschauer vor der Bühne, denn punkt elf Uhr stand nichts Geringeres als die Machtübernahme auf dem Rathaus an.

Vollmundig verkündete Zunftmeister Andreas Narr noch, dass man dem Schultes den Schlüssel schon abnehmen werde und die Stadtverwaltung ganz sicher den Narren nichts entgegenzusetzen habe. Doch welcher Schock für den Zunftmeister und sein närrisches Volk nach dem letzten Ton des Narrenmarschs: Beim „wieder einmalen“ Versuch, die Innenstadt zu beleben, war das Rathaus kurzerhand in eine Bäckerei verwandelt worden. „Koin Bäcker me in der Stadt, der den Teig selber rührt“, begründete Schultes Thomas Kugler die außergewöhnliche Entscheidung und seine Gesellinnen und Gesellen, die tags zuvor noch brav in ihren Amtsstuben tätig gewesen waren, unterstrichen vielstimmig die Wandlung in eine Backstube mit dem Song von der Rathaus Bäckerei.

„Die Bäckerei schaffet ihr nie“, höhnte der Schultes, der es sich trotz eines grippalen Intensivinfekts nicht nehmen ließ, die Rathausübernahme persönlich zu verhindern, in Richtung Narren, „schon allein wegen des frühen Aufstehens.“

Solche Schmach wollte sich der Zunftmeister nun doch nicht gefallen lassen. Flugs organisierte er fünf Narren, die es mit fünf kommunalen Bäckergesellen im Mehltransport von Hand zu Hand aufnahmen. „Schwindel und Betrug“ mutmaßte zwar der Schultes, als die überdimensionale Waage am Ende etwas mehr Gewicht auf der Seite der Narren anzeigte.

Gerettet hat es ihn nicht. Der Zunftmeister nahm den Schlüssel, der – wie es sich für eine Bäckerei gehört, aus feinstem Hefeteig gefertigt war – samt Bäckerhäs an sich und verteilte ihn sogleich in fein geschnittenen Scheiben unter das närrische Volk.