Gartenschau

Gartenschau kostet Lindau 6,5 Millionen Euro: Warum sie teurer wurde als gedacht

Lindau / Lesedauer: 7 min

Dazu kommen noch die Kosten für den Sina-Kinkelin-Platz – Stadt muss Verluste ausgleichen
Veröffentlicht:01.12.2022, 19:00
Aktualisiert:01.12.2022, 19:52

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Die Gartenschau kostet die Stadt rund 6,5 Millionen Euro. Diese Summe ergibt sich aus dem städtischen Anteil an den Investitionen zwischen Eilguthalle und Thierschbrücke und dem Verlust, den die Veranstaltung der Gartenschau gemacht hat.

Dabei nicht eingerechnet sind die Kosten für den neuen Spielplatz und die Bolzplätze am Sina-Kinkelin-Platz. Dass die Gartenschau am Ende um einiges teurer war als ursprünglich angenommen, erklären die Verantwortlichen unter anderem mit Corona und schlechtem Wetter.

„Wir hätten uns das in der jetzigen Situation anders gewünscht“, sagt Gartenschau-Geschäftsführer Meinrad Gfall am Mittwochabend im Stadtrat. „Aber ich glaube, wir sind mit einem blauen Auge davon gekommen.“

Mittlerweile liegen alle Schlussrechnungen für die Daueranlagen auf dem Gartenschaugelände vor. Sie haben insgesamt 7,1 Millionen Euro gekostet. Das ist etwas mehr, als noch kurz vor Beginn der Gartenschau kommuniziert wurde.

Dies liegt aber vor allem daran, dass manches, wie die Bühne am Schützingerweg oder Pflanzungen im Bürgerpark, nicht abgebaut wurde und darum nachträglich als Daueranlage gerechnet wird.

Weniger als die Hälfte der Kosten für die Daueranlagen (rund 3,2 Millionen Euro) wird über Fördermittel finanziert. Den größeren Anteil von 3,9 Millionen Euro muss die Stadt aus eigener Tasche zahlen.

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Claudia Knoll und Meinrad Gfall sind die Geschäftsführer der Gartenschau. (Foto: Christian Flemming/Schwäbische.de)
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Claudia Knoll und Meinrad Gfall sind die Geschäftsführer der Gartenschau. (Foto: Christian Flemming/Schwäbische.de)

Dazu kommt der Verlust, den die Veranstaltung der Gartenschau eingefahren hat. Dieser liegt bei rund 2,55 Millionen Euro. Demnach hat die Stadt am Ende insgesamt knapp 6,5 Millionen Euro für die Gartenschau gezahlt.

Weniger eingenommen als ausgegeben

Über Eintrittsgelder, Zuschüsse oder Spenden wurde um einiges weniger eingenommen (3,18 Millionen Euro) als für die Veranstaltung der Gartenschau ausgegeben wurde (5,73 Millionen Euro). Vor Jahren rechneten die Verantwortlichen noch mit einem Verlust von rund einer Million Euro, kurz vor Beginn der Gartenschau dann mit knapp zwei Millionen Euro.

Dass es nun gut zweieinhalb Millionen Euro Verlust sind, strapaziert den ohnehin extrem angespannten Haushalt der Stadt. Die Räte mussten am Mittwochabend eine außerplanmäßige Ausgabe von 562.000 Euro für den aktuellen Haushalt beschließen. Sie wird zum großen Teil über Gewerbesteuern finanziert.

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Der Schützinger Weg hat sich mit der Gartenschau komplett verändert. (Foto: Christian Flemming/Schwäbische.de)

Denn die Stadt ist verpflichtet, die Verluste der Gartenschau auszugleichen. „Die Rechtslage ist eindeutig“, sagt Kämmerer Christopher Horbach am Mittwochabend. „Die Stadt muss die Kosten tragen.“ Die Natur in Lindau gGmbH, die die Gartenschau auf die Beine gestellt hat, wird zum 1. Januar aufgelöst.

Dass die Einnahmen der Gartenschau so gering ausgefallen sind, erklären die Verantwortlichen zum einen mit den Auflagen wegen der Corona-Pandemie. „Was die ganze Gartenschau geprägt hat, war, dass nicht so viele Besucher da waren, wie wir es erwartet hatten“, sagt Meinrad Gfall.

Die Masken-, Test- und Registrierpflicht habe viele abgeschreckt, Busreisen nach Lindau blieben aus. „Die Gruppeneintritte gingen erst Mitte des Jahres los“, so Gfall. Und die Gastronomie habe anfangs überhaupt nicht aufmachen dürfen. Auf der Ausgabenseite schlugen ein höherer Personaleinsatz, aber auch zusätzliche Toilettencontainer zu Buche.

82 Regentage prägten die Schau

Doch das war nicht alles. Und darum sei so manche Kritik von außen „teilweise berechtigt“ gewesen, sagt Gfall. Offenbar hätte es mit der Werbung für die Gartenschau besser laufen können. So sei zum Beispiel nach einem Hackerangriff auf die Lindau Tourismus und Kongress GmbH (LTK) dort „alles blockiert“ gewesen.

„Das Abendticket war dann noch ein Versuch“, erklärt Gfall. Mit diesen Tickets, die gegen Ende der Schau eingeführt wurden, konnten Besucher abends für ein paar Stunden vergünstigt aufs Gelände. Dies habe dazu geführt, dass am Ende der Schau insgesamt 280.000 Gartenschau-Besuche registriert waren. Darunter fallen auch die Dauerkartenbesitzer, die mehrfach auf dem Gelände waren. Gerechnet worden war im Vorfeld mit 300.000.

