Brillenkauf

Optiker fordert Verbot von Brillenkauf im Internet

Bad Saulgau / Lesedauer: 3 min

Klaus Nerlich reicht Petition beim Bundestag ein
Veröffentlicht:02.08.2012, 17:25
Aktualisiert:25.10.2019, 07:00

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Es scheint so einfach: Ein paar Zahlen eintippen, ein paar Haken setzen und schon kommt die neue Brille aus dem Internet per Post ins Haus. Aber Vorsicht! Denn der Bad Saulgauer Einzelhändler Klaus Nerlich, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger im Augenoptiker-Handwerk, warnt Brillenkäufer vor dem Internethandel. „Die Gesundheitsgefahr für die Augen wird gleich mitgeliefert.“ Im Internet fehle die körperliche Präsenz des Kunden, nennt Nerlich den entscheidenden Unterschied zum Kauf im Optikergeschäft. Doch diese Tatsache werde von den Onlineanbietern verschwiegen.

Deshalb hat Nerlich Ende Juli eine Petition beim Deutschen Bundestag eingereicht, um dem Handel mit Korrektionsbrillen im Internet grundsätzlich zu verbieten. 1315 Menschen aus der Augenoptikerbranche haben die Petition unterschrieben. Nerlich stützt sich dabei auf die bestehenden Gesetze, Verordnungen und Richtlinien. „Die Brille ist ein medizinisches Produkt. Eine körperliche Anwesenheit des Brillenträgers ist bei der Vermessung der Korrektionsbrille zwingend vorgegeben.“ Die Anwesenheit des Kunden ist aus mehreren Gründen erforderlich und gesetzlich vorgeschrieben: bei der Vermessung der Augen (Refraktion), bei der Auswahl der Brillenfassung und bei der Festlegung der Zentrierwerte der Sehhilfe, um nur einige Beispiele zu nennen. „Diese Kriterien können ohne körperliche Anwesenheit im Internet in keinster Weise erfüllt werden“, sagt Nerlich. Denn im Internet können per Mouseklick zwar die Brillenform, die Marke, die Glasstärke und die Pupillendistanz gewählt werden, mehr aber nicht. „Ich habe mir mehrere Seiten genau angeschaut. Unbeachtet bleiben bei den Anbietern unter anderem der Abstand zwischen Brillenglas und Auge oder die Höhenposition der Augen, die sogenannte Einschleifhöhe. Diese wesentlichen Richtlinien können im Internet nicht erfüllt werden“, ergänzt Nerlich. Er selbst benötigt in seinem Geschäft etwa knapp eine Stunde, bis klar ist, welche Brille für den Kunden die richtige ist. „Dafür haben wir diesen Beruf gelernt.“

Gefahr für die Augen

Nerlich und eine Reihe von Experten fordern deshalb ein Verbot des Online-Verkaufs von Korrektionsbrillen, „weil die Gefahr von dauerhaften Störungen am Auge zu groß ist“. Wer über einen längeren Zeitraum die falsche Brille trage, werde gesundheitliche Probleme bekommen“, prophezeit Nerlich. Darum geht es ihm in erster Linie, und nicht etwa um die wachsende Online-Konkurrenz in seinem Gewerbe. „Etwa zwei Prozent der Brillen wird im Internet gekauft.“

Die Petition ist derzeit in der parlamentarischen Beratung des Petitionsausschusses. Klaus Nerlich ist realistisch genug, um zu wissen: „Ein grundsätzliches Verbot wird eher schwierig sein.“ Er und seine Kollegen hoffen ansonsten auf ein Warnhinweis auf den entsprechenden Seiten im Internet. Der Hinweis könnte wie folgt lauten: „Diese Sehhilfe entspricht nicht den gültigen Arbeitsrichtlinien im Augenoptiker-Handwerk, sondern diversen gesetzlichen Vorgaben und Normen, und darf weder an Kinder, Jugendliche und Sehbehinderte weitergegeben werden.“ Sollte sich der Ausschuss für diesen Warnhinweis entscheiden, „wäre das schon ein großer Erfolg für uns“.