Frauenfußballnationalmannschaft

Bundesliga-Top-Torjägerin Janina Minge aus Lindau steht vor dem großen Traum

Lindau / Lesedauer: 4 min

Die Mittelfeldspielerin vom SC Freiburg darf erstmals zur Nationalmannschaft reisen. Was Bundestrainerin Voss-Tecklenburg zu Minge sagt und wie ihr Verein, der SC Freiburg, auf die Nachricht reagiert.
Veröffentlicht:03.11.2022, 16:09
Aktualisiert:04.11.2022, 10:57

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Ihrem Traum ist Janina Minge ein gewaltiges Stück nähergekommen. Die Fußballerin aus Lindau möchte unbedingt das Trikot der deutschen Frauenfußballnationalmannschaft tragen – und schon in der kommenden Woche könnte das nun Realität werden. Als Anführerin der Bundesliga-Torschützenliste mit fünf Treffern darf Minge auch ziemlich sicher mit einem Einsatz rechnen.

Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg hat die Spielerin des SC Freiburg für die Länderspielreise in die Vereinigten Staaten nominiert. Dort bestreitet Deutschland die beiden letzten Partien des Jahres gegen die USA. Nach dem ersten Aufeinandertreffen am Freitag, 11. November (1.05 Uhr, im Livestream auf zdf.de), in Fort Lauderdale/Florida spielen die Nationalteams am Sonntag, 13. November (23.05 Uhr, im Livestream auf sportschau.de), in Harrison/New Jersey erneut gegeneinander.

Eine Kandidatin für den WM-Kader

Minge, die im Nachwuchsbereich sämtliche DFB-Teams durchlaufen hat, wird dabei ziemlich sicher zu ihrem Debüt kommen. „Janina hat die gleichen Chancen auf einen Einsatz wie alle anderen. Sie darf sogar mit einem Einsatz rechnen“, sagt Voss-Tecklenburg, die ihr sogar eine Nominierung für die Weltmeisterschaft 2023 in Australien und Neuseeland (20. Juli bis 20. August) in Aussicht stellt.

„Janina ist eine Box-to-Box-Spielerin in Freiburg und gerade auf der Achterposition hat sie große Stärken. Natürlich hat sie auch Chancen auf den WM-Kader, wir müssen auf alles vorbereitet sein. Wir müssen immer über Alternativen nachdenken und Ausfälle einkalkulieren. Es wird interessant, sie im Kreise der Nationalspielerinnen zu sehen.“

Es ist einfach toll, dass wir wieder eine deutsche Nationalspielerin stellen dürfen.

Birgit Bauer-Schick

Für die 23-Jährige kam die Berufung unerwartet. „Es war eine riesige Überraschung für mich“, so Minge im Gespräch mit der „Lindauer Zeitung“. Sie wisse nicht, „was der ausschlaggebende Punkt war“, aber natürlich habe sich die Fußballerin des SC Freiburg sehr über die Einladung zum DFB-Team gefreut.

Ihr Verein sieht das als Auszeichnung. „Es ist einfach toll, dass wir wieder eine deutsche Nationalspielerin stellen dürfen. Jani ist so viele Jahre in Freiburg und steht für alles, was den SC auszeichnet. Es ist eine schöne Momentaufnahme, sie hat sich die Nominierung absolut verdient“, wird Birgit Bauer-Schick auf Freiburgs Homepage zitiert.

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Einen Anteil an ihrer Entwicklung dürfen sich aber auch drei Vereine aus der Region zuschreiben: Minge startete ihre Fußballkarriere als Dreijährige bei der TSG Lindau-Zech (2002-2009), zog danach weiter zum VfB Friedrichshafen (2009-2013) und wählte dann den Schritt zur männlichen B-Jugend des FC Wangen (2013-2015).

Es folgte der Wechsel zum SC Freiburg – im Breisgau hat sie sich zu einer gestandenen Erstligaspielerin entwickelt. Minge erlebte ihr Bundesligadebüt beim SC im Dezember 2015 und stand mittlerweile schon in 142 Pflichtspielen für Freiburg auf dem Feld. In der Saison 2021/22 verpasste sie sogar keine einzige Spielminute.

Ravensburgerin verhilft Minge zum Höhenflug

Und auch nach dem Trainerwechsel ist sie beim aktuellen Bundesliga-Vierten gesetzt. Die Ravensburgerin Theresa Merk beerbte Daniel Kraus und zählt ebenfalls voll auf die Mittelfeldspielerin. „Schon in den vergangenen Jahren hat Jani auf sich aufmerksam gemacht. Sie ist eine junge, aber erfahrene Bundesliga-Spielerin – eine Leaderin, stark in der Defensive, torgefährlich und verfügt über das internationale Niveau“, lobt Merk ihre Spielerin und sieht die Einladung ins DFB-Team als gerechtfertigt an: „Nach den herausragenden Leistungen ist sie vollkommen zu Recht nominiert, sie hat es sich absolut verdient.“

Ich arbeite hart dafür, eine Einladung zur Nationalmannschaft zu bekommen.

Janina Minge

Merk ist nicht ganz unschuldig an der Nominierung. Sie hat Minge eine offensivere Rolle übertragen und der Lindauerin damit zu einem Höhenflug verholfen. Die 23-Jährige führt nach ihrem Dreierpack gegen die SGS Essen und den zwei Toren gegen Bayer 04 Leverkusen aktuell die Torschützenliste an. Es läuft bislang für Minge im Jahr 2022, so gewann sie im Juni die Polizei-Europameisterschaft in Trondheim (Norwegen).

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Sie gab die Hoffnung nie auf, irgendwann mal das deutsche Nationaltrikot zu tragen. Nach dem Spiel gegen Essen sagte sie: „Ich arbeite hart dafür, eine Einladung zur Nationalmannschaft zu bekommen.“

Jetzt hat Minge es geschafft und nachdem sie von der U15 bis zur U20 für Deutschland spielte, wird die Lindauerin in den Vereinigten Staaten nun höchstwahrscheinlich erstmals auch für die DFB-Frauen auflaufen. Zuvor gilt ihre volle Konzentration aber noch einem schwierigen Bundesligaspiel: Minge und der SC Freiburg treffen am Samstag (13 Uhr, live auf MagentaSport) auf den drittplatzierten FC Bayern München. Es sind aufregende Wochen für die 23-Jährige.