Kernkraftwerk

„Urknall-Gurken“ leuchten an einem Ende

Bad Saulgau / Lesedauer: 4 min

Bad Saulgauer Schüler bei „Jugend forscht“ ausgezeichnet
Veröffentlicht:28.02.2016, 18:01
Aktualisiert:23.10.2019, 18:00

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Ein Hexacopter, ein Computerspiel über Kernkraftwerke und ein neues Verfahren, um Bakterien nachzuweisen und eine spezielle Gurke – Jugendliche aus der Region Südwürttemberg haben bei „ Jugend forscht “ Erfindungen im Dornier-Museum präsentiert. Auch Teams aus Bad Saulgau/Aulendorf sowie aus Wald uns Überlingen räumten Preise ab.

Insgesamt stellten bei „Jugend forscht“ 23 Teams Projekte aus naturwissenschaftlichen Bereichen vor. Alle Teilnehmer sind 15 bis 21 Jahre alt. Die Sieger dürfen ihre Arbeiten nun bei „Jugend forscht“ auf Landesebene zeigen. Gleichzeitig haben Schüler bis 14 Jahre bei „Schüler experimentieren“, dem „kleinen Bruder“ von „Jugend forscht“, mitgemacht: Ihre 34 Arbeiten stehen ebenfalls im Dornier-Museum. Unter historischen Flugzeugen reihten sie sich Stand an Stand. Technische Geräte brummen und summen, dazwischen liefen Eltern und Schüler. Es lohnte sich, stehen zu bleiben und ein Projekt zu betrachten.

Auf dem ersten Platz liegt die „Urknall-Gurke“. Wird eine Gurke an zwei Batterien mit Gleichspannung angeschlossen, leuchtet sie an beiden Enden. Hannes Hipp (Studienkolleg St. Johann Aulendorf) und Sonja Gabriel (Störck-Gymnasium Bad Saulgau) aber gingen der Frage nach: Warum leuchtet die Gurke nur an einem Ende, wenn sie an Wechselspannung angeschlossen wird? „Wenn ich unsere Arbeit erkläre, muss ich immer schmunzeln“, sagt der 17-Jährige aus Hochberg bei Bad Saulgau. Denn obwohl es ein beliebter Schulversuch sei, zwei Elektroden an die Enden einer Gurke anzuschließen, sei diese Frage unbeantwortet gewesen. Als erste Forscher der Welt fanden sie heraus: Es liegt an einem komplexen Zusammenspiel zwischen einem höheren Widerstand an einer Elektrode und der Temperatur. „Weil die Elektrode an einer Seite der Gurke sich schneller erhitzt als die andere, und die beginnt dann zu leuchten“, verrät Hipp.

Ein Jahr lang machten die beiden Jungforscher Versuche am Schülerforschungszentrum in Bad Saulgau , prüften Annahmen und verwarfen sie wieder. Essiggurken könne er jetzt allerdings keine mehr essen, sagt Hipp. Mehr als 40 Gläser und 800 Gurken hat das Forscherteam gebraucht, um eine Antwort zu finden. Das Experiment war nicht ganz ungefährlich, und darum durfte das Team im Dorniermuseum auch den Versuch nicht zeigen, wohl aber konnten Besucher den Versuchsaufbau begutachten und sich die Theorie erklären lassen. In der Kategorie Physik konkurrierte das Projekt mit sieben weiteren und erreichte den ersten Platz. Die beiden Schüler durften 75 Euro mit nach Hause nehmen.

Preise nach Wald und Überlingen

Weitere erste Preise gehen an das Projekt Hexacopter reloaded von Ulrich Schmid (Jörg-Zürn-Schule Überlingen), Philipp Schoch und Timo Schönegg (beide Gymnasium Überlingen), an das Projekt Bestimmung der Antibiotikaresistenz durch Gaschromatographie von Leona Bier (Realschule Überlingen), Anna-Maria Widenhorn und Lorina Riesterer (beide Heimschule Kloster, Wald), an das Projekt High Voltage Tycoon von Ferdinand Omlor, Max Omlor (beide Gymnasium Überlingen) sowie an das Projekt Autonomer Solarkatamaran aus dem 3D-Drucker, ein gemeinsames Projekt von Christoffer Raun, Paul Meistermann (beide Gymnasium Überlingen) und Samuel Layer-Reiss (Spohn-Gymnasium Ravensburg).

Zweite Preise erhielten Christoffer Raun, Ferdinand Omlor, Timo Schönegg (alle Gymnasium Überlingen) für ihr Projekt Möglichkeiten des ADTF Frameworks sowie Johannes Bier (Elektronikschule Tettnang) und Frederic Forster (Gymnasium Überlingen) für Tiefenbilder von Stereokameras. Sie erhalten 60 Euro.

Zur Feierstunde und Preisverleihung des Wettbewerbs waren am Abend auch ZF-Chef Stefan Sommer und Friedrichshafens Oberbürgermeister Andreas Brand angereist. Sommer, dessen Konzern den Wettbewerb in Friedrichshafen federführend organisiert hatte, sprach vor den hunderten Teilnehmern, Eltern und Sponsoren über die Bedeutung jungen Forscherdrangs für Wirtschaft und Gesellschaft: „Wir brauchen junge und kreative Menschen, die unsere Produkte entwickeln“, so Sommer. Den Herausforderungen der modernen Welt könne man nur mit neuen Ideen begegnen. Andreas Brand stieß in seine Rede in eine ähnliche Richtung, hob die Bedeutung guter Forschung für den Standort Friedrichshafen hervor. Er habe beim Wettbewerb „tolle Ansätze, tolle Projekte und tolle Experimente“ gesehen.