Freizeitzentrum

Piccolina Town: Hier geht es rund

Lindau / Lesedauer: 4 min

In der Kinderspielstadt wissen die Kinder ganz genau wie sie ihr Geld verdienen können
Veröffentlicht:27.08.2019, 18:53

Von:
Artikel teilen:

Morgens kurz vor 10 Uhr bei der Bürgerversammlung vor dem Freizeitzentrum Oberreitnau , alle hören den Betreuern und Betreuerinnen gespannt zu. Gleich geht es los, die Piccolina Town in Oberreitnau beginnt. Dann kommt das Signal: „Sucht euch jetzt euren Job und legt los. Aber bitte nicht rennen!“ Aber keine Chance alle 101 Kinder stürmen los, innerhalb von Sekunden sind alle Job-Angebote vergriffen und die verschiedenen Bereiche besetzt. Beim Gemeindestand melden sich die letzten Kinder an und holen ihren Bürger-Pass ab.

Eine Gruppe ist wohl nicht gerannt, war deshalb zu langsam und musste kreativ werden. Ella, Samantha, Hanna und Minette sitzen mit einem Plakat mit der Aufschrift „Eine Spende für die Armen (uns)“ draußen auf dem Boden neben der Bank. Samantha erklärt: „Die Job-Angebote waren aus, also haben wir uns dieses Plakat gebastelt und hoffen nun auf Spenden.“ Schließlich müssten sie und ihre Freundinnen auch ihr Mittagessen bezahlen können.

Vom Stundenlohn werden Steuern abgezogen

In der Kinderspielstadt Piccolina Town gibt es eine eigene Währung. Der Stundenlohn ist sechs Taler, davon würden noch ein Taler Steuern abgezogen, erklärt Betreuer Niklas Rothe . Mit den Steuern könnten dann zum Beispiel die Ideen des Bürgermeister-Duos umgesetzt werden. Jedes Jahr werde extra ein neues Taler-Design entworfen, um zu vermeiden, dass angehäufte Vermögen aus den vergangenen Jahren weiter verwendet werden. So seien es faire Startbedingungen für alle Kinder. Durch die ausgeübten Jobs und das Verkaufen der Waren, wie zum Beispiel die mit Fräsmaschinen gestalteten Gläser, können sich die Kinder ihr Vermögen verdienen. Wenn das mal nicht funktionieren sollte, bekomme jedes Kind natürlich trotzdem ein Mittagessen.

Fabian, Lasse und Jonas sind schon seit fünf Jahren dabei, seit drei Jahren arbeiten sie als Polizisten in Piccolina Town. Deshalb war die Polizei auch schnell aufgebaut und jetzt warten die Jungs auf die ersten Fälle. Was die Aufgaben der Polizei seien? „Wir führen Bürgerkontrollen durch, klären Banküberfälle auf und sind, wenn die Bürgermeister dann gewählt sind, die Bürgermeister-Security“, erklärt Fabian. Manchmal, fügt er grinsend hinzu, überfallen sie auch selbst die Bank, als Polizei könne man das ja machen. Ein Betreuer kommt vorbei, hört davon und weist die Jungs darauf hin, dass die Polizei nur bestehen könne, wenn sie sich auch entsprechend verhalten. Die Jungs lachen und verteidigen sich, sie seien ja ganz vernünftig.

Mittlerweile haben Ella, Samantha, Hanna und Minette einen Job gefunden. Lachend laufen sie mit einem Plakat durch die Gegend und machen Werbung für das Zirkus-Treffen um elf Uhr. Es sei zwar nur ein Ein-Taler-Job, aber immerhin verdienen sie so etwas Geld.

„Der Zirkus kommt in die Stadt“, das ist das Thema der diesjährigen Piccolina Town. Natürlich wird die große Abschluss-Show am Freitag entsprechend eine Zirkus-Aufführung sein. Bei dem ersten Zirkus-Treffen kommen alle interessierten Kinder zusammen und tragen ihre Ideen für die Show zusammen. Es solle Tänze, Akrobatik-Vorführungen, Tiere und Clowns geben. Nach der Besprechung starten die ersten Gruppen mit ihren Vorbereitungen und Proben, schließlich ist bis Freitag nicht mehr viel Zeit und eine Zirkus-Show viel Arbeit.

Reger Betrieb herrscht in der Küche und an der Bar. Zum Mittag soll es heiße Seelen geben, dafür muss viel vorbereitet werden. Währenddessen sind die Servicekräfte an der Bar damit beschäftigt alle Bürgerinnen und Bürger mit Getränken zu versorgen, im Minutentakt laufen sie mit Tabletts voller Becher los und kommen schnell mit leeren Händen zurück. Der Durst ist groß an so warmen Tagen.

In Piccolina Town arbeiten alle Bereiche Hand in Hand. Draußen gibt die Bank die Löhne aus, die Gemeinde kümmert sich um die verloren gegangenen Sachen und stempelt die Bürgerpässe ab, der Bauhof baut aus Holz alles was man sich vorstellen kann und die Glas-Fräserei fertigt individuelle Glaskunstwerke an. In dem Freizeitzentrum gibt es einen Beauty-Bereich, einen Bastelbereich, die Küche und auf der Bühne probt die Zirkus-Gruppe. Im Kaufhaus können die Kinder ihre selbstgemachten Produkte verkaufen oder die der anderen Kinder kaufen.

Um zwölf soll es Mittagessen geben. Während in der Küche die letzten Vorbereitungen getroffen werden und sich die ersten Kinder schon an der Ausgabe anstellen, haben die vier Mädels einen neuen Job gefunden. Sie dürfen den Beitrag der Piccolina Town für die Zeitung schreiben. Während der Kinderstadt werden die Kinder selbst hier in der Zeitung von ihren Erlebnissen berichten. Für ihren ersten Artikel haben die Mädels mit ihren Betreuern einen Lohn von fünf Taler pro Person ausgehandelt. Das Mittagessen ist gesichert.