Schloßbühl

Heimatforscher sucht Reste einer Burg

Mengen / Lesedauer: 4 min

Alfons Müller vermutet, dass in Ennetach eine Art Schloss gestanden hat
Veröffentlicht:28.08.2014, 09:15
Aktualisiert:24.10.2019, 10:00

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Heimatforscher Alfons Müller geht einem Rätsel nach: In Ennetach soll es ein Flurstück mit dem Namen „ Schloßbühl “ gegeben haben. Dies deute darauf hin, dass es auf der Gemarkung ein Schloss, besser eine Burg, gegeben haben muss. Diesen Hinweis hat Müller in der Oberamtsbeschreibung von Eberhard Memminger aus dem Jahr 1829 gefunden. Im jetzigen Kataster gibt es diesen Flurnamen aber nicht mehr. „So kann das Flurstück nicht sicher geortet werden“, bedauert Müller. Doch geht er davon aus, dass auf dem Berg, nachdem das römische Kastell aufgelöst worden war, eine Burg errichtet worden ist.

Auf der Suche nach Indizien ist er auf die Flurkarte von 1736, die im Rathaus hängt, gestoßen, und da findet sich ein Detail, das ihn neugierig machte: Auf dem ehemaligen Kastellgelände liegt ein Teil der Flurstücke nicht wie die benachbarten als gerade rechteckige Flächen, sondern als Kurven, als ob sie einen Mittelpunkt umringen würden. Diese kleinste Fläche in der Mitte trägt die Flurstücknummer 826. „Die Landschaft um dieses Flurstück ist ganz eben, es bestand gar keine topografische Veranlassung, die unmittelbaren Grundstücke ringförmig einzuteilen“, so Müller.

Gesichert: Es stand ein Gebäude auf dem Flurstück

Was stand auf diesem Mittelpunkt? Ein Gebäude? „Interessant ist, dass das Flurstück 826 mit dem Vermerk „hat Gartenrecht“ versehen ist“, stellt Müller fest. Dieser Vermerk gibt dem Grundstücksbesitzer das Recht, ein Gebäude zu errichten, weil hier schon eines gestanden hat, erklärt der Heimatforscher. Deshalb kann als gesichert gelten, dass hier ein Gebäude stand. In der Memminger Oberamtsbeschreibung von 1829 steht: „In der Nähe von Ennetach befindet sich ein Hügel, der Schloßbühl genannt, wo noch die Reste von einem Graben wahrgenommen werden. Vielleicht stand hier das Schloß, wozu der Burghof (in Mengen) gehört hat, dessen der Österreichische Pfandrodel von 1313 gedenkt.“

Den Ennetacher Schloßbühl bringt Müller mit dem Mengener Burghof in Verbindung. Burghöfe dienten zur Versorgung der Burgbewohner. Er stellt die Argumente für seine These auf: Eine Urkunde im Ennetacher Archiv aus dem Jahr 1317 besagt, dass Herzog Leopold von Österreich seinem Ritter Swenden von Ostrach für seine Dienste des Burkart des Ritters Gut verliehen hat. Dieses Gut ging im Wege der Verpfändung 1385 an Hans Herysen in Pfullendorf. 1461 erwarb die Ennetacher Kirchengemeinde dieses Gut und verwendete dieses als Amtslehen: Der jeweilige Ennetacher Ammann bekam für seine Dienstzeit dieses Gut verliehen.

Dieses Gut ist in den Urbaren der Kirchengemeinde genau beschrieben. Es wurde im Laufe der Zeit stückweise verkauft oder vertauscht. Auch die Herrschaft Scheer und später das Königreich Württemberg haben versucht, Teile davon zu vereinnahmen, erklärt Müller.

Konrad Luib erwähnt Ennetacher „Schloßbühl“

Er untermauert seine These mit den Ergebnissen des Mengener Heimatforschers Konrad Luib. Auch er erwähne, dass der Mengener Burghof Bestandteil des Ennetacher Schloßbühls ist. „Man muss bedenken, Ennetach und Mengen gehörten zusammen, der eine Teil war Mengen-Stadt, der andere Teil Mengen-Ennet-der-Ach“, erklärt Müller. In Verpachtungsprotokollen der Gemeinde ist die Rede von einem Acker auf dem Berg mit einem Graben und von einem anderen Stück auf dem Berg, das als Ring um den Bühl erwähnt wird. In der Mitte dieser Flurstücke lag das kleine Flurstück 826, auf dem ein Gebäude gestanden hatte und mit dem bereits erwähnten Gartenrecht versehen war.

Um 1850 wurde der Graben aufgefüllt, die ringförmigen Flächen neu geordnet: Sie wurden den benachbarten Flächen angepasst und als Rechtecken eingemessen. „Leider konnte ich weder Aufzeichnung noch Protokoll dieser Veränderung auffinden“, berichtet Müller. Auch habe er über Museumsleiterin Judith Seifert beim Landesamt für Denkmalpflege nachfragen lassen, ob beim Bau des Hochbehälters Funde, die auf eine Nutzung nach der Römischen Besatzung deuten, gesichert worden seien. „Es kam leider keine Antwort“, bedauert Müller. Doch der Heimatforscher ist sich sicher: Auf dem Berg stand nach dem Kastell eine Burg.