Weihnachtsspendenaktion

So helfen die Lindauer Spenden in Südamerika und auf den Philippinen

Lindau / Lesedauer: 5 min

„Helfen bringt Freude“ geht in die nächste Runde – Das ist mit den Spenden vom vergangenen Jahr passiert
Veröffentlicht:13.11.2021, 10:00

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Die Weihnachtsspendenaktion „Helfen bringt Freude“ der Schwäbischen Zeitung, zu der auch die LZ gehört, geht in die nächste Runde. Unterstützt werden Initiativen und Institutionen, die das ganze Jahr über Hilfe leisten und Fluchtursachen bekämpfen. Wo die Spenden der Lindauerinnen und Lindauer geholfen haben.

„Die Leute haben uns herbeigesehnt“, sagt der Nonnehorner Zahnarzt Ekkehard Schlichtenhorst. Nach 16 Monaten Corona-Pause sei die Praxis in der bolivianischen Ortschaft Huancarani voll gewesen. Endlich konnte Schlichtenhorst die Zahnarztpraxis gemeinsam mit drei anderen Freiwilligen wieder öffnen. Sein Verein Förderkreis Clinica Santa Maria (FCSM) betreibt sie in Huancarani als zahnärztlich-humanitäres Hilfsprojekt. Eine voll ausgerüstet Praxis mit einem Sprechzimmer, einem Prophylaxeraum und einem zahntechnischen Labor.

Spendenaktion

Spendenaktion bringt fast 10000 Euro für Projekte aus Lindau

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Schlichtenhorst war in diesem Jahr zwei Mal vor Ort. Anfang August für sechs Wochen und Ende Oktober nochmal für eine. Endlich konnte das Projekt wieder losgehen. Das Problem war nur: Es hatten sich nicht genug Zahnärzte und -techniker gemeldet. Erst Mitte des Jahres ist die Nachfrage wieder angestiegen. Vor allem junge Zahntechniker hatten sich gemeldet. Das liege an Corona, sagt Schlichtenhorst. „Die älteren warten noch ab.“ In Bolivien sei die Impfquote Ende Oktober bei 55 Prozent gelegen – für ein Land wie dieses sei das hoch.

Praxis 2014 aufgebaut

Schon 2014 hat Ekkehart Schlichtenhorst die Zahnarztpraxis aufgebaut. Seit dem verbringt er jedes Jahr mehrere Wochen dort. Immer im Wechsel mit anderen Freiwilligen und Studenten, die auch aushelfen. Was bisher aber gefehlt hat, war eine konstante helfende Hand. In diesem Jahr hat der Verein eine gefunden. Wilfredo arbeitet seit einiger Zeit in der Praxis. Eigentlich ist er Schreiner. Wegen einer Operation am Rücken kann er aber nicht mehr schwer heben und folglich auch nicht mehr in seinem ursprünglichen Beruf tätig sein.

Wir wollten ihm helfen und haben ihm eine Stelle bei uns angeboten,

sagt Schlichtenhorst. „Wenn er sich so weiter entwickelt, ist es ein klassische „Win-Win-Situation.“ Von den Spendengeldern wird seine Ausbildung und sein Gehalt bezahlt.

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Auch davon zahlen konnte FCSM den zweiten Arbeitsplatz in dem zahntechnischen Labor in Huancarani. „So können wir der großen Nachfrage nach einfachem Zahnersatz nachkommen“, sagt Schlichtenhorst. Aber auch hier mangele es an der Bereitschaft von Zahntechnikern, einmal ein paar Wochen in Bolivien zu arbeiten.

Mobiles Hilfsteam aufgegeben

Die lassen sich schlecht mit Spendengeldern kaufen. Was der Verein damit aber schon anschaffen konnte, ist neues Material für die Praxen. „Als ich im Oktober vor Ort war, habe ich gemerkt, dass noch einiges fehlt“, sagt der Zahnarzt. Silikonabdrücke besorge er lieber in Deutschland. „Wir wollen nicht das gleiche Material für unterschiedliche Zwecke nutzen.“ Auch die passenden Spritzen dazu fehlten. Außerdem sei das Kunststoff des Behandlungsstuhls gerissen – der müsse ersetzt werden.

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Das Mobile Hilfsteam musste der Verein aufgeben. „Mir lag das Projekt sehr am Herzen und umso schlimmer ist es, dass wir es nicht mehr betreiben können“, sagt Schlichtenhorst. Mit einem Wagen, in dem ein mobiler Behandlungsraum verbaut war, fuhr ein Team durch das Land und vor allem in entlegenen, ländliche Gegenden, um die Zähne der Menschen zu behandeln. „Vielleicht können wir es ja wieder aufbauen“, sagt er. Aktuell sei es aber nicht möglich.

Ebenso wie Ekkehard Schlichtenhorst haben auch Verena und Markus Zwosta bei der Spendenaktion im vergangenen Jahr 4900 Euro bekommen. Davon haben sie gleich mehreren Kindern aus dem Slum in der philippinischen Hauptstadt Manila die Schule finanziert. Und es blieb sogar noch etwas Geld übrig, sodass sie davon Essensrationen für die Bewohner des Slums besorgen konnten.

Zwei Jahre im Slum gelebt

Die Lindauerin Verena Zwosta und ihr Mann Markus arbeiteten für die Hilfsorganisation „Servants Asia“. Um den Menschen im Slum helfen zu können, zogen sie selbst dort hin. Zwei Jahre lang lebte das Ehepaar in einer 13 Quadratmeter kleinen Wohnung.

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Die beiden halfen vor allem den Menschen in ihrer direkten Nachbarschaft. In einem Pflegekinder-Projekt vermittelten sie vernachlässigte Kinder an philippinische Familien und unterstützen diese finanziell. Mit etwa 400 Euro im Monat. „Das hört sich viel an“, sagt Markus Zwosta im Gespräch mit der LZ. Zwar ist die Schule auf den Philippinen kostenlos, allerdings kosten Schuluniform, Materialien und das Essen viel Geld.

„Wir haben auch weiter Reisrationen verteilen lassen, wenn das nötig war“, erzählt Markus Zwosta. Denn die Corona-Pandemie traf auf den Philippinen vor allem die Bewohner der Slums hart. Wochenlang waren die Tondos, wie die Slums auf den Philippinen heißen, komplett abgeriegelt. Die Bewohner, die meist als Tagelöhner arbeiteten, hatten keine Chance, Geld zu verdienen.

Mit Corona infiziert

Verena und Markus Zwosta hatten sich gleich zu Beginn der Pandemie mit dem Virus infiziert, vor allem Markus ging es schlecht. Nach der überstandenen Infektion reisten sie nach Deutschland, um sich auszukurieren – und sind seitdem nicht mehr ins Land gekommen. „Wir hatten sogar ein gültiges Visum, doch selbst das hat nicht geholfen“, sagt Markus Zwosta. „Der Präsident hat alles dich gemacht, es kommen nur ein paar wenige rein, die eine Ausnahmegenehmigung haben.“

Slum

Lindauer Paar erkrankt in philippinischem Slum an Corona

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Markus und Verena Zwosta leben mittlerweile in Paraguay, wollen dort eine Landwirtschaft aufbauen. Ihr Projekt auf den Philippinen haben sie mittlerweile an andere Entwicklungshelfer übergeben. „Wir sind natürlich traurig“, sagt Markus Zwosta. Seine Frau Verena und er hatten eigentlich geplant, zehn Jahre im Slum von Manila zu leben. „Aber vielleicht geht irgendwann ja wieder eine Tür auf.“