Windkraftfirma

Windkraftfirma misst Wind bei Bingen

Bingen / Lesedauer: 3 min

Enercon prüft auch zweiten Standort – Ergebnisse sind in drei, vier Monaten zu erwarten
Veröffentlicht:30.10.2015, 17:52
Aktualisiert:23.10.2019, 22:00

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In Sachen Windpark bei Bingen ist es still geworden. Doch der Schein trügt: Derzeit prüft die Firma Enercon beide möglichen Standorte auf ihre Wirtschaftlichkeit hin. Vor wenigen Tagen wurden sowohl bei der Kaserne als auch im Gewann Reibiswinkel in Richtung Wilflingen Geräte für Windmessungen aufgebaut.

Die Ankündigung der Gemeinde und der Firma Enercon, südöstlich von Bingen vier Windräder bauen zu wollen, hatte im Sommer in Bingen zunächst bei vielen Bürgern für Entsetzen gesorgt. Unvermittelt hat sich eine Interessengemeinschaft gebildet. Inzwischen sind alle Seiten bestrebt, das Thema einvernehmlich zu lösen. „Wir wollen den sozialen Frieden in der Gemeinde durch dieses Projekt nicht gefährden“, sagt der Binger Bürgermeister Jochen Fetzer . Der beliebte Schultes musste sich nach Bekanntwerden der Windparkpläne viel Kritik gefallen lassen.

Die Firma Enercon hatte sich bei einer Informationsversammlung bereiterklärt, auch den von der Interessengemeinschaft favorisierten Standort in Richtung Wilflingen zu prüfen. Das sei als großes Entgegenkommen zu werten, sagt der professionelle Moderator von Windkraftveranstaltungen, Rolf Pfeifer , den die Gemeinde hinzugezogen hat. Denn einerseits sei der Standort bei der Kaserne eigentlich ideal, und Enercon könnte auf den Flächen des Fürsten von Hohenzollern zwei Windräder erstellen, die durchaus wirtschaftlich zu betreiben wären. Die Flächen der Gemeinde bräuchte man nicht unbedingt. Allerdings wären es die Räder, die am nächsten zur Bebauung stehen.

Zurückhaltung bei Enercon

Ob die Firma Enercon gegebenenfalls auch versuchen wird, von kleineren Eigentümern hier Flächen zu pachten, war nicht zu erfahren. Der Vertreter der Firma Enercon, Dr. Heiko Rüppel, hat auf eine Anfrage der SZ lediglich geantwortet, dass die Gemeinde künftig für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig sei. Auch das gehört offenbar zum Bestreben, das Thema nicht hochkochen zu lassen.

Das Prüfen des zweiten Standortes kostet zusätzliches Geld und bringt den Zeitplan der Firma Enercon durcheinander. Sie muss komplett neu planen. Doch bei der Firma habe man gesagt, „wir lassen uns darauf ein und prüfen beide Standorte, sodass die Ergebnisse vergleichbar sind“, sagt Moderator Pfeifer. Zur Windmessung wurden zwei gleichwertige Geräte aufgebaut. Sie sollen drei bis vier Monate den Wind mit Lasertechnik messen. Die Methode heißt „Lidar“ und ist für Windmessungen im Hinblick auf Windparks zugelassen. Allerdings sind die jetzigen Messungen noch nicht für das Beantragen von Zuschüssen geeignet. Dafür muss mindestens ein Jahr lang gemessen werden.

Nachfrage bei Bundeswehr

Derzeit hat Enercon auch bei der Bundeswehr angefragt, ob sie bereit wäre, die Tiefflugschneise so zu verändern, dass der Windpark im Reibiswinkel gebaut werden kann. „Die Bundeswehr ist ja inzwischen flexibler geworden“, sagt Rolf Pfeifer. Somit wäre dies wohl kein Hindernis, den Windpark hier zu erstellen. Und selbst wenn der Wind hier etwas schwächer wäre, könne ein Windpark auch hier wirtschaftlich betrieben werden, betont Pfeifer. Die Räder seien so hoch, dass sie in die sogenannte Ekman-Schicht reichen, wo es kaum noch topografisch bedingte Turbulenzen gebe.

Trotz dieser Aussichten sitzt das Misstrauen bei der Interessengemeinschaft tief. Gemeinsam mit der Gemeinde wurde beschlossen, einen neutralen Gutachter die Untersuchungsergebnisse beider Standorte prüfen zu lassen. In der kommenden Woche soll eine Pressemitteilung veröffentlicht werden, die mit allen Seiten abgestimmt ist. Die SZ wird darüber berichten.