Heimat

Wanderung Zum Mammutbaum

Scheer / Lesedauer: 2 min

„Mann ist der dick, ein Superlativ“
Veröffentlicht:10.06.2022, 13:14

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Der Schwäbische Albverein Scheer hatte am Pfingstmontag eine Wanderung zu einem Superlativ, das man in unserer Gegend kaum vermutet, angeboten. Eine kleine Wanderschar mit neun Personen machte sich bei schönem Wetter auf zu der Wellingtonie. Vom Parkplatz aus stiegen wir im Schatten des Waldes hinauf. Unterwegs fanden wir am Wegesrand besonders geschützte, seltene Pflanzen, die es zu bestaunen gab. Auf einer Wiese Mitten im Wald, da steht er. „Mann, ist der dick …“ möchte man spontan ausrufen, wenn man den Riesenbaum zum ersten Mal sieht. Die Stadt Tuttlingen ziert ein ganz außergewöhnliches Naturdenkmal, das man hier gar nicht erwartet – vor allem, wenn man sich in der Geschichte Tuttlingens nicht so auskennt. Mitten im Wald im Gewann Hardt oberhalb von Tuttlingen in Richtung Neuhausen ob Eck auf einer größeren Lichtung steht ein Riesenmammutbaum. Über 150 Jahre ist dieser alt und 48 Meter hoch, und damit einer der höchsten dieser Riesen in Deutschland. Und noch ein Superlativ: Auf der Liste der dicksten und höchsten Mammutbäume in Deutschland kann die Tuttlinger „Wellingtonie“, wie der Riesenmammutbaum im Volksmund auch genannt wird, zudem mit dem höchsten Standort von allen auf 839 Metern über dem Meeresspiegel punkten. Das Wusste Erich Fischer den Mitwanderden zu Berichten mit dem geschichtlichen Hintergrund. Aber wie kommt ein Riesenmammutbaum, dessen Heimat ja Nordamerika, vor allem Kalifornien ist, nach Tuttlingen? Und das im 19. Jahrhundert? Ganz einfach: Der König von Württemberg ist schuld. Denn Tuttlingen gehörte zu dieser Zeit noch zum Königreich Württemberg und König Wilhelm I. hatte sich als Naturliebhaber im Jahr 1854 eine Lieferung Samen dieses beeindruckenden Baumriesens aus Amerika schicken und in der „Wilhelma“ Bäume davonziehen lassen. Da es am Ende so viele waren, weil die Lieferung aus Amerika wegen eines Missverständnisses so groß war, ließ er diese an vielen Orten im ganzen Königreich ausbringen. So wurde im Jahr 1866 auch bei Tuttlingen einer dieser Riesenbäume angepflanzt. Da steht er nun heute noch als ein Zeugnis aus Königszeiten. Was die Natur doch so alles überlebt …Die Stadt Tuttlingen hat im Jahr 2016 an dieses Jubiläum erinnert. Und was gibt es spannenderes als dabei von Königen und Waldriesen zu erzählen, den Baumriesen zu umarmen. Oder aber unter ihm zu rasten.