Frauenpower

Volle Frauenpower für den Klimaschutz

Lindau / Lesedauer: 3 min

Für Emily Schneider ist es die vorerst letzte Kundgebung in Lindau
Veröffentlicht:22.09.2019, 13:28

Von:
Artikel teilen:

„Hoch für den Klimaschutz, runter mit der Kohle“, schreit Emily Schneider in das Megafon. Dazwischen ruft sie immer wieder „lauter, ihr müsst lauter schreien“. Die 14-Jährige läuft neben dem Demozug her, an ihrer orangenen Warnweste ist auf dem Rücken ein Schild mit ihrem Namen und dem Zusatz „Versammlungsleiter“ befestigt. Sie ist diejenige, die die Demo um fünf vor zwölf eröffnet.

Lindau ist damit eine von über 5400 Städten weltweit, in der Menschen am Freitag beim globalen Klimastreik für mehr Klimaschutz demonstriert haben. Die Demonstranten waren Teil von 1,4 Millionen Menschen, die deutschlandweit auf die Straße gegangen sind.

Gemeinsam mit Weda Lanzendorfer und Keona Schroff hat Emily zum ersten weltweiten Klimastreik im März die Lindauer Fridays-for-Future Ortsgruppe gegründet. Mittlerweile ist die Gruppe um die drei Schülerinnen gewachsen, „wir sind jetzt zu zehnt“, erzählt Emily. Die Kundgebung am Freitag ist die vierte Demonstration der Gruppe und die vorerst letzte für Emily in Lindau.

Emily hat zum neuen Schuljahr die Schule gewechselt und geht jetzt auf ein Internat in der Nähe von Ulm. Für den globalen Streik hat ihre neue Schule sie freigestellt, „die finden gut, was ich mache, und so konnte ich gestern Abend schon anreisen“, erklärt sie. Für zukünftige Streiks möchte sie sich mit der Gruppe in Ulm in Verbindung setzen, „vielleicht gründe ich aber auch wieder eine neue Fridays-for-Future Ortsgruppe“.

Wenn sie jetzt geht, kann sie ihre Mitstreiterinnen und Mitstreiter ruhigen Gewissens verlassen. In vergangenen Monaten haben die Schülerinnen und Schüler viel gelernt. Während Emily der Lindauer Zeitung im März noch erzählte, dass sie sich von den Behörden nicht ernst genommen fühle, kann sie jetzt von einer guten Zusammenarbeit berichten: „Mittlerweile braucht es nicht mehr viele Absprachen, alle wissen was zu tun ist.“ So sei es auch nicht schwer gewesen, die Demo trotz einer Veranstaltung im Alten Rathaus durchzuführen. „Wir hatten einfach vorher die Genehmigung und dabei blieb es dann auch.“ Während der Lauf-Demo wandert das Megafon zwischen den drei Organisatorinnen hin und her, ein zweites wird vorne in der Zugspitze verwendet. So heizen sie den über 1300 Demonstrierenden ein. Die Ideen für Gesänge gehen ihnen nicht aus: „Hopp, hopp, hopp – Kohlestop“, „Wir sind hier, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut!“ und eine umgedichtete Version des Liedes „Hejo, spann den Wagen an“ sind nur eine kleine Auswahl.

Zum Abschluss der Demo finden die Schülerinnen klare Worte. Keona steht mit Mikro auf dem Balkon von Martin Koch vom Fotostudio Koch, der diesen zur Verfügung stellte, weil die Treppen des Alten Rathauses gesperrt waren: „Ich fühle mich verarscht und es macht mich wütend, dass dieses Thema die ganze Zeit im Hintergrund stand.“ Und Weda erklärt in ihrem Redebeitrag, dass sie nicht hier stehe, weil sie keinen Bock auf Schule habe. „Habt ihr je einen Bahnmitarbeiter am Wochenende streiken sehen? Nein, denn er würde genauso ignoriert werden wie wir, wenn wir außerhalb der Schulzeit streiken würden.“

Um 13:28 Uhr beendet Emily die Versammlung und entschuldigt sich für ihre leise Stimme, „ich bin jetzt etwas heiser“. Die Gruppe findet sich wieder vor dem Alten Rathaus zusammen und fängt an abzubauen. Weda ist überwältigt von der großen Beteiligung: „Das ist unfassbar. Ein Rekord. Wir freuen uns, dass wir so viele Leute begeistern konnten.“