Fasnet

So feiern die Wasserburger Feuerhexen ihr 20-Jähriges

Wasserburg / Lesedauer: 6 min

Anfangs verkleiden sich Freunde mit Kittelschürzen und Plastikmasken, heute hat der Verein 144 Mitglieder. Was am Wochenende auf dem Programm steht.
Veröffentlicht:25.01.2023, 19:00
Aktualisiert:25.01.2023, 01:00

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Die Wasserburger Feuerhexen haben Geburtstag. Seit 20 Jahren gibt es jenes lustige Völkchen schon, das zuverlässig in der fünften Jahreszeit die Wasserburger Straßen mit seinem Schabernack unsicher macht. Kein Wunder also, dass so ein Jubiläum gefeiert werden will. Und das tun die Wasserburger Feuerhexen ausgiebig am kommenden Wochenende.

So wirklich angefangen hat eigentlich alles aus einer Laune heraus. Genauer gesagt, aus einer Fasnetslaune. Michael Beck erinnert sich noch gut daran, wie er und eine Gruppe Freunde sich wie jedes Jahr am Freitag nach dem Gumpigen Donnerstag im Feuerwehrhaus getroffen haben, um dort ein bisschen zu feiern.

Weil Fasnet war, waren natürlich alle verkleidet. Und irgendwann kam irgendjemand auf die Idee, man könne sich doch am Fasnetsdienstag treffen, um gemeinsam durchs Dorf zu ziehen. Und zwar als Hexen verkleidet.

Los geht es mit Kittelschürze und Plastikmaske

Ausgestattet mit Omas Kittelschürze und einer Plastikmaske ging es dann tatsächlich von Geschäft zu Geschäft, zu den Banken und die Apotheke bis hin zum Rathaus.

Haare wurden verstrubbelt, der ein oder andere Schabernack getrieben, und überall bekamen die selbsternannten Narren etwas Leckeres zu schnabulieren. Beim Metzger eine zünftige Brotzeit, hier ein Schnäpsle, dort ein Bierle und im Rathaus schließlich den Absacker. Eine Tradition, die sich bis heute gehalten hat.

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Denn mit diesem ersten Umzug in den 1990er-Jahren wurde nicht nur das „Hexenmäschkerle“ geboren, sondern auch die Wasserburger Feuerhexen. Oder vorerst zumindest der Wunsch nach einem eigenen Verein.

„In einen anderen Verein eintreten wollten wir nicht“, erinnert sich Michael Beck, der heute der stellvertretende Vorsitzende der Wasserburger Feuerhexen ist, und erzählt, dass damals zwar mit den „Glockenfischern“ ein Wasserburger Häs existierte. „Aber die gab’s nur ein oder zwei Jahre, dann sind sie in der Versenkung verschwunden.“

Aus 14 werden 144 Mitglieder

Deshalb hoben am 28. Juli 2003 sieben Wasserburger Familien die Wasserburger Feuerhexen aus der Taufe. Heute, 20 Jahre später, sind aus den vierzehn Mitgliedern 144 geworden. Die Kinder nicht eingerechnet.

Doch mit der Vereinsgründung ist die Geschichte der Wasserburger Feuerhexen längst nicht erzählt. Auch ihr Erscheinungsbild hat sich entwickelt. Die Kittelschürze wurde an den Haken gehängt und wich einem selbstgenähten schwarzen Rock, einem blau-weiß kariertem Hemd, einer weißen Pluderunterhose und rot-weißen oder blau-weißen Stulpen.

Dabei bezieht sich die Farbauswahl auf das Wasserburger Wappen. Die Farbe Rot steht indessen für das Feuer. Geblieben waren vorerst noch die Plastikmasken. „Aber die waren furchtbar“, erinnert sich Michael Beck noch heute mit Schrecken an die kondenswassertriefenden Gesichter unter den Masken.

Wie sich Maske und Häs verändern

Kein Wunder also, dass sich die Feuerhexen von einem Ravensburger Schnitzer wilde Hexengesichter in Holz schnitzen ließen. Obendrein kam auch der obligatorische Reisigbesen dazu. Und weil das anfängliche Karohemd an der über die Jahre nicht einzuhaltenden Einheitlichkeit scheiterte, springen die Feuerhexen heute mit hellblauen Oberteilen durch die Straßen.

