Klimawandel

So holen Lindauer die Energiewende auf das eigene Dach

Lindau / Lesedauer: 5 min

Die Stadt Lindau bietet mit der Aktion „Check-Dein-Dach“ 70 kostenlose Vor-Ort-Beratungen an
Veröffentlicht:26.09.2019, 11:44
Aktualisiert:26.09.2019, 11:45

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Klimawandel und -schutz ist, nicht zuletzt, durch die Fridays-for-Future-Demos, auch hier in Lindau ein Thema. Schon im Kleinen kann jeder einen Beitrag leisten. Um Lindauer Bürgerinnen und Bürgern erneuerbare Energien näher zu bringen, bietet die Stadt jetzt mit der EZA (Energie- und Umweltzentrum Allgäu) kostenlose Beratungen an.

Dietmar Stoller hat bereits eine Photovoltaik-Anlage auf dem Dach. Er und seine Frau gehörten zu den ersten Lindauern, die sich vor etwa 20 Jahren für die Sonnenenergie vom eigenen Dach entschiedenen haben. Damals haben die Stadtwerke ihnen eine Einspeisevergütung von rund 55 Cent pro Kilowattstunde für 20 Jahre fest zugesagt, das heißt pro Kilowattstunde, die die Stollers in das Stromnetz der Stadt Lindau einspeisen erhalten sie den entsprechenden Betrag. Jetzt laufen die 20 Jahre aus, und Stoller macht sich Gedanken, wie es mit seiner Anlage auf dem Dach weitergeht. Denn in der Zwischenzeit hat sich nicht nur technisch, sondern auch rechtlich viel getan. Um einen Überblick über seine Möglichkeiten zu bekommen, nimmt er das kostenlose Beratungsangebot wahr. Dabei schaut sich ein Energieberater der EZA die Situation vor Ort genau an und berät hinsichtlich einer optimalen Solar-Anlagen-Lösung.

Carina Müller war bei der Beratung dabei. Hier sind die wichtigsten Eckpunkte für Hauseigentümerinnen und Hauseigentümer zusammengefasst.

Auf welche Weise können Hausbesitzer Sonnenenergie nutzen?

Hier gibt es zwei Möglichkeiten: Eine Solarwärmeanlage erwärmt das Wasser, und eine Photovoltaik-Anlage verwandelt Sonnenenergie in Strom.

Welchen Nutzen bringt eine Solar-Anlage mit sich?

Zum einen ist es der Beitrag zu mehr Klimaschutz durch das Nutzen erneuerbarer Energie. Zum anderen bringt eine Solar-Anlage auch einen finanziellen Vorteil. Mit einer Solarwärmenlage fallen ein Teil der Energiekosten zum Erhitzen des Wassers weg. Förderprogramme des Landes zahlen Betreibern einer Photovoltaik-Anlage eine Einspeisevergütung für jede Kilowattstunde, die in das öffentliche Stromnetz fließt. Diese fällt mit rund elf Cent mittlerweile geringer aus, als noch vor 20 Jahren mit rund 50 Cent, aber auch die Anschaffungskosten sind heute mit etwa 1500 Euro deutlich weniger als damals mit 6000 Euro. Da die Vergütung stetig sinkt, ist es, laut Energieberater Günter Edeler, empfehlenswert sich möglichst bald für eine Anlage zu entscheiden.

Welche Dachformen eignen sich? In welche Himmelsrichtung sollte die Anlage ausgerichtet sein?

Die Dachform sollte in erster Linie nicht zu steil sein. Zu steil bedeutet in dem Falle eine Steigung von 40 Grad oder größer. Die Ausrichtung dagegen spielt eine untergeordnete Rolle. Optimal ist in Richtung Süden, Süd-West oder Süd-Ost, aber schon ab einer Steigung von etwa 35 Grad ist auch eine West- oder Ost-Ausrichtung möglich. Ansonsten gilt, je flacher das Dach, desto weiter kann die Ausrichtung von Süden abweichen.

Welche Anlage ist für wen geeignet?

Grundsätzlich eignet sich eine Anlage für alle, deren Haus die obigen Ansprüche erfüllt. Zu einer Solarwärmeanlage rät der Experte jedoch erst für Haushalte ab vier Personen.

Was gehört zu einer Anlage? Wie viel Platz nimmt diese im Haus ein?

Die Module auf dem Dach, von denen man bei einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 3,5 Kilowatt zehn bis elf Stück braucht, sind etwa 1,7 Quadratmeter groß. Dazu kommt ein Wechselrichter, der die Solarenergie in Netzstrom umwandelt und eine Schutzfunktion einnimmt, indem er registriert, wann Strom fließen darf. Der ist nicht ganz so groß wie eine kleine Heiztherme. Je nach Bedarf ergänzt der Energiespeicher die Anlage. Dieser ist als Lithium-Ion-Akku ungefähr so groß ist wie ein Kühlschrank. Ein Salzwasserspeicher würde etwas größer ausfallen. Für eine Solarwärmeanlage braucht es vor allem den Warmwasserspeicher, dessen Größe sich nach dem Wasserverbauch richtet.

Wann lohnt sich ein Energiespeicher?

Einen Energie-Speicher empfiehlt Edeler grundsätzlich erst einmal nicht. Dieser würde die Anlage nur viel teurer machen. Daher lohnt er sich nur für Haushalte, die unabhängig vom öffentlichen Stromnetz sein möchten oder nicht angeschlossen sind.

Was müssen Bürgerinnen und Bürger, vor der Installation einer Anlage, beachten?

Wichtig ist es, den Bau rechtzeitig bei der Stadt anzumelden. Dazu gibt es keine konkreten Vorgaben. Der Experte rät, sich ungefähr zwei Monate vorher darum zu kümmern. Auch sollen Interessierte die rechtlichen Rahmenbedingungen abklären, wie zum Beispiel die Auswirkungen auf die Steuererklärung. Diese sind so kleinteilig, dass diese für den Laien schwer zu durchschauen sind. Anlagenbauer kennen sich hier aus, und ein guter Anbieter führt seine Kunden so gut es geht durch alle Schritte.

Wie ist der empfohlene Umgang mit bestehenden älteren Anlagen?

Hier empfiehlt Edeler, sich genau zu überlegen, was die eigenen Ansprüche sind. Grundsätzlich sei es aber sinnvoll, die bestehende Anlage so lange zu betreiben, wie sie noch funktionstüchtig ist. Nach Ablauf der 20-jährigen Vergütungsgarantie solle man sich aber auf jeden Fall bei den Stadtwerken hinsichtlich einer neuen Absprache informieren, damit diese nicht ausbleibe. Entscheide man sich gegen den Weiterbetrieb, so sollten sich die meisten Anlagen einfach recyclen lassen. Auch hier ist es notwendig, sich selbst zu informieren, da es bisher nur eine sehr geringe Nachfrage gibt.