Neujahrsempfang IHK 

Was sich Unternehmer am Bodensee wünschen

Lindau / Lesedauer: 3 min

IHK lädt in Lindau nach der Corona-Zwangspause wieder zum Neujahrsempfang. Dabei wird auch Kritik laut.
Veröffentlicht:21.01.2023, 12:00
Aktualisiert:20.01.2023, 01:00

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Ihren letzten Neujahrsempfang feierte die IHK im Januar 2020. Kurz drauf brach die Corona-Pandemie aus. Deren Auswirkungen haben Unternehmer aus der Region ebenso gespürt wie die des russischen Angriffskriegs in der Ukraine.

Am Donnerstag lud die IHK nun wieder ins Forum am See auf der Lindauer Insel ein. Dort wurde deutlich: Die Probleme der vergangenen Jahre sind noch nicht überstanden. Von Politik und Medien fordern die Unternehmer dafür mehr Aufmerksamkeit.

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Dorothee Buhmann ist Geschäftsführerin des Unternehmens Buhmann in Weiler. Sie wünscht sich, dass sich wieder mehr junge Menschen für eine Ausbildung entscheiden. (Foto: Christian Flemming)

Als die IHK im vergangenen Herbst ihre Umfrage auswertete, seien die Zahlen vergleichbar gewesen mit jenen zu Beginn der Corona-Pandemie, erklärt Dorothee Buhmann, stellvertretende Vorsitzende der IHK-Regionalversammlung Lindau-Bodensee. „Der Konjunkturindex ist unten.“ Immerhin: Inzwischen sei wieder eine leichte Entspannung spürbar. Doch Energiekrise und unterbrochene Lieferketten machten den Unternehmen in der Region noch immer zu schaffen.

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Für Thomas Holderried, Vorsitzender der Regionalversammlung, sind aber sowohl die Auswirkungen der Pandemie als auch die des Krieges nur Brenngläser für tieferliegende Herausforderungen. „Deutschland ist inzwischen auf Platz 18 von 21 Industrienationen“, sagt er. Die Gründe dafür sieht er in einer übertriebenen Regulatorik, mangelnder Infrastruktur, hohen Energiekosten und Steuern. „Wir sind der Standort mit den höchsten Steuern von 21 Nationen“, so Holderried. Und bis ein Windrad genehmigt sei, dauere es im Schnitt zwischen fünf und sieben Jahren.

Ausbildungsplätze bleiben immer öfter unbesetzt

Dabei hätten Politiker eigentlich versprochen, dass Bürokratie abgebaut werde. „Das Gegenteil ist der Fall“, findet Holderried. Doch das ist nicht das einzige, worüber er sich ärgert. „Der Staat will sich nicht an seine eigenen Regeln halten“, sagt er. Schließlich habe die Bundesrepublik Gas aus Katar bezogen. „Unternehmer dürften das nicht wegen des Lieferkettengesetzes.“

Und dann ist da noch das Problem mit dem Nachwuchs. Ausbildungs- und Arbeitsplätze bleiben auch in der Region immer öfter unbesetzt: Vergangenes Jahr fehlten in Schwaben rund 2000 Azubis, wie Dorothee Buhmann berichtet. Zum einen liege das daran, dass die Zahl der Schulabgänger sinke. „Und leider wollen immer noch so viele zum Studieren“, sagt Buhmann.

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Traditionell gehört zum IHK-Neujahrsempfang immer ein spektakuläres Rahmenprogramm. In diesem Jahr begeistert die Künstlerin Junlin Zhang-Mack mit ihrer Performance, bei der sie elf Palmblätter ins perfekte Gleichgewicht bringt. Am Ende bricht alles zusammen, weil sie die Feder wegnimmt. (Foto: Christian Flemming)

Dabei gebe es viele gute Argumente für eine Ausbildung. „Wenn man studiert hat, muss man lange arbeiten, bis man das verdient hat, was jemand hat, der mit 16 eine Ausbildung angefangen hat“, sagt sie. Die IHK setze darum auf Berufsinformations-Messen und Schulpartnerschaften.

Die Sorgen und Nöte der Familienunternehmer, glaubt Holderried, würden in Politik und Medien nicht genug gehört. „Wir müssen mehr Einfluss in der Politik bekommen“, sagt er. Dann könnten Unternehmen dabei mithelfen, Strukturen zu verbessern.