Festakt

Lehrer führen beim Festakt ein gelungenes Kabarett auf

Mengen / Lesedauer: 3 min

Gymnasium Mengen feiert sein 200-jähriges Bestehen – Juniorprofessorin spricht über Bildung
Veröffentlicht:30.10.2016, 18:36
Aktualisiert:23.10.2019, 11:00

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Mit einem exzellenten Programm haben das Gymnasium Mengen und der Freundes- und Förderverein des Gymnasiums im Bürgerhaus in Ennetach gleich zwei Jubiläen gefeiert: Das Gymnasium feierte 200 Jahre und der Förderverein 20 Jahre Bestehen. Wobei Schulleiter Stefan Bien das relativierte, weil die Lateinschule in Mengen schon im 13. Jahrhundert gegründet wurde.

Das jetzige Jubiläum beziehe sich auf das Dekret des württembergischen Königs, der 1816 eine Bestandsaufnahme und Beschreibung aller Schule seines Landes angeordnet hatte, erläuterte Bien. „Und da das 200-Jährige des Gymnasiums so schön zum 20-Jährigen des Fördervereins passt, feiern wir in diesem Jahr“, sagte er. Die Schüler und das Lehrerkollegium hatten sich ins Zeug gelegt und einen schönen Empfang vorbereitet. Dort wurde den Gästen die Festschrift ausgehändigt.

Unter den Ehrengästen waren Thomas Bareiß (MdB), die Vertreterinnen des Regierungspräsidiums Tübingen Christina Holler und Gudrun Bregenzer, Bürgermeister Stefan Bubeck, der Vorsitzende des Fördervereins des Gymnasiums Anton Heim, Elternbeiräte Martina Guffarth und Joachim Gäbele, schließlich die ehemalige Lehrerin Margareta Behrens, die die Geschichte des Gymnasiums Mengen aufgearbeitet hat.

Vortrag über Bildung

Den Festvortrag „Bildung im Land der Dichter und Denker – Über Geschichte und Zukunft eines nationalen Konstrukts in der globalen Wissensgesellschaft“ hielt Anne Rohstock, Juniorprofessorin am Institut für Erziehungswissenschaft an der Universität Tübingen. Sie machte bewusst, dass der Begriff „Bildung“ historisch konstruiert und deutsch ist, der in andere Sprachen nicht zu übersetzen ist. In Frankreich, im Luxemburg und in den USA versteht man unter Bildung etwas ganz anderes: Bildung steht dort im Zusammenhang mit Ausbildung, mitgestaltender Bürger, Demokratie. Im Gegensatz dazu ist Bildung in Deutschland an das Nationale, die deutsche Sprache und Kultur, an eine innere Empfindsamkeit gekoppelt und mit einer ausgrenzenden sozialen Distinktion aufgeladen.

Seit dem 18. Jahrhundert schließt die innere, moralische, ästhetische Bildung des Menschen Konzepte wie Nutzen, körperliche Arbeit, gesellschaftliches Leben, Demokratie aus. Im dritten Reich sollten das Individuum und die sogenannte völkische Gemeinschaft „bearbeitet“ werden, so verdrängte der Begriff „Erziehung“ den der Bildung. Die Begriffe des gebildeten Menschen, des Geistes und der Innerlichkeit wurden nach 1945 an den Universitäten und humanistischen Gymnasien wieder heraufbeschworen, wobei dies kritisch betrachtet werden müsse, weil die Einrichtungen durch ehemalige Lehrkräfte des Nationalsozialismus unterwandert waren, erklärte Rohstock.

Der Begriff der Bildung passe nicht mehr in einem Einwanderungsland und in der globalisierten Welt. In den Gymnasien halte sich jedoch dieser traditionsreiche ausgrenzende Begriff weiter. Rohstock forderte die Gesellschaft auf, die Verkrustungen aufzubrechen, einen modernen Begriff von Bildung zu definieren und nach Formen zu suchen, um an den Schulen alle – die Einheimischen und Zugewanderten – einzubeziehen.

Nach dem Vortrag trat das Lehrerkabarett „Die Lehrer“ mit dem Programm „Der Elternabend“ auf. Die Kabarettisten Ulrich Munz, Martin Ruppenthal und Andreas Reif spielten den ersten Elternabend in einer frisch gegründeten Gemeinschaftsschule, die das Gymnasium einbezieht, was natürlich in Mengen sehr pikant ist. Munz, Ruppenthal und Reif demonstrierten die Vorzüge und Nachteile des Lehrerberufes, des neuen Unterrichtsstils. Alle Klischees kamen zu Sprache.

Viele Vorurteile und Klischees

Eltern und Schüler sahen sich in ihren Vorurteilen bestätigt: Die Lehrer arbeiten nur den halben Tag, sind eitel und weltfremd, könnten sich im wahren Leben nicht behaupten, haben Burnout und Angst vor den Schülern. In ihren Liedern, Dialogen und Szenen brachten es die drei Lehrer auf den Punkt. Rektor und Lehrer sprachen durcheinander. Sie rivalisierten mit ihren Fächern und bewiesen einander gegenseitig, dass Mathelehrer und Deutschlehrer zu sein keine Arbeit mache. Und Musiklehrer erst recht nicht. Das Publikum brach regelmäßig in schallendes Gelächter aus.

Der Festakt ließ neben den Programmpunkten noch viel Zeit zu Gesprächen und Begegnungen.