Stadtbücherei

Andreas Knuf stellt in der Stadtbücherei sein neues Buch vor

Pfullendorf / Lesedauer: 3 min

Andreas Knuf stellt in der Stadtbücherei sein neues Buch vor
Veröffentlicht:29.06.2016, 15:18
Aktualisiert:23.10.2019, 14:00

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Für rund 50 meist weibliche Besucher ist am Dienstag in der Pfullendorfer Stadtbücherei ein Stück Lebenshilfe angeboten worden. Der Konstanzer Psychologe und Psychotherapeut Andreas Knuf stellte sein neues Buch „Sei nicht so hart zu dir selbst – Selbstmitgefühl in guten und in miesen Zeiten“ vor.

Der Autor verzichtete darauf, aus dem Buch vorzulesen und zog es vor, den Inhalt zu erzählen und anhand von Beispielen aus seiner Praxis zu erläutern. Büchereileiterin Martina Feldt nannte den 220 Seiten starken psychologischen Ratgeber, den etliche Gäste gleich nach der Lesung am Bücherstand von Michael Schlageter erwarben, „ein flott zu lesendes Buch“. Zwischenfragen oder Randbemerkungen aus der eigenen Erfahrung waren während Knufs Vortrag nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich erwünscht, sodass sich von Anfang an ein Dialog zwischen dem Referenten und seinen Zuhörern entwickelte.

Wie man freundlicher mit sich selbst umgeht sei „ein Thema, das mir am Herzen liegt“, sagte Andreas Knuf zu Beginn seiner 90-minütigen Ausführungen. Kaum einer sei so kritisch mit einem wie man selbst. Meistens sei man gegen sich selbst eher hart und antreiberisch, erwarte immer mehr von sich selbst. Knuf rief zu einem kritischen Blick auf die eigene Leistung auf, die anerzogen worden sei und Unsicherheit und Zweifel hervorrufe.

„Wenn wir mit den Menschen um uns herum so umgingen, wie mit uns selbst, käme nichts Gutes dabei heraus“, sagte Andreas Knuf. Dabei handele es sich um eine Perfektionismuskultur, die nicht nur am Arbeitsplatz herrsche, sondern die sich der Mensch auch in der Freizeit selbst mache. „Unser innerer Antreiber fordert immer mehr.“ Die Folge sei nicht selten ein Burnout.

Knuf rät zu mehr Selbstmitgefühl

Kritisch aus seiner beruflichen Erfahrung und aus wissenschaftlichen Untersuchungen sah der Autor das lange Jahre in der Therapie angewendete Selbstwertkonzept, das narzistische Störungen hervorrufen könne und Empathie und das Annehmen von Kritik verhindere. „Das Selbstwertgefühl ist ein Schönwettergefühl: Es ist nur da, wenn alles gut läuft. Wenn es nicht gut läuft, sind Depressionen die Folge“, sagte Andreas Knuf. Er empfahl stattdessen mehr Selbstmitgefühl, Selbstbarmherzigkeit und Achtsamkeit auf die eigenen Empfindungen.

„Wenden Sie sich zu den eigenen Empfindungen hin und drücken Sie unangenehme Empfindungen nicht weg“, sagte Andreas Knuf und führte als besonders intensive Empfindung die für die seelische Gesundheit unverzichtbare Trauerarbeit an, für die den Menschen in der heutigen schnelllebigen Gesellschaft kaum noch Zeit gelassen werde. „Die Seele macht die Beschleunigung in der Gesellschaft nicht mit“, sagte Knuf. Erleichterung bei der Verarbeitung von Problemen und traumatischen Erlebnissen bringe die „verbindende Humanität“, der Austausch mit anderen und das Wissen, dass es anderen gleich geht, sowie die Selbstfreundlichkeit. „Wir haben eine sehr große Liebesfähigkeit, das ist in den Menschen drin“, sagte Knuf, der nach einer kleinen Übung empfahl, diese Liebe „nicht nur anderen zu geben, sondern sie sich auch selbst zu gönnen“.