Spaziergang

Ukrainische Schüler am Volkstrauertag: Zehnjährige vermisst einen Spaziergang mit ihrer Freundin

Lindau / Lesedauer: 4 min

Am Volkstrauertag geben junge Menschen Einblick in Vielfalt ihrer Herkunft – OB stellt Krieg in den Mittelpunkt ihrer Ansprache
Veröffentlicht:13.11.2022, 19:00

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Noch vor einem Jahr hätte wohl keiner gedacht, dass sich der Krieg wieder derart ins Bewusstsein hierzulande hereindrängt, wie das seit dem 24. Februar der Fall ist. Sicherlich auch deshalb drängte er sich geradezu in den Fokus der diesjährigen Gedenkveranstaltung zum Volkstrauertag vor und in der Peterskirche auf der Lindauer Insel. Schülerinnen und Schüler aus der Ukraine und aus anderen Ländern wünschen sich zusammenzuwachsen und Frieden.

Der Volkstrauertag hat eine lange Tradition. Dazu gehöre es vor allem, den Erinnerungen zu gedenken, wie es OB Claudia Alfons formulierte. „Spätestens seit dem 24. Februar wissen wir: Der Krieg ist wieder gegenwärtig in Europa. Für Menschen ganz in unserer Nähe sind die Schrecken des Krieges wieder real und aktuell, existenziell und zerstörerisch, schmerzhaft und vernichtend.“ Tatsache aber sei auch, dass der Krieg nie weg war, nur halt nicht in dieser Nähe.

Volkstrauertag gewinnt an Aktualität

„Auch wenn wir uns hier in Lindau in Sicherheit wähnen, wird uns immer mehr bewusst, dass nichts selbstverständlich ist. Nicht der Frieden, nicht die Demokratie“, führte die Oberbürgermeisterin weiter aus. Dadurch habe der Volkstrauertag nie an Bedeutung verloren und gleichzeitig der des Jahres 2022 an trauriger Aktualität gewonnen.

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Gedenkstunde zum Volkstrauertag an der Peterskirche auf der Lindauer Insel, der Abschluss findet wie immer in der Peterskirche selbst statt. (Foto: Christian Flemming/Schwäbische.de)

Vielleicht war das auch der Grund, warum mehr Besucher als in den vergangenen Jahren auf den Petersplatz kamen. Die neue Inselpfarrerin Margit Walterham mit einem Gebet sowie der Musikverein Reutin und der Chor der Eintracht Liederhort umrahmten die Veranstaltung. Mit dabei waren wie immer auch Abordnungen der Lindauer Reservisten, des Kreisverbindungskommandos und der Sozialverband VdK sowie der Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge und die Feuerwehr.

Schülerinnen und Schüler wollen zusammenwachsen

Zur Lindauer Tradition dieser Gedenkveranstaltung gehört es seit Jahren, dass Schülerinnen und Schüler aus dem Wahlfach „Kreatives Schreiben“ am Bodensee-Gymnasium mit Texten beitragen. Dieses Mal war das etwas anders. Denn viele Kinder und Jugendliche aus der Ukraine sind derzeit in Lindau und auch am Bogy.

Und so führte Lina Akgün in die Redebeiträge ein, indem sie das Motto des aktuellen Schuljahres vorstellte. Das lautet „Zusammenwachsen“. Das Bogy beschäftige sich auf ganz unterschiedliche Weise mit diesem Thema, so würde am Tag der Kulturen, am 22. Juni kommenden Jahres, die Vielfalt der Bogy-Schüler gezeigt werden. „Denn viele Schülerinnen und Schüler kommen aus ganz anderen Ländern. Deutschland ist zwar nicht deren Heimat, aber wir können alle mithelfen, dass wir ihnen eine Heimat geben“, sagte Lina.

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Gedenkstunde zum Volkstrauertag an der Peterskirche auf der Lindauer Insel: Rede der OB Claudia Alfons, rechts hinter ihr Pfarrerin Margit Walterham, die ein Gedenkgebet sprach. Links neben Irene Hess, Wahlfachlehrerin für Kreatives Schreiben am Bodense (Foto: Christian Flemming/Schwäbische.de)

Die Gedenkveranstaltung wurde von den Schülerinnen und Schülern genutzt, um einen Vorgeschmack auf die Vielfalt zu geben und ihre kleinen und großen Wünsche zu äußern. „Sie zu kennen, ist ein Anfang“, auch ihnen eine Heimat zu geben, sagte Lina, die aus der Türkei stammt. Sie möchte die ukrainischen Kinder besser kennenzulernen. Außerdem hofft sie, dass das neue Theaterstück ein Erfolg wird. Auch sie wünscht sich Frieden und dass niemand in Angst leben müsse – und dass ihre Familie gesund bleibt.

Voloymyra vermisst einen Spaziergang mit ihrer Freundin

Die zehnjährige Voloymyra Pyvovarenko hat Sehnsucht nach ihren Wellensittichen und ihrem Hamster, die in der Ukraine bleiben mussten. Ihr größter Wunsch ist, dass der Krieg vorbei ist. Dann kann sie endlich mit ihrer besten Freundin Ruslana wieder spazieren gehen. Auch der gleichaltrige Anton Berezhanskyy wünscht sich ein Kriegsende, will aber das Bodensee-Gymnasium besuchen und Deutsch lernen. „In der Zukunft möchte ich ein gutes Leben führen“, sagte der Junge. Und nach dem Krieg möchte er seine Heimat besuchen, seine Großeltern, seine Freunde – und seine Tiere.

Elf Jahre ist Nikita Pavlov alt. Der gebürtige Russe wünscht sich ein gutes Leben und Frieden auf der ganzen Welt. „Alle Menschen sollen gleiche Rechte haben“ fügt er hinzu. Er hoffe auch, dass er sein Abitur besteht. Um sich diesen Wunsch selbst erfüllen zu können, hat er noch ein paar Jahre Zeit. Adeline Astakhova, zehn Jahre als, aus der Ukraine wünschte sich schlicht und einfach, „dass unsere Wünsche wahr werden und dass wir Freunde werden“.