Erdgas

Energieerzeuger nennen Fracking „haarsträubend“

Lindau / Lesedauer: 2 min

Bergamt hat Genehmigung ohne Nachfrage bei den Wasserbehörden erteilt
Veröffentlicht:21.11.2012, 16:25
Aktualisiert:25.10.2019, 04:00

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Die Energieversorger in Bayern und Baden-Württemberg sprechen sich gegen Fracking, das umstrittene Verfahren zur Gewinnung von Erdgas, aus. Matthias Wambach, Geschäftsführer des Verbands für Energie- und Wasserwirtschaft Baden-Württemberg (VfEW) nannte Fracking „haarsträubend“.

Darin weiß er sich mit VfEW-Präsident Rudolf Kastner und Norbert Breidenbach, dem Vorsitzenden des Verbands der bayerischen Energie- und Wasserwirtschaft (VBEW) einig. Auch sie kritisierten auf Nachfrage der Lindauer Zeitung die Pläne diverser Unternehmen möglicherwiese Erdgas in der Region abzubauen.

„Das Bergbauamt hat die Genehmigung ohne Rücksprache mit den Wasserbehörden erteilt“, kritisierte Wambach. Doch sowohl Kastner als auch Breidenbach befürchten große Probleme für die Trinkwasserversorgung, wenn es tatsächlich dazu kommen sollte, dass Fracking eingesetzt wird.

Beim Fracking werden unter hohem Druck Sand, Chemikalien und Wasser in Gesteinsschichten gepresst, so dass durch den hohen Druck das Erdgas an anderer Stelle entweicht und aufgefangen werden kann. Rund um den Bodensee haben bereits mehrere Kommunen und Landkreise ihren Widerstand gegen die Methode angekündigt.

„Wir legen großen Wert auf die Trinkwasserqualität. Gerade am Bodensee sehen wir große Gefahren durch die verwendeten Chemikalien“, ergänzte Kastner. Breidenbach gab zu bedenken, dass in Bayern 90 Prozent des Trinkwassers aus Grundwasser gewonnen werden. Hier dürfe kein Risiko eingegangen werden.

In die gleiche Kerbe hieb Detlef Fischer, der VBEW-Geschäftsführer. Auch er warnte vor den Risiken und konnte auch keine Notwendigkeit für diese unkonventionelle Abbaumethode erkennen. „Auf dem Weltmarkt gibt es ausreichende Erdgas-Mengen aus konventionellem Abbau. Wir brauchen nur ein entsprechendes Pipeline-Netz.“ Durch Pipelines mit einem Durchmesser könnten mehrere 10 000 Megawatt Leistung gepumpt werden.

Eine weitere Lösung könnte Flüssiggas, das mit Schiffen transportiert wird, sein, wie Wambach anmerkte. „Doch dafür gibt es in Europa nur zwei Häfen: in Genua und in Rotterdam. Auch hier wäre ein Lösungsansatz.“ Die Energie- und Wasserversorger aus Bayern und Baden-Württemberg tagen derzeit in Lindau.