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Ihr Schlachtruf „Schnee – schneit“ kommt übrigens auch nicht von ungefähr. Vielmehr hat der Narrenruf seinen Ursprung bei einer Nonnenhorner Wagenfasnet genommen, als dort Wasserburger Wagenbauer Unmengen Konfetti mit einem Heugebläse verteilten und die Straßen mit den weißen Papierflocken bedeckt waren. Seitdem hieß es: „Wenn die Wasserburger kommen, ist es, wie wenn Schnee schneit.“ Geblieben ist Schnee – schneit.

2018 kam schließlich mit dem Scharfrichter noch eine letzte, nicht ganz unumstrittene, Figur hinzu. Gedacht als Ergänzung zu den Hexen, oder besser gesagt zu ihrer Vervollkommnung, gibt es ihn nur ein einziges Mal. Und wie die Hexen ist auch er der Wasserburger Historie entnommen.

Denn in der mittelalterlichen Zeit hatten in Wasserburg Hexenverfolgungen stattgefunden und es gab natürlich auch einen Scharfrichter. Er war die Person, die die Gefangenen gefoltert und zum Scheiterhaufen gebracht hat.

Anders als sein historisches Vorbild soll das Wirken des heutigen Scharfrichters aber eher ausgleichend sein. Seine Aufgabe ist es, die Hexen in Schach zu halten, wenn sie es mit dem Schabernack übertreiben.

Die Tradition ist älter als der Verein

Die ersten, die wussten, wie man in Wasserburg Fasnet feiert, waren die Feuerhexen freilich nicht. Schon in den 1920er-Jahren soll es Wasserburger gegeben haben, die das Dorf bei der Nonnenhorner Wagenfasnet vertreten und auch in Wasserburg Umzüge organisiert haben.

Die Kinderumzüge, die traditionell noch heute am Bromigen Freitag stattfinden, gehen auf die 1960er-Jahre zurück, als Paula Rehm ihr Gästehaus zur Schneiderei für die Kinderverkleidungen für die Umzüge umfunktionierte. Von den legendären Weiberfasnetsbällen in den 1980er-Jahren ganz zu schweigen.

Allerdings zogen mit den Wasserburger Feuerhexen auch die festen Termine und Traditionen ins Dorfleben ein. So wurde 2005 der erste Narrenbaum gestellt, und zwar mit der Wurzel nach oben. Als Symbol dafür, dass das sonst so geregelte Leben am Fasnet buchstäblich auf den Kopf gestellt ist.

Und auch der Umzug am Dienstag ist eine feste Tradition (21. Februar). Er endet traditionell im Rathaus mit einem Absacker. Tradition ist auch der Kinderumzug am Freitag, mit anschließendem Kinderball (17. Februar). Beim Rathaussturm (16. Februar), an dem alljährlich am gumpigen Donnerstag die Macht übers Dorf an die Narren übergeht, müssen sich Bürgermeister und Gemeinderäte dem Hexengericht stellen.

Ausstellung und Party-Programm zum runden Geburtstag

Doch in diesem Jahr haben die Wasserburger Feuerhexen Geburtstag und den feiern sie natürlich ganz besonders. Allem voran mit der „Hexura“, einer Jubiläumsausstellung, bei der sie ihre Geschichte aufbereitet haben.

In den Schaufenstern der Wasserburger Geschäfte geben sie jeweils unterschiedliche Einblicke in die Geschichte der Wasserburger Fasnet. „Jedes Schaufenster hat ein anderes Thema“, erklärt die erste Vorsitzende Sabrina Stadler.

Höhepunkt der Feierlichkeiten ist das kommende Wochenende. Es beginnt am Freitag um 18.30 Uhr mit dem Stellen des Narrenbaums auf dem Lindenplatz, den das Chaosorchester musikalisch begleitet. Danach geht es zur Sumserhalle, in der alle ab 16 Jahren Party feiern. Angekündigt haben sich acht Lumpenkapellen.

Am Samstag geht es um 14.11 Uhr mit dem Narrensprung weiter, der vom Eulenspiegel bis zur Sumserhalle führt. An diesem Tag verwandelt sich der Parkplatz zur Partymeile, in der Sumserhalle selbst gibt es Kaffee und Kuchen.