Diamanten

„Lindau in einer Nacht voller Lichter“ – Lindauern schwärmt schon als Schülerin von ihrer Stadt

Lindau / Lesedauer: 3 min

Gudrun Berner hat in ihrer Schulzeit einen schwärmerischen Aufsatz über Lindau geschrieben
Veröffentlicht:30.03.2021, 19:19
Aktualisiert:30.03.2021, 21:54

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Lindau lädt zum Schwärmen ein – heute ebenso wie früher. Davon ist Gudrun Berner überzeugt. Sie lebt seit Jahren in Eberdingen. Dort hat sie vor den Feiertagen einen Aufsatz gefunden, den sie als Gudrun Rauwolf, als Schülerin in Lindau geschrieben hat. Er trägt den Titel „Eine Nacht voller Lichter“.

„Der laue Sommerabend hat mich aus dem Haus gelockt. Wie schon oft, zieht es mich auf den Hoyerberg.

Während meines leichten Anstieges weicht die Dämmerung allzu schnell der hereinbrechenden Nacht, sodass ich nur mit Mühe dort eine freistehende Bank finde. Die Ruhe genießend, lasse ich meine Blicke in die Weite schweifen. Durch die klare Nacht erkenne ich die umliegenden Berge, von denen vereinzelt Lichter zu mir herüberschimmern. Die Ferne lässt sie zu kleinen unruhigen Sternen werden, die sie als freundliche Grüße der friedlichen Nachbarländer – der Schweiz und Österreich – herüberschicken. Hoch oben auf dem Pfänder ragt der grellrot beleuchtete Sendemast wie ein Zeigefinger empor. Daneben krönt den Bergrücken ein aus hellglänzenden Perlen zusammengefügter Bogen, hinter dem sich das Pfänderhotel verbirgt.

Es scheint, als wolle die Nacht heute ihren dunklen Mantel ablegen und ihre Kostbarkeiten um mich ausbreiten. Am Fuße des Pfänders, der wie ein schützender Wall die Landschaft abgrenzt, umsäumen gelbe Lichter, gleich einer Kette glitzender Diamanten, die Bregenzer Bucht. Von dort kommend, gleitet ein stattliches Tanzschiff über den stillen See. Mit unzähligen goldschimmernden Lämpchen geschmückt, strahlt es im märchenhaften Glanz. Eigentlich müsste ich inmitten dieser schwimmenden Pracht ein junges Prinzenpaar finden und Wassernixen, die um das Schiff auf- und niederwippen.

Aber das ständig kreisende Blinklicht, das der Scheinwerfer des Leuchtturmes der Lindauer Hafeneinfahrt in die Landschaft wirft, lässt auch die hochragenden alten ehrwürdigen Türme immer wieder erkennen. Sie sind auch die Wahrzeichen der Inselstadt Lindau; das Kleinod im Bodensee.

So beeindruckt ich nun auch von diesem irdischen Lichterglanz bin, scheinen mir doch die ewigen Sterne am nächtlich schwarzblauen Himmel über alles Menschliche erhaben. Mildes Licht der weißgelblich bis ins rötliche funkelnde Sterne, groß und klein, grüßen von unserem Schöpfer, der über alles steht. Doch einer überstrahlt und verzaubert die ganze nächtliche Welt – der gute alte Mond. Großmütig wirft er seinen silbernen Schein über den See, gleich einer großen weißen Brücke von mir bis hinüber in die unendlich weite Ferne, in das große All.

Überwältigt von dieser stimmungsvollen Vollmondnacht trete ich nun still und vorsichtig den Heimweg an – hinunter in das bereits schlafende Bad Schachen, in die Enzisweiler Straße – glücklich und zufrieden schlafe ich ein.“