Versorgungszentrum

Elisabeth Nagel ist neue ärztliche Leiterin

Gammertingen / Lesedauer: 3 min

Wechsel am Medizinischen Versorgungszentrum: Professor Trefz verabschiedet
Veröffentlicht:29.03.2015, 17:29
Aktualisiert:24.10.2019, 04:00

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Fünf Jahre lang hat Professor Dr. Friedrich Karl Trefz das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) in Gammertingen geleitet. Jetzt ist er verabschiedet worden. Seine Nachfolgerin ist Kinderärztin Elisabeth Nagel , die seit 2010 zusammen mit Trefz in Gammertingen praktiziert.

Das MVZ lag Trefz, dem ehemaligen Chefarzt der Kinderklinik in Reutlingen, sehr am Herzen. „Die medizinische Versorgung auf dem Land wurde immer schwieriger“, sagte Trefz. Die Kinderarztpraxis in Gammertingen fand keinen Nachfolger. Die Krankenhäuser seien mit der Versorgung von Menschen, die eigentlich in einer Praxis behandelt gehören, überlastet.

Trefz berichtet von einer konstruktiven, aber in den Anfängen „nicht so ganz einfachen“ Zusammenarbeit zwischen dem Kreiskrankenhaus und der Politik. 2010 konnte das MVZ außerhalb des Landkreises Reutlingen die Arbeit in Gammertingen als „hundertprozentige Tochter“ aufnehmen. Die Daseinsfürsorge für die medizinische Versorgung für den Landkreis Reutlingen konnte schließlich auch über die Kreisgrenze hinaus angeboten werden. Die Kinderarztpraxis ist inzwischen mit 1500 Scheinen pro Quartal und mit steigender Tendenz sehr erfolgreich. Neben Kinderärztin Nagel, die mit 60 Prozent angestellt ist, arbeiten noch der Kinderarzt Jens Freudenberg mit 40 Prozent, der zusätzlich als Facharzt an der Kinderklinik Reutlingen angestellt ist, und Dr. Melanie Freudenberg mit 20 Prozent, in der Praxis mit.

Die direkte Verbindung zum Kreiskrankenhaus Reutlingen wird von beiden Seiten, dem Kreiskrankenhaus Reutlingen wie auch der Stadt Gammertingen, als Vorteil gesehen. Trefz ist überzeugt: „Ärzte können die Verwaltungsarbeit, die zum Führen einer Praxis gehört, nicht noch neben ihrer Arbeit als Mediziner leisten. Die inhabergeformte Praxis ist ein Auslaufmodell.“

Zu einem Versorgungszentrum gehören weitere Bereiche, wie Gynäkologie und eine Praxis für Allgemeinmedizin. Insgesamt trage sich das Versorgungszentrum noch nicht, sollte jedoch in den nächsten drei Jahren von den roten in den Bereich der schwarzen Zahlen kommen, sagte der Geschäftsführer des MVZ Gammertingen, Friedemann Salzer.

„In der Gynäkologie könnten wir uns noch zur bestehenden Praxis von Dr. Klaus-Peter Winterfeldt in unseren Räumen eine Frauenärztin vorstellen“, sagte Kinderärztin Nagel: „Manche Frauen wollen einfach lieber zu einer Ärztin.“ Die Nachfolger der Kähny-Praxis werden in einigen Monaten einziehen, seien jedoch an das MVZ Mariaberg angebunden. Die Mieteinnahmen kommen dann dem MVZ Gammertingen zugute. Der große Vorteil für Praxis und Patienten liege in der Teamarbeit: So arbeiten sechs Arzthelferinnen praxisübergreifend. Dadurch können krankheits- und urlaubsbedingte Zeiten besser überbrückt werden.

Für Kinderärztin Nagel biete die Arbeit als Angestellte große Vorteile und sie fügte hinzu: „Ich habe schnell gemerkt, dass die Menschen hier auf dem Land sehr nett und kooperativ sind.“ Sie freue sich auf die neue Verantwortung und hoffe auf eine weitere positive Entwicklung, damit das MVZ erhalten werden könne. Dazu gehöre auch, dass Vorträge und Informationsveranstaltungen zum Thema Medizin die Bevölkerung auf das Angebot vor Ort aufmerksam machen.

Trefz ist Mediziner aus Leidenschaft: Er geht auch im Ruhestand seinen Patienten nicht verloren. In Heidelberg wird er in einem neuen medizinischen Zentrum für seltene Krankheiten mitarbeiten. Sein Schwerpunkt wird sein, wie aus Kinder-Patienten solche im Erwachsenenalter werden.

Trefz will Abschied im Café „fair und mehr“ feiern

In Gammertingen hat sich Trefz im Café „fair und mehr“ eine besondere Abschiedsfeier ausgedacht: Patienten, denen er helfen konnte, berichten aus ihrem Leben mit der Krankheit und davon, wie die Mediziner ihnen helfen konnte. „Das ist das schönste Abschiedsgeschenk“, sagte Trefz.