Tanklöschfahrzeug

In sieben Tagen Feuerwehr für die Ukraine ausgebildet – Tanklöschfahrzeug inklusive

Schwäbisch Gmünd / Lesedauer: 2 min

Unbürokratische Blitzaktion von Feuerwehr, Stadtverwaltung und Gemeinderat der Stadt Schwäbisch Gmünd
Veröffentlicht:18.10.2022, 05:00
Aktualisiert:18.10.2022, 11:32

Von:
Artikel teilen:

Im Rahmen einer unbürokratischen und bundesweit wohl einzigartigen Blitzaktion ist im Ostalbkreis für die Ukraine in nur sieben Tagen eine Freiwillige Feuerwehr ausgebildet und auch komplett ausgerüstet worden. Es handelt sich um ein ziviles Hilfsprojekt im Rahmen einer angestrebten Städtepartnerschaft zwischen Schwäbisch Gmünd und der Kleinstadt Obroshyne nahe Lwiw (Lemberg). Auch dort leiden die Menschen unter russischen Raketenangriffen.

Brand- und Katastrophenschutz hat es noch nicht gegeben

Direkt in Obroshyne gab es bislang aber noch keinen Brand- und Katastrophenschutz, wie man ihn in Deutschland kennt. Sechs junge Männer aus der ukrainischen Kleinstadt waren jetzt eine Woche, sozusagen als Praktikanten und Auszubildende, bei der Feuerwehr in Schwäbisch Gmünd zu Gast.

Die hauptamtlichen Kräfte der Gmünder Feuerwehrwache unter der Leitung des stellvertretenden Kommandanten und Kreisrats Ralf Schamberger hatten für ihre Gäste aus der Ukraine einen Crashkurs organisiert, um sie mit Vorgehensweise und Technik einer Feuerwehr vertraut zu machen. Es ging sogar auf die Atemschutz-Übungsstrecke.

Dolmetscherinnen wollten fast selbst Brände löschen

Weil die schwäbischen Feuerwehrleute weder Ukrainisch noch die angehenden Feuerwehrmänner Deutsch sprachen, waren vom ersten Tag an auch in Schwäbisch Gmünd lebende Frauen aus der Ukraine als Dolmetscherinnen eingesetzt. Motivation und das kameradschaftliche Miteinander waren so ausgeprägt, dass die Dolmetscherinnen, wie sie gegenüber unserer Zeitung zum Ausdruck brachten, am liebsten selbst noch gerne in die Feuerwehruniform geschlüpft wären.

Der Gmünder Vizekommandant und auch stellvertretende Ostalb-Kreisbrandmeister Ralf Schamberger sowie Bürgermeister Christian Baron gaben am Wochenende bei der Verabschiedung den frischgebackenen Kameraden aus der Ukraine nicht nur ein Ausbildungsdiplom mit auf den Weg, sondern schenkten ihnen als Erstausrüstung vor allem ein fast 40 Jahre altes, jedoch voll funktionsfähiges Tanklöschfahrzeug vom Typ TLF 24/50.

Mit einem großen Wassertank (5000 Liter) und Wasser-/Schaumwerfer ist es ideal dazu geeignet, beispielweise Brände nach Raketeneinschlägen zu löschen. Die sechs Feuerwehrmänner wollen nun in ihrer Heimatgemeinde als Multiplikatoren dienen und weitere Bürger für den Feuerwehrdienst begeistern und ausbilden.

Bislang seien sie als Freiwillige mit völlig unzureichender Ausrüstung und 20-Liter-Wasserkanistern mit Privat-Pkw zu Bränden geeilt. Das konkrete Hilfsprojekt ist auch als Auftakt zu einer angestrebten deutsch-ukrainischen Städtepartnerschaft zwischen Schwäbisch Gmünd und Obroshyne gedacht.