Katze

In „Kidstown“ können auch Rucksäcke geheiratet werden

Lindau / Lesedauer: 4 min

In der Ferienaktion gestalten Kinder ein buntes Miteinander
Veröffentlicht:19.08.2019, 18:42
Aktualisiert:19.08.2019, 18:44

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Lara und Charlotte bauen an zwei Kratzbäumen, einen für Laras Katze und einen für die Katze von Charlottes Opa. Bevor sie losgelegt haben wurde sorfältig eine Skizze angefertigt, dann das Material zusammengesucht und jetzt wird fleißig gewerkelt. Die beiden sind im Bauhaus von „Kidstown“ und gestalten ihre Kratzbäume in Eigenregie, die Betreuer und Betreuerinnen unterstützen nur.

Hier in „Kidstown“ in der Grundschule Lindau-Reutin haben eine Woche lang 81 Kinder das Sagen. Die Klassenräume der Grundschule verwandeln sich für eine Woche in das Stadtzentrum, das Gasthaus, das Kulturzentrum und das Bauhaus. In der Sporthalle wird es Sportangebote geben. Was in den verschiedenen Bereichen genau stattfinden wird, weiß zu Beginn der Woche noch niemand – eins ist aber klar, langweilig wird es nicht.

Vogelhäuser, Tische und Briefkästen werden im Bauhaus angefertigt, auch auf Nachfrage für die anderen Bereiche. Für Lara und Charlotte ist es nicht das erste Mal in der Kinderstadt. Auch letztes Jahr haben sie schon im Bauhaus gearbeitet. Dass sie hier machen können was sie wollen, gefällt ihnen gut, besonders schmecken tut den beiden auch das Essen aus dem Gasthaus. „Aber selber Essen kochen mag ich nicht“, sagt Charlotte. Wie gut, dass die Arbeitsteilung in „Kidstown“ funktioniert. So können sich alle entsprechend ihrer Stärken einbringen und alle Bereiche können gemeinsam Veranstaltungen durchführen.

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Im Gasthaus haben die Kinder schon Pläne für die nächsten Tage geschmiedet, unter anderem soll es Kuchen, Obstsalat und Pudding geben. Jetzt bereitet eine Gruppe schon das erste Essen vor, es gibt belegte Brote. Beim Broteschmieren wird überlegt was noch in der Stadt fehlt. Vielleicht soll eigenes Geld eingeführt werden und es soll auf jeden Fall ein Abschlussfest geben – dafür muss auch noch das Buffet geplant werden.

Bürgermeisterin verspricht jeden Tage eine Party

Ein Abschlussfest reicht nicht aus, in einer Stadt muss es viele Partys geben, findet Lina. Sie möchte Bürgermeisterin werden und sollte sie gewählt werden, soll es jeden Tag eine Party geben. Gemeinsam mit den anderen Kandidatinnen und Kandidaten sitzt sie im Stadtzentrum, gestaltet ihr Wahlplakat und überlegt sich ihre Rede für die Wahl in der „BürgerInnen-Versammlung“ am nächsten Morgen. Matthias sitzt mit am Tisch, er schätzt seine Chancen, dieses Jahr Bürgermeister zu werden, ganz gut ein. Warum? „Es gibt nur zwei Jungs, die sich zur Wahl stellen.“ Wird er Bürgermeister, so wird es das Abschlussfest sicher geben. Außerdem soll es eine „Fußball WM für alle“ geben und wenn es an einem Tag doch mal langweilig werden sollte, dann möchte er mit allen Limbo-Tanzen spielen. Auf den Wahlplakaten wird ganz unterschiedlich mit Mal- und Tanzwettbewerben, einem „Kidstown sucht den Superstar“ und Sportturnieren geworben. Ein gemeinsames Anliegen haben aber alle Kinder: es soll ein friedliches Miteinander sein.

Im Stadtzentrum werden nicht nur Wahlen vorbereitet. Alle Bürgerinnen und Bürger der Kinderstadt können hier mit ihren Anliegen herkommen. Lucjan als Richter und Berater der Kinderstadt wartet schon auf seinen ersten Einsatz. Er hat sich für diese Woche überlegt, dass er Erfinder, Anwalt oder Berater sein möchte. Entschieden hat er sich dann für den Beruf Richter und Berater. Zu seinen Aufgaben zählt er das Gestalten der „Kidstown“-Flagge, das Schlichten von Streitereien und die Beratung der Bürgermeisterinnen und Bürgermeister.

Hannah-Sophie und Emma, die Schwestern von Lara und Charlotte, haben das Standesamt aufgebaut. Emma bereitet gerade die Hochzeits-Urkunden vor. „Hier kann man maximal zu viert heiraten, man kann Menschen und Dinge heiraten, alle können heiraten und es ist kostenlos“, erklärt Hannah-Sophie. Sie steht hinter dem Anmeldetresen auf dem mit Plakaten für die Hochzeit geworben wird. Auf einem Plakat steht „Wir sind auch für Scheidungen da“, die Mädchen haben an alle möglichen Ereignisse gedacht.

Clara arbeitet im Kulturzentrum und hat die Chance ergriffen und ihren Rucksack geheiratet. Sogar an die Eheringe, die der Rucksack und sie jetzt tragen, haben die Kinder gedacht. Die wurden für sie im Kulturzentrum gebastelt. Für die nächste Hochzeit wird gerade sogar ein Ringkissen vorbereitet. Hier im Raum werden T-Shirts und Kissen genäht und es kann gebastelt werden. Vor der Tür des Kulturzentrums gibt es einen Schmink-Stand. Es werden Glitzertattoos aufgetragen, wer mag kann sich schminken lassen.