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Der Verein Lindau Move hat auf dem Gartenschau-Gelände eine Skateanlage gebaut. (Foto: Christian Flemming/Schwäbische.de)

Und dann war da noch das Wetter. „Wir hatten 62 Sonnentage und 82 Regentage“, sagt Gfall, und erinnert an das „extreme Sturmereignis“ Ende Juni, nach dem das Gelände der Gartenschau zwei Tage lang gesperrt werden musste. „40 Mann der GTL waren sofort zur Stelle, und wir haben dann alles in Gemeinschaftsarbeit wieder aufgebaut.“

Für ihn ist es das, was die Lindauer Gartenschau vergangenes Jahr ausgemacht hat: Sie war ein Gemeinschaftsprojekt der Lindauerinnen und Lindauer. Alle möglichen Vereine hatten sich beteiligt, darunter der Bund Naturschutz und der DAV, dessen Kletterturm noch immer auf der Hinteren Insel steht.

„Herausragend ist, was mit Move passiert ist“, erinnert Gfall und verweist auf die neue Skateanlage, die der noch junge Verein zu einem großen Teil in Eigenregie geplant und gebaut hat. Dementsprechend toll sei die Stimmung auf der Gartenschau gewesen.

„Es war wie eine Befreiung nach Jahren des Eingesperrtseins.“ Und die Anlagen, die nach der Schau für mindestens 25 Jahre bleiben müssen, damit die Förderung nicht verloren geht, könnten sich „durchaus sehen lassen“.

1,6 Millionen Euro Förderung beim Sina-Kinkelin-Platz

Nicht in die Kosten der Gartenschau eingerechnet ist die Neugestaltung des Sina-Kinkelin-Platzes. Sie ist im städtischen Haushalt über die Städtebauförderung abgewickelt worden. Spielplatz und Bolzplätze haben laut Petra Schönherr von der Stadtkämmerei 2,4 Millionen Euro gekostet. Die Förderung dafür lag bei 1,6 Millionen Euro.

Am Mittwochabend sind sich sowohl die Verantwortlichen der Gartenschau als auch die meisten Stadträte einig: Die Gartenschau hat sich trotz aller Mehrkosten gelohnt. „Wir haben ja nur in Verbindung mit der Gartenschau höhere Förderungen bekommen“, erinnert Angelika Rundel (SPD).

Das gelte auch für den Sina-Kinkelin-Platz. „Manche sagen, die Stadt hätte das auch ohne Gartenschau machen können“, so Rundel weiter. „Aber gerade auch der Zeitdruck hat den nötigen Schwung gebracht.“ Zudem habe es ein halbes Jahr lang Programm von Lindauern für Lindauer gegeben. „Es mag viel Geld sein – trotzdem stehe ich hinter der Gartenschau.“

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Die Sitzstufen gehören zu den Dingen, die nach der Gartenschau dauerhaft in Lindau bleiben. (Foto: MICHAELSCHEYER/Schwäbische.de)

Ulrich Schöffel und Roland Freiberg (beide BU) fordern, dass detailliert dargestellt wird, wofür die 7,1 Millionen Euro auf der Hinteren Insel ausgegeben wurden. Freiberg kritisiert außerdem den hohen Verlust der Gartenschau. „Man hätte frühzeitig auf der Ausgabenseite zurückfahren müssen“, sagt er. „Dann wäre die Summe, die uns jetzt bei anderen Projekten fehlt, nicht so hoch ausgefallen.“

„Am Schluss war es ein gelungenes Werk.“

Meinrad Gfall verspricht, eine Liste der Investitionen auf der Hinteren Insel nachzureichen. Oberbürgermeisterin Claudia Alfons glaubt nicht, dass man die Ausgaben während der Schau hätte noch weiter reduzieren können. „Wir wussten ja erst knapp vorher, was auf uns zukommt“, sagt sie. Und das Wetter sei eben so gewesen, wie es war.

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Der Verein Lindau Move hat auf dem Gartenschau-Gelände eine Skateanlage gebaut. (Foto: Christian Flemming/Schwäbische.de)

„Die Gartenschau in Lindau hat sich dadurch ausgezeichnet, dass keine teuren Künstler bezahlt wurden“, sagt Bürgermeister Mathias Hotz (JA). Die Lindauerinnen und Lindauer hätten das Programm zum großen Teil selbst gestemmt. „Die Angelegenheit ist wirtschaftlich nicht erfreulich“, so Hotz weiter. Trotzdem danke er den beiden Geschäftsführern Claudia Knoll und Meinrad Gfall für die gelungene Schau.

Spielplatz

Die neuen Parks und Spielplätze auf der Hinteren Insel kosten Lindau gut acht Millionen Euro

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Auch Matthias Kaiser (BL) erinnerte daran, dass bei der Lindauer Gartenschau vieles „low Budget“ war. Thomas Hummler (CSU) ist sicher: „Die Gartenschau war der Weg zum Ziel.“ Schließlich sei klar gewesen, dass die Hintere Insel entwickelt werden müsse.

„Wenn wir es allein gemacht hätten, hätte es das alles nicht in dieser Schnelligkeit gegeben und wir hätten viel mehr dafür bezahlt“, so Hummler. „Am Schluss war es ein gelungenes Werk.“