Volkshochschule

Erwachsenenbildung: Wieso es bald eine kreisweite VHS gibt

Lindau / Lesedauer: 4 min

Wachsen, um eine Zukunft zu haben: Das ist das Ziel der Volkshochschulen Lindau und Lindenberg. Wieso Geld dabei eine wichtige Rolle spielt.
Veröffentlicht:25.01.2023, 12:00
Aktualisiert:24.01.2023, 01:00

Von:
Artikel teilen:

Für manchen kommt es überraschend: Die Volkshochschulen Lindau und Lindenberg wollen sich zusammenschließen. „Nahe am Menschen sein“ – so das VHS-Motto am See und im Westallgäu – das erfordere, verstärkt in den Gemeinden präsent zu sein. Und es sei wichtig, Erwachsenenbildung neu zu denken. Wieso dabei auch Geld eine wichtige Rolle spielt.

Auf der Tagesordnung des jüngsten Bürgermeister-Treffens liest es sich noch nach Gedankenspielen: „Informationen zur möglichen Zusammenarbeit“ will Thomas Novy geben. In den Augen des pensionierten Schulamtsdirektors und heutigen Vorsitzenden der Lindenberger VHS ist Erwachsenenbildung ein wichtiges „Zukunftsthema“.

Inselhalle

Lindauer Volkshochschule feiert 75. Geburtstag

qLindau

Darin ist er sich mit dem Lindauer Kulturamtsleiter Alexander Warmbrunn einig. In dessen Zuständigkeit fällt die bisher städtische Volkshochschule Lindau. Die hat gerade ihr 75-jähriges Bestehen gefeiert. Ihr Leiter Horst Lischinski geht allerdings Ende des Jahres in Rente. Für Warmbrunn ein Zeitpunkt, um zu überlegen: „Wie müssen wir heute Erwachsenenbildung denken?“

Es geht bereits um konkretes Vorbereiten

Dabei wird aus Novys Informationen für die Bürgermeister schnell klar: Über den Status „Überlegen“ sind die Verantwortlichen der beiden Volkshochschulen längst hinaus – es geht bereits ums konkrete Vorbereiten eines Zweckverbands oder eines Zusammenschlusses der beiden Bildungseinrichtungen. Was Novy mit einem Schmunzeln kommentiert: Vor 15 Jahren habe er die Fusion dreier Schulämter begleitet, jetzt eben die von zwei Volkshochschulen.

Lindaus Oberbürgermeisterin Claudia Alfons schilderte ihren Kollegen, dass der Lindenberger Bürgermeister Erik Ballerstedt in diesem Punkt auf sie zugekommen sei. Den Wechsel an der Spitze der Lindauer VHS hält sie für einen guten Zeitpunkt für das Thema künftige Kooperation. Wichtig für sie: „Wir wollen ein gutes Angebot für die Bürgerinnen und Bürger sichern.“

Fördergeld hängt von Kursstunden ab

Auslöser ist dabei das Thema Geld. Damit eine örtliche VHS Zuschüsse vom bayerischen Volkshochschulverband erhalten kann, muss sie eine bestimmte Zahl an Kursen und Stunden bieten. Diese Vorgaben erreiche die VHS Lindenberg nicht mehr, sagte Novy. Und der Lindauer VHS geht es nach seinen Worten ähnlich.

Das will Lindaus VHS-Leiter Horst Lischinski, der zum 1.November in Rente geht, offiziell nicht kommentieren. Auf Nachfrage der LZ verweist er nur auf die zuletzt vorliegenden Kurs- und Teilnehmerzahlen.

Tipps der Redaktion

Die Topthemen vom Bodensee

qBodenseekreis/Kreis Lindau

Energie sparen

Wie das Lindauer Klärwerk autark werden will

qLindau

Danach hat Lindau im vergangenen Jahr knapp 2100 Anmeldungen für insgesamt 2179 staatlich geförderte Unterrichtsstunden gehabt. Vor Corona waren es fast doppelt so viele Teilnehmer gewesen. Wobei Lischinski anmerkt, dass nicht jeder Kurs als förderbar gelte – was beispielsweise die stets ausgebuchten Ballettkurse betrifft.

Zusammen, als kreisweite Volkshochschule, könne man jedoch weiterhin jene Fördergelder für Kurse, Referenten und Verwaltung erhalten, betonte der Lindenberger VHS-Vorsitzende. „Wir benötigen dieses Geld, wir sind abhängig davon.“

In Novys Augen hat ein solcher Zusammenschluss nur Vorteile. Man könne mit einer gemeinsamen Verwaltung arbeiten, könne Referenten tauschen und den Menschen in den kleinen Gemeinden ortsnahe Kurse bieten.

Gemeinsames Programm ab Herbst denkbar

OB Alfons sah das an jenem Nachmittag ähnlich. Dabei blickte sie sehr konkret in die Zukunft: Sie kann sich vorstellen, dass „wir ab dem Herbst-/Wintersemester 2023/24 bereits ein erstes gemeinsames Programm herausgeben“.

Die Idee fanden die Bürgermeister der Kreis-Kommunen grundsätzlich nicht schlecht. „Wir müssen halt abklären, welche Interessen es in welcher Gemeinde gibt“, stellte deren Sprecher Ulrich Pfanner fest. Wasserburgs Gemeindechef Harald Voigt sprach einen möglichen gemeinsamen Standort an, kann sich vorstellen, dass die Gemeinden das mitbezahlen.

Wir sind ja eine Bildungsregion.

Sprecher Ulrich Pfanner

Wobei Voigt da aber auch „den Landkreis mit im Boot“ sehen möchte. „Wir sind ja eine Bildungsregion.“ Da klärte ihn allerdings Pfanner auf: „Der Kreis zahlt bereits seit Jahren regelmäßig Zuschüsse.“ Für den Wasserburger bleibt dennoch der Punkt Finanzen ein wichtiger Aspekt: „Wenn Kurse besser belegt sind, dann rechnet sich das besser.“

Kulturamtsleiter Warmbrunn will nach eigenen Worten das Thema Erwachsenenbildung „stärker in den Gemeinden verorten“, weil ohnehin etliche Lindauer VHS-Teilnehmer aus den umliegenden Kommunen kommen.

„VHS wird andere Aufgaben haben“

Lindenbergs Bürgermeister Ballerstedt hingegen blickt in die Zukunft: „Da wird die VHS andere Aufgaben haben.“ Vor allem auch deshalb, weil nach seiner Ansicht „Erwachsenenbildung wichtig wird, um Arbeitskräfte zu qualifizieren“.

Für Grünenbachs Bürgermeister Markus Eugler stellt sich allerdings eine wichtige Frage: „Sind sich die beiden Volkshochschulen schon einig?“ Dazu kommt von Thomas Novy ein klares „Ja“. Der Lindauer VHS-Leiter will sich auf LZ-Nachfrage dazu nicht weiter äußern.

Dafür schickte die Stadt Lindau bereits eine Stunde nach dem Bürgermeistertreffen eine Pressemitteilung zur bevorstehenden Zusammenarbeit raus: Man prüfe jetzt, „wie sich die Volkshochschulen auf Landkreisebene stärker verbinden können“.