Besuch im Vatikan

Dank kuriosem Deal: Stadtmusik Bad Saulgau bekommt Audienz beim Papst

Bad Saulgau / Lesedauer: 4 min

Die Stadtmusik reist über Pfingsten nach Rom, um Papst Franziskus zu treffen. Das mussten die Musiker dafür tun.
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"Ich hatte vielleicht eine ganz leise Hoffnung, aber eigentlich hätte ich es nie für möglich gehalten, dass es am Ende tatsächlich klappt", sagt Marc Lutz, Musikdirektor der Stadtmusik Bad Saulgau, über den wohl kuriosesten Deal, den er jemals eingefädelt hat: ein Prozessionsmarsch im Tausch gegen eine Audienz beim Papst. Wie kam es dazu?

Antrittsbesuch beim Dekan

Von vorne. Im Herbst 2020 nimmt Lutz seinen neuen Posten als Musikdirektor der Stadtmusik Bad Saulgau auf. In neuer Funktion kommt es zum Antrittsbesuch bei Peter Müller, Dekan des Dekanats Saulgau.

Er hat mir eigentlich direkt signalisiert, dass das Treffen kein Problem sein dürfte.

Marc Lutz

Im persönlichen Gespräch erfährt der Dekan, dass Lutz vor einigen Jahren bereits einen Prozessionsmarsch, einen langsamen Marsch im kirchlichen Stil, für die Kirchengemeinde Sankt Oswald in Herbertingen komponiert hatte.

Spontan fragt er ihn, ob er sich vorstellen könnte, auch einen für sein Dekanat zu komponieren.

Musikdirektor geht All-In

Von der Anfrage überrascht, ringt der Musikdirektor zunächst mit sich. "Weil ein Prozessionsmarsch nicht mal eben auf die Schnelle komponiert ist", sagt er. Lutz weiß: Bei einer Zusage stehen ihm intensive Wochen, eher Monate des Komponierens bevor.

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Dann kommt ihm die Idee. "Ich sagte zu ihm, dass ich den Prozessionsmarsch für Saulgau gerne komponiere, wenn die Stadtmusik im Gegenzug den Papst in Rom treffen kann", erzählt Lutz.

Dekan kennt Kardinäle

So aus der Luft gegriffen, wie diese Forderung erscheint, ist sie jedoch nicht. "Ich wusste, dass der Dekan in Rom studiert hat und die Kardinäle und das unmittelbare Umfeld von Papst Franziskus gut kennt", sagt Lutz.

Mit einer Zusage rechnet er im Herbst 2020, inmitten der Coronapandemie, trotzdem nicht. Umso überraschender für den Musikdirektor die Antwort des Dekans.

"Dürfte kein Problem sein"

"Er hat mir eigentlich direkt signalisiert, dass das Treffen kein Problem sein dürfte, er den Text beisteuern würde und ich doch schon mal mit dem Komponieren anfangen könnte", erzählt er.

Lutz willigt ein und drei Monate später ist der Prozessionsmarsch "Corpus Domini" fertig – und somit der Stadtmusik der Besuch beim Papst zugesagt. Termin: Pfingsten 2023.

Mit 150 Reisenden nach Rom

Mit drei Reisebussen und voraussichtlich 150 Teilnehmern tritt die Stadtmusik am 27. Mai ihre Reise nach Rom an. "Aus der Möglichkeit, den Papst zu treffen, hat sich die Idee für eine größere Konzertreise mit der Bürgerwache Bad Saulgau und zahlreichen Angehörigen entwickelt", erklärt Lutz.

Wir müssen drei Stunden vor der Audienz durch die Sicherheitskontrollen. Da wird alles unter die Lupe genommen, selbst unsere Instrumente.

Marc Lutz

Auf dem Programm steht ein Kirchenkonzert in der Sant’Ignazio in Rom, ein gemeinsamer Aufmarsch mit der Schweizer Garde und am letzten Reisetag, am Morgen des 31. Mais, dann das große Highlight: das Treffen mit dem Papst.

Exklusive 30 Minuten

Unmittelbar vor der Generalaudienz erhält die Stadtmusik exklusiv ein Zeitfenster von 30 Minuten, in dem sie Papst Franziskus den Prozessionsmarsch "Corpus Domini" präsentieren wird.

"Wir werden ihm außerdem ein Gastgeschenk mitbringen, eine ausgedruckte Version des ,Corpus Domini’, der das alles erst in die Wege geleitet hat", sagt Lutz.

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Wie das Treffen darüber hinaus aussehen wird, weiß er heute noch nicht. "Ob wir uns wirklich mit ihm unterhalten können, ob wir ihm Fragen stellen können, das wird sich alles noch klären müssen", sagt Lutz.

Strenge Sicherheitsvorkehrungen

Worüber die Reisegruppe aber bereits informiert wurde: Vor Ort herrschen strenge Sicherheitsvorkehrungen.

"Wir müssen schon drei Stunden vor der Audienz durch die Sicherheitskontrollen. Da wird alles unter die Lupe genommen, selbst unsere Instrumente", sagt Lutz.

Stadtmusik freut sich auf "Lebensereignis"

Die Vorfreude der Stadtmusik trübt das aber nicht. "Das wird ein Lebensereignis, das keiner der Beteiligten jemals vergessen wird", sagt Stefan Kabus, Vorstandsvorsitzender der Stadtmusik Bad Saulgau.

"Selbst die, die es vielleicht nicht so mit dem Papst haben, finden das aufregend", ergänzt Musikdirektor Lutz.

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