Unterkunft

Mengener Unternehmen bieten Unterkünfte für Flüchtlinge aus der Ukraine an

Mengen / Lesedauer: 5 min

Eine Firma baut ihr Ausbildungszentrum um, die andere stellt ein komplettes Wohnhaus zur Verfügung – und auch die Mitarbeitenden helfen mit.
Veröffentlicht:31.03.2022, 16:00
Aktualisiert:31.03.2022, 16:07

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Die beiden Mengener Unternehmen Schunk und Schlösser, die zu den größten Arbeitgebern in der Stadt gehören, stellen Unterkünfte für insgesamt 38 Menschen aus der Ukraine zur Verfügung und wollen sich auch um die erste Versorgung kümmern. Die Unternehmensführung und die Mitarbeiter wollen so einen Beitrag dazu leisten, die Menschen, die vor Krieg und Zerstörung fliehen, unterzubringen. Wie aus einer Pressemitteilung der Stadt Mengen hervorgeht, baut die Firma Schunk gerade die Büros des Ausbildungszentrums in der Saarstraße zu Wohnraum um. Die Firma Schlösser stellt ein derzeit leerstehendes Wohnhaus in der Bahnhofstraße zur Verfügung.

„Wir sind betroffen von den schrecklichen Bildern aus den Kriegsgebieten und inspiriert durch die tollen Hilfsaktionen in Mengen und der Region“, wird Schunk-Geschäftsführer Markus Kleiner in der Mitteilung zitiert. „Daher haben wir überlegt, was unser Beitrag als Firma Schunk sein kann.“ Aus dieser Überlegung wurde vor rund zwei Wochen die Idee geboren, die Büros des Ausbildungszentrums in der Saarstraße in eine Unterkunft für geflüchtete Personen umzubauen.

10 Tage für die Umsetzung der Ziele

„Nach einem Vor-Ort-Termin mit Bürgermeister Stefan Bubeck haben wir gemeinsam entschieden, das anzupacken und innerhalb von eineinhalb Wochen umzusetzen“, so Kleiner. Ein Spendenaufruf für Sachspenden sei in der Belegschaft gestartet und ein Team abgestellt worden, das den Umbau umsetzt und alles koordiniert.

Die Bereitschaft dieses Projekt zu unterstützen, sei von Anfang an sehr groß gewesen. Nicht nur die Schunk-Mitarbeiter, die mit vollem Einsatz auch das Wochenende hindurchgearbeitet haben, sondern auch befreundete Unternehmen helfen mit. Wo vor wenigen Tagen noch Labore, Büros, Besprechungs- und Schulungsräume ihren Platz hatten, sind nun Unterkunftsräume entstanden. Auch an die Kleinen wurde gedacht und ein Spielplatz errichtet.

Auch die verbleibenden Tage bis zum 3. April, ab dem ein Bezug möglich sein soll, werden arbeitsreich: Ein weiteres Bad wird gerade eingebaut, bei der Küche gibt es noch viel zu tun, die Waschküche ist fast fertig, die Sachspenden werden sortiert, die gespendeten Fahrräder auf Verkehrssicherheit geprüft und Lebensmittel werden eingekauft.

Ich bin froh, dass wir mit diesem Projekt wirklich etwas bewirken können.

Schunk-Geschäftsführer Markus Kleiner

„Ich bin froh, dass wir mit diesem Projekt wirklich etwas bewirken können“ so Markus Kleiner. Beeindruckt habe ihn auch die gute Zusammenarbeit mit der Stadt Mengen. „Uns allen ist bewusst, dass dies erst der Anfang ist und die große Aufgabe in der Betreuung liegen wird.

Aber auch hier darf Mengen stolz auf ein tolles Netzwerk und viele ehrenamtliche Helfer sein.“ Den Mitarbeitern an dem Projekt und den vielen Spendern spricht Markus Kleiner seinen Dank aus und hofft nun dass die 20 Geflüchteten, für die die Unterkunft im ersten Schritt ausgelegt ist, sicher ankommen und sich zunächst von ihren Erlebnissen etwas erholen können.

Da die Firma Schlösser bereits in dieser Woche die Ankunft von 18 Personen erwartet, darunter viele Kinder und Jugendliche, ist die Unterkunft in der Bahnhofstraße bereits fertig gestellt. Die Geflüchteten sind schon im Kreis Sigmaringen angekommen und waren zuvor von der Landeserstaufnahmestelle aus in der Jugendherberge in Sigmaringen einquartiert worden.

Wie Rebecca Adams , kaufmännische Leiterin und Mitglied der Gesellschafterfamilie berichtet, stellt die Firma Schlösser ein gesamtes derzeit leerstehendes Wohnhaus in der Bahnhofstraße für die Unterbringung der Flüchtlinge zur Verfügung. Die Wohnungen mit insgesamt 340 Quadratmeter Wohnfläche zeichnen sich vor allem durch große Gemeinschaftsräume, helle Zimmer und moderne, voll ausgestattete Küchen und Bäder aus.

Erstausstattung steht bereit

Viele Mitarbeitende der Firma Schlösser und viele weitere fleißige Hände waren in den vergangenen zwei Wochen damit beschäftigt, die Räumlichkeiten für die Menschen aus der Ukraine vorzubereiten und herzurichten, mit Möbeln auszustatten und die vielen bereits erhaltenen Sachspenden wie etwa Kleidung einzuräumen.

Derzeit wird noch WLAN installiert und in den Bädern steht schon eine Erstausstattung an Hygieneartikeln bereit. Für die Verpflegung wurde ein umfangreicher Vorrat besorgt. In den ersten Tagen werden die Ankommenden darüber hinaus in die benachbarte Pizzeria L´Aragosta eingeladen.

Neben der Grundversorgung und der Zurverfügungstellung eines Laptops hat die Firma auch umfangreiche, zweisprachige Informationsmaterialien erstellt, die die Geflüchteten bei den täglichen Dingen unterstützen sollen (Stadtplan, Sprachführer). Rebecca Adams betont, dass die Unterkünfte sich in einer überaus freundlichen und hilfsbereiten Nachbarschaft befinden und viele Menschen helfen wollen, den Geflüchteten die Integration zu erleichtern, wie durch gemeinsame Einkäufe oder Spielplatzbesuche.

Firma ist für Vorhaben verantwortlich

Das gesamte Vorhaben wurde von der Firma Schlösser selbst sowie von den Gesellschafterinnen der Firma getragen. Es wurde dafür und für weitere Hilfs- und Spendenaktionen sogar ein eigener Hilfsverein „Ukrainehilfe“ gegründet.

„Es ist schön zu sehen, was alles möglich ist, wenn viele Menschen am gleichen Strang und in die selbe Richtung ziehen: die Firma Schlösser und deren Inhaberinnen, die Stadt Mengen und die LEA Sigmaringen sowie viele weitere freiwillige Helferinnen und Helfer. Gutes tun steckt an,“ so Rebecca Adams.