Bürgertaler

Einkaufen und dabei Gutes tun

Lindau / Lesedauer: 3 min

Klaus Kopp stellt das System „Bürgertaler“ in der Lindauer Biooase vor
Veröffentlicht:26.01.2017, 16:56
Aktualisiert:23.10.2019, 08:00

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Mit der Einführung des so genannten „Bürgertaler“ vor vier Jahren hat Klaus Kopp eine Bewegung inszeniert, die Nachhaltigkeit in der Region zu fördern und Menschen zu begeistern, selbst Initiative zu ergreifen und Verantwortung zu übernehmen. Das klingt zunächst sehr abstrakt. Daher hat die Biooase in Lindau, erster Lindauer Partner der Initiative, zu einem Informationsabend geladen, bei dem Kopp selbst sowie der Ansprechpartner in der Region Allgäu-Bodensee-Oberschwaben, Simon Neitzel , das System vielen Interessierten vorstellten.

Bei dem System Bürgertaler handelt es sich um ein Bürgerkarte, die im Gegensatz zu anderen Kundenkarten nicht dazu befähigt, dem Kunden beispielsweise billigen Eintritt zu einem Wellnessbad oder ähnlichem zu verschaffen, sondern im Gegenteil Gutes für die Allgemeinheit zu tun. Denn beim Einkauf in Geschäften, die dem Projekt angeschlossen sind, gehen zwei Prozent des Zahlbetrags in Förderzwecke, die der Kunde selbst entscheiden kann.

Klarer wird es am Beispiel Region Ammertal, in der das Projekt schon seit vier Jahren existiert und immer erfolgreicher wird. Hier kann der Kunde mittlerweile unter gut 40 Vereinen und Institutionen – von Kindergärten über den Hospizdienst bis zu Kulturförderung – wählen, welche er mit seinem Einkauf fördern möchte. Jede dieser Institutionen hat eine Fördernummer, die der Kunde beim Bezahlen angibt oder, wenn er sich auf eine festgelegt hat, auf seiner Bürgerkarte vermerkt. Institutionen können sich da anmelden, um gefördert zu werden.

Auch für Händler hat die Aktion Vorteile

Für den Händler oder Gewerbetreibenden hat dies den Vorteil, dass beispielsweise Vereinsmitglieder dazu ermuntert werden, bei solchen Betrieben einzukaufen und damit den Verein zu unterstützen. Dafür gibt er wiederum 1,5 Prozent des Zahlgeldes weiter, von dem ein Prozent in einem Topf landet, „Bürgervermögen“ genannt, das halbe Prozent wird in das Netzwerk des Bürgertalers investiert. Das Bürgervermögen wird in einer jährlich angesetzten Versammlung, zu der die teilnehmenden Bürger eingeladen werden, wiederum zu Förderzwecken ausgeschüttet, über die die Bürger entscheiden. Eine Einschränkung gibt es allerdings dabei: Um hier teilnehmen zu können, ist die Registrierung via Internet und damit eine personalisierte Bürgerkarte verpflichtend. Wer das nicht will, kann mit seiner einfachen Karte anonym bleiben. Wobei, sowohl Kopp als auch Neitzel sichern zu, dass diese Registrierung nicht bedeutet, dass die Namen und Kontakte weitergegeben werden, wie das so oft der Fall ist.

Hinter dem Ganzen steckt die Idee, die Region zu stärken, das ausgegebene Geld in der Region länger zu halten, wovon nicht nur Handeltreibende und Mittelständler profitieren, sondern auch die Kommunen durch bessere Steuereinnahmen.

Wer steckt dahinter? Der Verein „Bürger vermögen viel e.V.“, den der Architekt Klaus Kopp ins Leben rief. Ihm liege eine aktive Bürgergesellschaft am Herzen, erzählt er. Schon beim Architekturstudium habe er über derartige Projekte nachgedacht. Das Konzept „Bürgertaler“ verhelfe Bürgern zu einem gemeinsamen Vermögen für wichtige Bürgerprojekte und schaffe eine so genannte Win-Win-Situation, was nichts anderes heißt, als dass jeder Beteiligte dabei gewinnt. Der Bürger sei somit Partner des Händlers oder Gewerbetreibenden und nicht Opfer, das über den Tisch gezogen werde.

Das Ganze sehen Kopp und Neitzel, der das Projekt vor Ort betreut, als eine Bewegung gegen die „Geiz ist geil-Mentalität“, die im Gegensatz dazu die Wertschätzung für Produkte und Lieferanten steigere.

Eine weitere Attraktivität erklärt Kopp auch noch: Wer beispielsweise in München bei einem teilnehmenden Geschäft einkaufe, könne mit seiner Lindauer Bürgerkarte auch dort sein favoritisiertes Lindauer Projekt fördern. Die Vernetzung fände somit nicht nur regional, sondern auch Regionen übergreifend statt.

Das Ziel ist damit eigentlich schon formuliert: Mehr finanzielle Mittel für die Ideen und Anliegen der Bürger zu schaffen.

Wer sich mehr informieren möchte, findet unter www.buerger-vermoegen-viel.de, unter www.wirundjetzt.org sowie www.bvv-bodensee-

oberschwaben.de weitere Informationen.