Schülerforschungszentrum

Warum die Gurke nur einseitig leuchtet

Bad Saulgau / Lesedauer: 3 min

Hannes Hipp und Sonja Gabriel qualifizieren sich für Bundesfinale bei Jugend forscht
Veröffentlicht:30.03.2016, 18:20
Aktualisiert:23.10.2019, 17:00

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Schlaue Köpfe: Die beiden Landessieger Hannes Hipp aus Hochberg und Sonja Gabriel aus Boos vom Schülerforschungszentrum (Sfz) Bad Saulgau haben sich beim Wettbewerb Jugend forscht mit einem physikalischen Experiment für das Bundesfinale in Paderborn Ende Mai qualifiziert. In ihrem Forschungsprojekt fanden die 17-Jährigen heraus, warum eine Essiggurke trotz Wechselspannung nur auf einer Seite zu leuchten beginnt.

Hannes Hipp kann seinem Physiklehrer am Studienkolleg St. Johann Blönried dankbar sein. Der Lehrer ermutigte den Elftklässler dazu, dass Sfz in Bad Saulgau zu besuchen, um seine Talent für Physik zu fördern. Hipp ließ sich überreden und nahm seine ebenfalls Phsysik affine Cousine Sonja Gabriel vom Störck-Gymnasium Bad Saulgau mit ins Sfz. Seither gehen Hipp und Gabriel im Sfz aus einem bestimmten Grund ein und aus – das Forschungsprojekt „Urknall-Gurke“. „Bisher wurde noch nicht die Frage beantwortet, warum die Essiggurke trotz der anliegenden Wechselspannung immer nur auf einer Seite zu leuchten beginnt“, sagt Hannes Hipp. Bei dem Versuch fungiert gelöstes Kochsalz als Ladungsträger, sodass Strom fließen kann.

Viel Zeit und Geduld

Das war der Ausgangspunkt ihres Experiments, das die Jungforscher nun schon anderthalb Jahren beschäftigt. Es vergeht fast kein Tag, an denen die beiden nicht wissenschaftlich arbeiten, an denen sie nicht der Frage auf den Grund gehen, warum die Gurke nur auf einer Seite leuchtet. „Wir sind froh, dass wir erst im nächsten Jahr unser Abitur haben“, sagt Hannes Hipp. Forschen kostet Zeit und Geduld.

Hipp und Gabriel stellten Thesen auf, überprüften sie, widerlegten die These und fingen wieder von vorne an. Sie versuchten, das Phänomen der leuchtenden Gurke zu verstehen – mit statistischen und spektralen Untersuchungen zum Leuchteffekt, zur Stromstärke, zu Widerstands- und Temperaturmessungen.

Und die Wissenschaftler erhielten Ratschläge von Tobias Beck, Leiter des Sfz, und Laborleiter Rudolf Binder. „Unsere Eltern brauchten wir nicht zu fragen, weil es viel zu komplex ist“, sagt Sonja Gabriel. Der Lohn für die Mühe der 17-Jährigen. Sie nahmen erfolgreich beim Regionalwettbewerb teil, qualifizierten sich für den Wettbewerb auf Landesebene – und das bei ihrer ersten Teilnahme. „Wir waren froh, überhaupt dabei zu sein“, sagt Sonja Gabriel, die doch etwas nervös war, als sie mit Hannes Hipp vor der Jury stand und ihr Experiment erklären musste.

Idee wird weiterentwickelt

Als bei der Siegerehrung ihre Namen genannt wurden, war die Freude noch größer. „Wir haben mit unseren Eltern gefeiert“, sagt Hannes Hipp, der mit Sonja Gabriel noch bis Ende Mai Zeit hat, die Idee weiterzuentwickeln, um das Projekt der Jury in Paderborn vorzustellen. Dann werden beide wieder ein schlüssiges Erklärungsmodell für die Symmetriebrechung im Innern der Gurke anbieten: „Wir fanden heraus, dass das Leuchten nicht nur durch die Gurke selbst ausgelöst wird, sondern vielmehr von der Anordnung der Elektroden und deren Beschaffenheit abhängt“, sagt Hannes Hipp. Die Gurke beginne unter Wechselspannung dort zu leuchten, wo der Gesamtwiderstand am größten sei.

Hipp und Gabriel sind nach den Erfolgen bei den Vorentscheiden optimistisch. „Wir rechnen uns eine gute Platzierung aus“, so Sonja Gabriel. Wie auch immer das Bundesfinale ausgeht, die jungen Forscher sind von der Physik fasziniert. Ein Studium der Physik scheint bei beiden nicht ausgeschlossen. Nur von einer Sache haben sie inzwischen genug. „Wir haben keinen Appetit mehr auf Essiggurken“, ergänzt Hannes Hipp.

Ein Video über das Experiment gibt es im Internet unter

www.schwaebische.de