Abholzung

Nach Abholzung ohne Genehmigung: BN fordert Aufforstung der gerodeten Fläche bei der Therme

Lindau / Lesedauer: 3 min

Für die Lindauer Therme mussten Bäume weichen – größeres Areal gerodet, als genehmigt
Veröffentlicht:22.04.2022, 12:00
Aktualisiert:22.04.2022, 22:44

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Für den Bau der Lindauer Therme mussten Bäume weichen. Allerdings wurde nicht nur die dafür vorgesehene Fläche gerodet, sondern ein weit größeres Areal. Eine Genehmigung gab es dafür wohl nicht. Die Kreisgruppe Lindau des Bund Naturschutzes (BN) fordert: Es muss aufgeforstet werden.

Die Kreisgruppe unterstützte die Forderung des Stadtrates Müller (LI), dass Ausgleichsmaßnahmen unbedingt am Standort der Rodung erfolgen müsse, schreibt der BN in einer Mitteilung. Müller hatte in einem Antrag geschrieben, dass die erforderliche Rodungsgenehmigung „offensichtlich nicht“ vorlag. Es gab einen Rodungsantrag über eine Fläche von 0,3 bis 0,4 Hektar. Insgesamt wurden jedoch 1,7 Hektar abgeholzt.

Die Kreisgruppe zeigt sich enttäuscht, dass sich das Verfahren so lange hinzieht. „Dabei die totale und rechtswidrige Vernichtung eines ökologisch sensiblen Lebensraumes von der Größe von fast zwei Fußballfeldern als Altlastensanierung anzupreisen, so wie es Herr Schauer tut, dazu gehört schon eine enorme Dreistigkeit“, sagt Maximilian Schuff , stellvertretender Vorsitzender der Kreisgruppe laut Pressemitteilung. Tatsächlich seien nicht nur Buschwerk, sondern Bäume bis zur Mannesdicke gefällt worden, heißt es weiter.

Thermenbetreiber verteidigte sein Vorgehen

Auf Nachfrage der LZ Anfang April betonte Thermenbetreiber Andreas Schauer , dass die Rodungen gemäß des Bebauungsplanes mit der unteren Naturschutzbehörde abgesprochen waren. Die Rodung sei dann jedoch „etwas großzügiger ausgefallen“, weil sich auf dem Stück viele Altlasten wie alte Autos, Reifen und Chemiefässer befunden hätten, die entsorgt werden mussten. Die entsprechende Fällgenehmigung sei dann nachträglich beantragt worden.

Den bei der Rodung entstandenen Schaden stuft der BN insbesondere für Vögel, Amphibien und Reptilien als gravierend ein. Kein Verständnis zeigt Schuff von der Kreisgruppe zu Diskussionen, Ausgleichmaßnahmen direkt vor Ort auszuführen. Außerdem könne er nicht glauben, dass die Stadt einen Einfluss nehmen könne.

Die Stadt müsse hartnäckiger sein

Es spräche nichts dagegen, diesen ökologischen Ausgleich an derselben Stelle durchzuführen, meint Schuff. „Einzig die hartnäckige wie abstruse Idee aus Teilen der Stadtverwaltung und des Stadtrates stünde dem entgegen, hier einen Freizeitcluster gegen den Bürgerwillen errichten“ zu können, heißt es weiter. Die seitens der Stadt wiederholt vorgebrachten Argumente, sie könne keinen Einfluss nehmen, sieht der BN als vorgeschoben an. Schließlich sei die Therme ein Projekt der öffentlichen und privaten Hand.

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Der Abteilungsleiter beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Bernhard Schmieder, bestätigt auf Nachfrage der Lindauer Zeitung vor einigen Wochen, dass seine Behörde mit dem Fall betraut ist. Sollte die Behörde zu dem Ergebnis kommen, dass die Rodung nachträglich nicht genehmigungsfähig ist, dann liege eine „unerlaubte Rodung“ vor. Allerdings, so Schmieder, könne die Stadt nichts fordern. Auch nicht hinsichtlich des Ortes, an dem eine möglicher Aufforstung stattfinden soll.

Klimaschutz müsse an erste Stelle stehen

Einem Ausgleich ortsnah erteilt Schuff vom BN auch eine klare Absage. Dass hier überhaupt ein Ausgleich geschaffen werden muss, sei schon schlimm genug. Was aber nicht sein dürfe, sei ein Ablasshandel für diesen „Umweltfrevel auf Kosten der Natur“.

Nicht nur in Anbetracht des immer rasanter fortschreitenden Artensterbens und Klimawandels müssten Trittsteinbiotope im Stadtgebiet erhalten bleiben, ja sogar neue entwickelt werden. „Die Stadt Lindau müsse endlich Farbe bekennen, ob es ihr mit dem Klima und Artenschutz wirklich ernst sei“, so Schuff.