Personalmangel

Warum manche Kinder am Bodensee noch immer keinen Kitaplatz haben

Kreis Lindau / Lesedauer: 4 min

Erzieherinnen sind gefragt wie nie. Der Personalmangel in Kitas ist längst auch am bayerischen Bodensee angekommen. Doch die Not ist unterschiedlich groß.
Veröffentlicht:19.01.2023, 17:00
Aktualisiert:19.01.2023, 01:00

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Erzieherinnen sind gefragt wie nie. Der Personalmangel in Kindergärten und Krippen ist längst auch am bayerischen Bodensee angekommen. Doch die Not ist unterschiedlich groß. So müssen in manchen Gemeinden Kitas früher zu machen, in anderen nicht. Und es gibt noch immer Kinder, die trotz Rechtsanspruch keinen Platz bekommen haben.

„Aufgrund Personalmangel haben wir bei der Arche Noah und Am Hoyerberg eingeschränkte Öffnungszeiten“, schreibt Patricia Herpich, Sprecherin der Stadt Lindau.

Auch in Wasserburg gibt es zu wenig Personal, betroffen sind die Krippen. In der „Bärchenstube“ helfen nachmittags zwei pensionierte Erzieherinnen aus, trotzdem muss die Krippe eine Stunde früher schließen, und zwar schon um 15 Uhr. „Der Bedarf bis 16 Uhr ist im Moment aber auch gar nicht vorhanden“, schreibt Bürgermeister Harald Voigt auf Nachfrage.

Auch im Kinderhaus im Wasserburger Ortsteil Hattnau gibt es personelle Löcher. Kurz vor Weihnachten hatten in der Krippe gleich zwei Erzieherinnen gekündigt. „Vormittags werden die zwei Vollzeitkräfte in der Kinderkrippe von einer Fachkraft des Kindergartens unterstützt“, schreibt Voigt. Die beiden offenen Stellen seien ausgeschrieben, für kommende Woche haben sich zwei Bewerberinnen zum Probearbeiten angekündigt. Noch kann das Kinderhaus in Hattnau die regulären Öffnungszeiten beibehalten.

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In Nonnenhorn gibt es laut Bürgermeister Rainer Krauß keine nennenswerten Personalprobleme. „Wir mussten kurz vor Weihnachten den Betrieb in einer Gruppe mal zwei Tage stundenweise kürzen, aber Schließungen hatten wir nicht“, schreibt er auf Nachfrage. In der Kita St. Ambrosius in Hergensweiler können in der Regel ebenfalls alle Kinder betreut werden. „Allerdings hatten wir kürzlich wegen krankheitsbedingter Ausfälle Eltern gebeten, ihre Kinder, wenn möglich, zu Hause zu lassen“, so Bürgermeister Wolfgang Strohmaier.

Im Weißensberger Kindergarten, der erst erweitert wurde und Platz für vier Kindergarten- und zwei Krippengruppen bietet, gibt es keine Personalprobleme oder eingeschränkten Öffnungszeiten. Auch die Bodolzer Einrichtungen sind laut Bürgermeister Felix Eisenbach gut aufgestellt. Anfang des Jahres sei in der Kita im Obstgarten sogar eine neue Erzieherin eingestellt worden.

In Sigmarszell ist laut Bürgermeister Jörg Agthe von Personalmangel keine Spur. Die Fluktuation der Mitarbeiterinnen in den Einrichtungen sei gering, viele Erzieherinnen kämen auch nach ihrer Elternzeit wieder gern auf Teilzeitbasis zurück. Zurzeit meldeten sich verstärkt Eltern aus Nachbargemeinden und fragten nach Kitaplätzen. Im vergangenen Herbst hatte Sigmarszell noch ein paar Kinder aus anderen Gemeinden aufgenommen, jetzt gibt es nur noch wenige Notplätze für Familien, die nach Sigmarszell ziehen.

Platz wäre da, aber Personal fehlt

Wenn Personal fehlt, dann wirkt sich das automatisch auf die Anzahl der Betreuungsplätze aus. Während in Sigmarszell, Hergensweiler, Weißensberg und Nonnenhorn und Bodolz fast alle Kinder einen Platz bekommen haben, stehen in Lindau und Wasserburg noch immer Kinder auf der Warteliste, die eigentlich einen Rechtsanspruch auf Betreuung haben.

„Es gäbe bei zwei Einrichtungen noch vereinzelt Plätze, wenn Personal gefunden wird“, erklärt Patricia Herpich, Sprecherin der Stadt Lindau. Im Herbst standen noch 15 Krippenkinder und zwischen fünf und zehn Kindergartenkinder auf der Lindauer Warteliste. Wie viele davon mittlerweile untergekommen sind, kann die Verwaltung auf Nachfrage nicht sagen. Die Liste sei „lebendig“ und ändere sich täglich.

Es gibt natürlich auch Eltern, die jüngere Kinder haben und berufstätig sind, die müssen aktuell etwas warten.

Beate Zanker

„Einige Kinder sind selbstverständlich untergekommen, jedoch noch nicht alle“, schreibt Beate Zanker von der Abteilung Kinder, Jugend, Sport. In der Zwischenzeit seien aber auch weitere Familien nach Lindau gezogen. Vorschulkinder hätten oft Glück und bekämen auch noch spontan einen Platz, weil sie in der Regel einfach einzugewöhnen seien. „Es gibt natürlich auch Eltern, die jüngere Kinder haben und berufstätig sind, die müssen aktuell etwas warten“, so Zanker. Mittlerweile läuft schon das Anmeldeverfahren für das kommende Kitajahr.

In Wasserburg fehlt nicht nur Personal, es gibt auch zu wenig Räume. Dort standen im Herbst 20 Krippenkinder auf der Warteliste. Die Gemeinde hat derzeit nur etwa halb so viele Krippenplätze, wie sie eigentlich bräuchte. Darum soll Anfang April eine neue Gruppe eröffnen, in der wenigstens ein Teil dieser Kinder unterkommen soll. Doch noch seien die Verträge für die Räumlichkeiten nicht unterschrieben, räumt Voigt auf Nachfrage ein. Erst dann kann sich die Gemeinde auf die Suche nach neuem Personal machen.