Luftsportgruppe

Segelflieger suchen immer die nächste Wolke

Mengen / Lesedauer: 4 min

Samuel Goehring aus Rulfingen ist Jugendwart bei der Luftsportgruppe Ravensburg
Veröffentlicht:15.07.2019, 15:48
Aktualisiert:18.07.2019, 09:53

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„Segelfliegen ist so einfach wie Auto fahren“, sagt Samuel Goehring aus Rulfingen. Er ist Jugendleiter der Luftsportgruppe Ravensburg . Der Verein hat seinen Hangar und seine Flugzeuge auf dem Gelände des Regio Airports Mengen stehen. Hier hat Goehring mit 14 Jahren seine erste Flugstunde gehabt und mit 16 den Flugschein gemacht. Ein Schulfreund hatte ihn mitgenommen. „Das fand ich so klasse, dass ich auch fliegen wollte“, erzählt er. Viele würden denken, dass Fliegen ein Luxussport sei. „Segelfliegen ist günstiger als manch anderer Sport“, sagt Samuel Goehring.

Derzeit sind es vier Schüler, die in Mengen auf ihren Flugschein hinarbeiten. Im Schnitt dauert die Ausbildung zwei Jahre. Im ersten Abschnitt lernt der Schüler mit einem Lehrer das Fliegen, bis er zum ersten Mal allein fliegt. Für diesen Abschnitt gibt es eine Ausbildungsflatrate, die 450 Euro kostet. Danach macht der Schüler seine Übungsflüge allein. Immer wieder fliegt der Lehrer mit, bis alle Arten von Übungen absolviert sind. Dann wird die Prüfung in drei Flügen abgenommen. Den Schein stellt das Regierungspräsidium aus. „Wer gerne mal dazu kommen möchte und ein wenig schnuppern, der kann sich per Mail melden“, lädt Fluglehrer Peter Knoll ein. Er ist der stellvertretende Vorsitzende. Erster Vorsitzender der Luftsportgruppe ist Karl Schindler.

Nähe zur Alb ist wichtig

Die Luftsportgruppe Ravensburg hat wegen der Nähe zur Schwäbischen Alb ihren Standort in Mengen. Eine gute Thermik ist für das Segelfliegen wichtig. Auf der Schwäbischen Alb sei sie am besten. Der Kalkboden heize sich gut auf, die warme Luft steige hoch und bilde Kumulus-Wolken. „Sie sehen aus wie Blumenkohl“, beschreibt Knoll. Darunter gebe es immer Aufwinde, die der Segelflieger nutzt, um sich hoch zu schrauben. Dann gleitet er zur nächsten Wolke, sucht wieder den Aufwind darunter und lasse sich von den Kräften der Natur hochziehen. „So machen es auch die Vögel. Als Segelflieger fliegt man mit der Natur und spürt sie“, erklärt Samuel Goehring begeistert.

Es sei ein Gefühl von Freiheit, das man unten auf dem Boden nicht habe. „Am Himmel hat man so viel Platz“, sagt er. Von Mengen aus fliegt man nach Spaichingen, wendet nach Osten über die Schwäbische Alb bis Aalen und kehrt zurück. „Das ist für ein Segelflieger ein schöner Tagesausflug“, so Knoll.

Am Wochenende ist Flugbetrieb. Die Schüler kommen zum Hangar, holen das Flugzeug heraus und ziehen es mit dem Auto bis zur Startbahn. Dort wird es an das Schleppflugzeug gehängt. Der Schüler sitzt vorne, der Lehrer hinten. Beide haben dieselben Steuerungsgeräte. Ein Dritter begleitet den Abflug und hält das Segelflugzeug an einem Flügel gerade, damit es nicht auf dem Boden streift. Dann braust der Motor des Schleppflugzeugs und es wird gestartet. Sobald der Segelflieger ausreichend Höhe gewonnen hat, löst er sich vom Seil und gleitet frei. Das Schleppflugzeug kehrt zum Flugplatz zurück.

Der Segelflieger beobachtet den Himmel, sucht nach der nächsten Wolke, bei der er eine gute Thermik vermutet, um wieder an Höhe zu gewinnen. Manchmal ist die nächste Wolke aber zu weit weg oder die warme Luft schon komplett hochgestiegen. Dann muss der Segelflieger landen. Das geht fast überall. Wenn er den nächsten Flugplatz erreichen kann, dann meldet er sich per Funk dort an. Wenn es nicht mehr reicht, dann sucht er sich eine gemähte Wiese und landet dort. Dann wird das Flugzeug in vier Teilen zerlegt und mit dem Anhänger geholt.

Samuel Goehring beobachtet die ganze Woche die Wetterdienstansagen. Wenn am Wochenende gutes Wetter gemeldet ist, freut er sich auf das Fliegen. Derzeit lernt er das Fliegen mit dem motorisierten Ultraleicht. Damit könne er sich im Verein mehr einbringen. „Wir brauchen Schlepppiloten“, sagt Peter Knoll. Für Samuel Goehring ist das motorisierte Fliegen ein neues Stück Freiheit. „Man steigt in das Flugzeug und fliegt einfach los.“