Seifenblase

Mit Seifenblasen fängt das Forschen an

Bad Saulgau / Lesedauer: 4 min

Große Resonanz beim Tag der offenen Tür am Schülerforschungszentrum in Bad Saulgau
Veröffentlicht:15.07.2019, 07:00
Aktualisiert:15.07.2019, 07:02

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Staunen, beobachten, informieren und experimentieren – dazu hat das Schülerforschungszentrum Südwürttemberg (Sfz) am Standort Bad Saulgau am Freitag die Öffentlichkeit eingeladen. Das Angebot wurde rege genutzt. Und begeisterte nicht nur Kinder, sondern auch deren Eltern.

„Es ist einfach faszinierend, was die Kids am Sfz so machen“, schwärmt eine Mutter, die mit ihrem Sohn Hannes den Tag der offenen Tür genutzt hat, um sich einen ersten Eindruck von der Einrichtung zu machen. Es kann gut sein, dass Hannes sich demnächst für eines der vielen Kursangebote entscheiden wird. Aber jetzt müssen die vielen Eindrücke erst mal verarbeitet werden.

Die gibt es am Freitag verteilt über vier Etagen. Stolze 24 Angebote sind aufgelistet. Eines davon stellen Madlen und Isabella vor. Die beiden haben sich auf die Spuren des „optimalen Milchschaums“ gemacht. Dafür haben sie mehrere Milchvarianten in den Test einbezogen und die Dichte des Milchschaums berechnet. Dabei kamen sie zu einem eindeutigen Ergebnis: Der aus Biomilch hergestellte Schaum hält eindeutig am besten und ziert damit die Tasse Kaffee am längsten. Für ihre Idee eines Mundstückwärmers für Blechblasinstrumente hat Madlen erst vor kurzem einen Preis eingeheimst.

Einen Tisch weiter ist der kleine Julian dabei, genau zu beobachten, wie viele Wassertropfen auf einem Ein-Cent-Stück Platz finden, die er mit achtsamen Bewegungen mittels einer Pipette auf die kleine Münze drapiert. Andere Kinder lassen sich trotz des Trubels drumherum nicht davon ablenken, das Verhalten von Seifenblasen auf den Tabletts zu beobachten. Wie lange behalten sie ihre Form? Was muss ich beim Pusten und Platzieren beachten? „Mit den einfachsten Dingen lässt sich wunderbar arbeiten und experimentieren“, sagt Heidrun Boll vom Dozenten-Team. Und schiebt hinterher, dass es Kindern vor dem Hintergrund einer immens schnelllebigen Welt guttut, das „Staunen wieder zu lernen“, an den Dingen dran zu bleiben, nach Bedarf zu wiederholen und dabei intuitiv in das nächste Stadium des Beobachtens und Vermutens einzutauchen.

Mehr Mädchen fürs Sfz

Rund 30 Prozent der Schüler am Sfz ist aktuell weiblich. Doch die Zahl soll nach den Wünschen von Standortleiter Marc Bienert und dem geschäftsführenden Vorstand Dr. Rolf Meuther in der Zukunft weiter steigen. „Besonders in Physik, aber auch in den anderen MINT-Fächern braucht es viel mehr Frauenpower“, sagt Marc Bienert. So würden neue Impulse und Ansichten integriert, die für die jeweiligen Prozesse notwendig und bereichernd seien.

Dass in dem Zusammenhang besonders die familiären Gegebenheiten eine große Rolle spielen, davon ist eine Mutter überzeugt, die den Tag der offenen Tür mit der ganzen Familie nutzt. „Mein Mann gibt sein Wissen selbstverständlich an seine Töchter weiter“, sagt sie. Beste Voraussetzungen also, um die Mädchen nachhaltig für Mint-Themen zu begeistern. Am Eingang stellt Michael Meier das Bienenprojekt vor. Aktuell geht es dort um die Suche nach einer alternativen Varroa-Diagnose.

„Die Experimente mit Kieselgur bringen super Ergebnisse, aber bei dem Prozess ist die Anzahl von toten Bienen zu hoch“, sagt der Leiter der Imker-AG am Störck-Gymnasium. Also wird weiter geforscht. Der mehrfach preisgekrönte SFZ-Schüler Robin Schönegg hat sich zwei Jahre lang mit Magnetic Beads beschäftigt, mit deren Hilfe das Trinkwasser sauberer werden soll. Akkurat und gut nachvollziehbar dargestellt sind die Forschungsergebnisse an die Wand gepinnt.

Filtersysteme für Wasser

„Die bisherigen Filtersysteme stoßen aufgrund der vielen Problemstoffe, wie etwa Hormone oder Medikamentenrückstände, schnell an ihren Grenzen“, so Robin Schönegg. Ein weites und vor allem wichtiges Forschungsfeld also, dem er sich zusammen mit Franziska von Wulffen weiter widmen wird. Längst kommen regelmäßig Unternehmen auf das Sfz zu, unterstützen die Einrichtung, sind an Kooperationen, Projekten und Forschungsergebnissen interessiert. Das wundert nicht. Nach dem Rundgang, den vielen Einblicken in teils höchst komplexe und zukunftsweisende Projektabläufe wird der hohe Stellenwert der Einrichtung deutlich. Vor allem mit Blick auf die Herausforderungen, die sich im Zuge des Klimawandels und der wachsenden globalen Konkurrenzsituation ergeben. Und mit Blick darauf, dass die Anfänge durchaus beim Beobachten von Seifenblasen und Milchschaum liegen könnten. Natürlich ohne Zeit- und Notendruck.