Sortengarten

„Wir sind auf einem guten Weg“

Sigmarszell / Lesedauer: 4 min

Förderverein für die Versuchsstation für Obstbau Schlachters bestätigt Ulrich Pfanner als Vorsitzenden
Veröffentlicht:28.02.2019, 15:48
Aktualisiert:22.10.2019, 12:00

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Eine halbe Million Euro vom Bezirk Schwaben für den Sortengarten, 30 000 Euro in diesem Jahr und 100 000 Euro im nächsten Jahr vom Landkreis Lindau für den Um- und Ausbau des alten Verwaltungsgebäudes, beste Aussichten auf eine Verlängerung des Kooperationsvertrages zwischen Bayerischem Staatsministerium und Obstbauschule Schlachters und der Bezirk Schwaben als neues Mitglied. Das sind die Erfolge, auf die der Förderverein für die Versuchsstation für Obstbau Schlachters auf seiner Hauptversammlung zurückgeblickt hat. Beim Blick nach vorne widmete sich der Verein vor allem der Ausgestaltung der Versuchsstation für Obstbau als Satellitenstandort für die Landesgartenschau 2021. Zudem bestätigten die Mitglieder Ulrich Pfanner als ihren Vorsitzenden.

Die Anstrengungen der vergangenen Jahre haben gefruchtet. Zumindest was den Sortenerhaltungsgarten anbelangt. Denn nachdem in jahrelanger, Leader-geförderter Projektarbeit, alte Obstbaumsorten in ganz Südschwaben gesucht, kartiert und 200 davon im Sortenerhaltungsgarten in Schlachters angebaut wurden, hat die Obstbauschule jetzt grünes Licht dafür bekommen, dieses Projekt auf ganz Schwaben auszudehnen. „Der Bezirk Schwaben hat einstimmig beschlossen, dass der Sortenerhaltungsgarten ein hervorragendes Projekt ist“, berichtete Vorsitzender Ulrich Pfanner nicht ohne Stolz. Zuvor hatte er den Mitgliedern noch einmal ins Gedächtnis gerufen, um was es dabei eigentlich geht. Nämlich darum, alte Obstbaumsorten wiederzuentdecken, sie zu kartieren, sie auf ihr Genpotenzial hin zu untersuchen und sie dann zu züchten. Diese Sortenerhaltung habe zum Ziel, die für die jeweiligen Regionen in ganz Schwaben typischen Sortenbestände zu erhalten und diese dann letztendlich den Städten und Gemeinden, etwa zur Bepflanzung von Ausgleichsflächen, über Baumschulen zur Verfügung zu stellen. Denn beispielsweise habe sich gezeigt, dass trotz extremen Frosts viele Sorten 60 Prozent ihrer Früchte trugen. „Unsere Vorfahren haben so gezüchtet, dass das Obst in Extremsituationen nicht gänzlich ausbleibt“, machte Pfanner die Bedeutung der alten Sorten klar und war sich sicher, dass in ihnen ein wertvolles Genpotenzial schlummere. Deshalb würden die alten Sorten ein für die Zukunft wichtiges Potenzial für die Forschung bergen. Darüber hinaus seien sie ein „wichtiges Kulturgut“.

Weil dies auch die Regierung von Schwaben erkannt habe, unterstütze sie nun das Projekt über zehn Jahre hinweg mit jährlich 50 000 Euro. Geld, mit dem die Obstbauschule den Sortengarten einrichten und ausbauen kann. Denn derzeit stehen die Sorten aus Südschwaben im hinteren und damit schwerer zugänglichen Teil der Anlage. Wenn dann die Sorten aus Nordschwaben hinzukommen, sollen alle Sorten zusammen in einem Garten unterhalb der Schule Platz finden. Dabei betonte Pfanner, dass die Sortenerhaltung keine Konkurrenz für den Erwerbsobstbau darstelle, „sondern ein Ja zum Kulturgut“.

Als weiteren Erfolg der Bemühungen des Fördervereins sah Pfanner den Umstand, dass sich der Landkreis nun des in die Jahre gekommenen Verwaltungsgebäudes annehmen will. Für dieses Jahr habe der Kreistag 30 000 Euro für den Um- und Ausbau des 1910 erbauten Schulgebäudes in den Haushalt gestellt. 2020 würden nochmals 100 000 Euro folgen. In den nächsten Monaten wolle der Landkreis prüfen, ob das Gebäude saniert werden kann oder ob ein neues Gebäude gebaut werden muss. Eine Möglichkeit, die Walter Matzner gar nicht gefiel. „Das Gebäude ist 1910 als Königlich Bayerische Obst- und Weinbauschule errichtet worden und ist prägend für die Gemeinde, die Bevölkerung und die Versuchsstation. Darum sollten wir es nicht einfach plattmachen“, verdeutlichte er. Pfanner gab ihm zwar Recht, allerdings wies er auch auf die Widersprüchlichkeit seines Standorts inmitten der Obstbauanlage hin. „Es gibt verschiedene Überlegungen, aber das heißt nicht, dass das Gebäude plattgemacht wird“, sagte Pfanner, plädierte jedoch für eine „zukunftsträchtige Lösung“.

Kooperationsvertrag läuft aus

Insgesamt betrachtet sah der Vorsitzende den Verein und damit die Versuchsstation „auf einem guten Weg“. Denn auch was die Verlängerung des 2024 auslaufenden Kooperationsvertrages mit dem Bayerischen Staatsministerium angeht, besteht durchaus Grund zur Hoffnung auf die von Pfanner besagte „gute Zukunft“. „Von unserer Seite besteht Einverständnis“, sagte Ministerialrat Günter Knüppel, Leiter des Referats Weinbau und Gartenbau des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Allerdings betonte er, dass dieses Einverständnis bei den Haushaltsberatungen noch offiziell bestätigt werden müsse.

Einstimmige Ergebnisse gab es nicht nur auf den Antrag des Bezirks Schwaben als neues Mitglied im Förderverein aufgenommen zu werden, sondern auch bei den Vorstandswahlen. Die Mitglieder bestätigten den gesamten Vorstand in seinen Ämtern und wählten erneut Ulrich Pfanner zu ihrem Vorsitzenden, Martin Nüberlin als seinen Stellvertreter, Walter Matzner als Kassier und Ute Wilhelm als Schriftführerin. Beisitzer sind Martin Lein und Bernd Brunner.