Kirchengemeinde

Kirchengemeinde verpasst Retourkutsche

Bad Saulgau / Lesedauer: 3 min

Pfarrer Peter Müller wehrt sich gegen Vorwürfe von Vinzenz von Paul – Tischtuch zerschnitten
Veröffentlicht:31.05.2013, 18:40
Aktualisiert:25.10.2019, 00:00

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Der Streit zwischen der katholischen Kirchengemeinde St. Johannes in Bad Saulgau und der Vinzenz von Paul GmbH, soziale Dienste und Einrichtungen, geht in die nächste Runde. In einem Schreiben an die Schwäbische Zeitung Bad Saulgau – unterschrieben von Pfarrer Peter Müller – nimmt die Kirchengemeinde Stellung zum Artikel in der SZ vom 17. Mai – „Vinzenz von Paul wirft Kirche schlechten Stil vor“.

In dem Schreiben heißt es, „dass nicht zuletzt die in die Öffentlichkeit gelangten Darstellungen der Verhandlungen zwischen der katholischen Kirchengemeinde und der Vinzenz von Paul GmbH ein falsches Bild auf die Arbeit der Kirchengemeinde, aber auch der einzelnen mit der Sache beschäftigten Mitarbeiter geworfen haben.“ Die Kirchengemeinde bedauert, dass vertrauliche Einzelheiten über die zwischen den beiden Parteien angestoßenen Verhandlungen von Vinzenz von Paul öffentlich gemacht wurden.

Schritt in die Öffentlichkeit

Die Vinzenz von Paul GmbH entschloss sich zu diesem Schritt, nachdem ihr die katholische Kirchengemeinde eine Absage der Kooperation erteilt hatte. Stattdessen arbeiten die katholischen Sozialstationen Bad Saulgau-Herbertingen und Riedlingen ab dem 1. Juli zusammen. Nach der für Vinzenz von Paul überraschenden Absage folgte die Kündigung der Sozialstation. „Wir sind nicht enttäuscht über die Entscheidung, wir sind enttäuscht über die Art und Weise und den Stil der Kirchengemeinde“, sagte Peter Beck, Regionalleiter von Vinzenz von Paul, vor etwas mehr als zwei Wochen.

Nun kontert die katholische Kirchengemeinde mit ihrem Schreiben: „Der Eindruck, der offensichtlich gewonnen wurde, die Kirchengemeinde hätte nahezu abgeschlossene Verhandlungen ohne jeden Anhaltspunkt beendet und sich kurzfristig für eine Alternativlösung entschieden, verwundert nicht nur vor dem Hintergrund, als die Geschäftsführung von Vinzenz von Paul zweifellos große Erfahrung und Professionalität im Umgang mit wirtschaftsrechtlichen Fragen besitzt.“

Vinzenz von Paul sollte wissen, so die Kirchengemeinde, „dass die Verhandlungen um die Gründung einer neuen Gesellschaft bei gleichzeitiger Übernahme der Belegschaft und des Geschäftsfeldes einer bestehenden wirtschaftlichen Einheit schrittweise vor sich gehen und jederzeit scheitern können“. Das Risiko der Ergebnislosigkeit der Gespräche sei daher sowohl für Vinzenz von Paul als auch für die katholische Kirchengemeinde eine Selbstverständlichkeit gewesen.

Die Kirchengemeinde legt Wert auf die Feststellung, dass zu keinem Zeitpunkt ein fertiger Beschluss des Kirchengemeinderats vorgelegen habe, der ein annehmbares Vertragsangebot zum Inhalt gehabt haben könnte. „Einen derartigen Beschluss hat es nicht gegeben“, so die Kirchengemeinde. Der Schwäbischen Zeitung liegt jedoch ein Beschluss des Kirchengemeinderats mit zwölf Ja-Stimmen und einer Enthaltung vom 24. Oktober vor. Darin steht, dass die Kirchengemeinde St. Johannes die Ausgründung der Sozialstation in eine gemeinnützige GmbH mit der Vinzenz von Paul plane. Die Kirchengemeinde hingegen spricht von einem Vertragsentwurf, in dem Vinzenz von Paul offenbar zur Bedingung machen wollte, die Mehrheit der Geschäftsanteile und des Stimmrechts zu bekommen. „Dagegen hatte die Kirchengemeinde nichts einzuwenden“, sagte wiederum Peter Beck im Gespräch mit der SZ .

Die katholische Kirchengemeinde begründet in ihrem Schreiben die Zusammenarbeit mit der Sozialstation Riedlingen, dass sie eine Änderung im Bereich der Sozialstation herbeiführen wolle. Das sei so klar kommuniziert worden. „Die Kirchengemeinde bittet um Verständnis, dass sie sowohl als kirchliche Einheit als auch als Arbeitgeber ihre christlichen Werte und Überzeugungen gerade in dem sensiblen Bereich der Pflege bedürftiger Menschen nachhaltig gesichert und verwirklicht sehen will.“ Dieses Prinzip sieht sie in einer gleichwertigen Kooperation mit der Sozialstation in Riedlingen erfüllt.