Zeughaus

Urige Typen, super Musiker

Lindau / Lesedauer: 3 min

Die Band „Kofelgschroa“ aus Oberammergau füllt die Reihen im Zeughaus
Veröffentlicht:29.05.2016, 20:14
Aktualisiert:23.10.2019, 15:00

Von:
Artikel teilen:

Bis aus München sind einige Musikfans angereist, um am Samstagabend im Zeughaus mit dabei zu sein. Beim ausverkauften Gastspiel von Kofelgschroa aus Oberammergau . Maximilian Pongratz, Michael und Martin von Mücke und Matthias Meichelböck standen mit ihrer Neuen Volksmusik auf der Bühne, die alles andere ist als volkstümelnd. Sie liegen mit ihrem zweiten Album „Zaun“ von 2014 im Trend der Zeit, die alles mit allem verkocht, aber nicht den Boden unter den Füßen verliert.

Als urig, anarchisch, verschroben, zugleich charmant und saulustig wird diese 2007 als „Kofelmusi“ in Oberammergau gegründete Band vielerorts beschrieben. Ihre Musik oute sich als ein Mix aus Karl Valentin und Freak-Folk, als Bayern-Krautrock, dadaistisch, melancholisch, elegisch. Was auch immer man sich darunter vorstellen mag, letztlich zählt, die Vier live zu erleben. Am Samstagabend betraten vier junge Männer in gewöhnlicher Straßenkleidung die Bühne, griffen zu Akkordeon (Maximilian Pongratz), Gitarre im Wechsel mit Flügelhorn und Maultrommel (Michael von Mücke), Tenorhorn oder Posaune (Matthias Meichelböck) und einer gewaltigen Helikontuba (Martin von Mücke) und legten nach einem saloppen „Grüß Gott, meine Damen und Herren“ los. Mit einem druckvollen „Leit do“, das einen behäbigen tieftonigen Rhythmus dominierte.

Dieser erdige Sound, zu dem es sich gut tanzen lässt und am Abend auch von einigen Besuchern ließ, wirkt wie ein homöopathisches Nerventonikum. Rezeptfrei und lang anhaltend in von der Band bevorzugten Siebenachteltakten und Mollakkorden. Darunter mischen sich Wortlaute, die in einer Endlosschleife von den beiden Sängern Maximilian Pongratz und Michael von Mücke repetiert werden.

Oberammergauer Rap wird zur Klangcollage

„Hutterer“ und „Sutter“ reihen sich im Stück „Hausnamen“ aneinander, das wie ein Oberammergauer Rap tönt und sich zu einer vibrierenden Klangcollage ausdehnt. Dazu von Mückes lakonische Bemerkung zwecks besserem Verständnis: „Das sind Häuser mit Namen, wie auch Tiere Namen haben. So einfach ist das!“ Tuba ist der Fels in der Brandung

Lyrisches verflicht sich mit blasmusikalischen Dub-Rhythmen im Zeitlupentempo, für die Tubist Martin von Mücke den roten Teppich ausrollt. Er ist wie ein Fels in der Brandung – unverwüstlich und ebenso originell, was er diesem wuchtigen Instrument an tonaler Vielfalt entlockt. Da gehen Tuba und Maultrommel eine ungewohnte Symbiose ein ebenso wie Akkordeon und Akustikgitarre. Da werden Blumen gepflanzt und die Pflege irgendwann abgebrochen, weil man verreist als Abgesang auf eine vergangene Liebe, der in einer „Flut von Tränen und viel Trübsaal“ endet.

Kofelgschroas Texte sind alles andere als beliebig. Sie rühren in bayrisch-oberammergauer Mundart immer wieder auf verblüffende Weise an täglich Gelebtes, das kritisch hinterfragt wird wie im Albumtitel „Zaun“. Gleich ob Thujahecke oder Mauer zwischen Ost und West – „Jeder Zaun, jeder Zaun – zum Drüberschaun!“

Das sei der Hammer, was die rhythmisch drauf haben, begeisterten sich Zuschauer in der Pause. Danach standen Kontrabass, Becken, E-Piano und Zither auf der Bühne und intonierten mit das Schrägste dieses Gastspiels.

Musiker haben ein Hotel eröffnet

Die vier Kofels, deren Bandname (natürlich) vom Oberammergauer Hausberg und vom bairischen Gschroa abgeleitet ist, haben 2015 das Hotel Kovèl im ehemaligen Haus des Schriftstellers Josef Ruederer eröffnet. Wenn „de Aug´n“ wie in ihrem Schlaflied „so schwar wia a Sakkerl Zement“ sind, dann nehmen sie sich dort ein Bett mit Frühstück und frönen dem Nichtstun.

So gelassen, aber nie weichgespült gab sich ihr Sound, der die Zuhörer verwob in ein Dada-Geflecht aus „odaabaüberOberammergauodaobaabaüberUnterammergau“, denn da freut sich nicht nur die „Lies über den Hans, der heid zu ihr kimmt.“