StartseiteRegionalRegion OstalbNeresheimRathaussturm in Neresheim: Der „Party-Bürgermeister“ ist abgesetzt

Häfele wehrt sich

Rathaussturm in Neresheim: Der „Party-Bürgermeister“ ist abgesetzt

Neresheim / Lesedauer: 3 min

Thomas Häfele verteidigte sich wacker, musste sich am Ende aber den Narren ergeben. Der Bürgermeister musste ordentlich einstecken, teilte aber auch gekonnt aus.
Veröffentlicht:13.02.2024, 05:00

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Der Übermacht der Narren hat er sich ergeben und den Rathausschlüssel herausgerückt: Bürgermeister Thomas Häfele ist trotz heftiger Gegenwehr seiner Mannschaft entmachtet worden. Die „Angreifer“ zerrten ihn auf den Marienplatz, wo er sich heftigen Vorwürfen ausgesetzt sah.

Doch Häfele bewies, dass er auch nicht auf den Mund gefallen ist und teilte ebenfalls kräftig aus. Nach dem von zahlreichen oftmals kreativ verkleideten Zuschauerinnen und Zuschauern begeistert verfolgten Spektakel traf man sich zum friedlichen Feiern im Rathausfoyer. Heute steht mit dem großen Umzug ein weiterer Höhepunkt der Neresheimer zum Ausklang der Narrentage an.

Häfele stellt sich den Anklägern

Rund 180 Mitglieder des Faschings- und Brauchtumsvereins Ohmenheim, der Faschingsfreunde Kösingen und der Narrenzunft Neresheim rückten am Montagmorgen am Rathaus an, an der Spitze die Narrenkapelle unter Klaus Eiberger und die Bürgergarde.

Die Präsidentin der Narrenzunft Neresheim, Dagmar Schwenk, forderte den Bürgermeister und die Rathaus-Mannschaft mehrmals auf, sich zu ergeben. Als sie diesem Aufruf nicht folgten, holten die Narren den sich tapfer wehrenden Bürgermeister aus dem Rathaus und führten ihn auf den Marienplatz, wo er sich seinen Anklägern stellen musste.

Kritik von vielen Seiten

Als Sprecher des Faschings- und Brauchtumsvereins Ohmenheim warf ihm Alexander Weik vor, dass es mit dem in Neresheim angebauten Wein wohl nichts werden wird und dass im Imagefilm, der im vergangenen Jahr vorgestellt wurde, gleich am Anfang bereits nach 13 Sekunden fremde Narren zu sehen gewesen seien und die Ohmenheimer erst nach zwei Minuten.

Die Ohmenheimer hielten Häfele auch vor, er würde sich als Medienstar aufführen und sich in den sozialen Medien nach jedem Auftritt präsentieren anstatt sich für Anträge zu engagieren. Die Retourkutsche: Im Sommer muss er Schirmherr beim Sommerfest sein.

Der Bürgermeister schießt zurück

Doch auch Häfele ließ sich nicht lumpen und teilte wacker aus. Den guten Neresheimer Wein würden die Ohmenheimer ohnehin nicht vertragen, er würde ihnen nur auf den Narrenmagen schlagen. Und eine Erwähnung im Imagefilm müsse man sich verdienen und fleißig sein wie die Bienen.

Als „Party-Bürgermeister“ titulierte Michael Hafner für die Kösinger Faschingsfreunde Häfele und warf ihm vor, wegen der vielen Feste sei der Bauhof überlastet, die Turnhalle drohte derweil zu verfallen und Wohngebiete würden nicht erschlossen. Die Narren mutmaßten sogar, der Bürgermeister plane einen Karrieresprung und wolle 2026 nicht zur Wiederwahl antreten.

„Ohne euren Party-Bürgermeister wäre ja hier gar nichts los"

Häfele, nicht erschrocken, revanchierte sich mit dem Hinweis, dass sich die Kösinger wohl beim jüngsten Nachtumzug von den 2000 Narren in ihrer Nachtruhe gestört gefühlt hätten. Für ein neues Baugebiet gebe es keine Interessenten und von wegen Karrieresprung. An das Härtsfeld habe er sich längst gewöhnt. „Ohne euren Party-Bürgermeister wäre ja hier gar nichts los, die Langeweile wäre riesengroß!“

Für die Neresheimer Narrenzunft mutmaßte deren Vizepräsident Thomas Launer, Häfele wolle die Marktstraße nicht nur zur Fußgängerzone machen, sondern auch zur Shoppingmeile und spottete: „Haben Sie denn dort schon viele Fußgänger gesehen? Oder sollen die Kunden bei der Fülle an Einkaufsmöglichkeiten dort ungestört flanieren zu Fuß von Ort zu Ort?“

Narren ohne Ahnung?

Außerdem rügten die Narren den schlechten Zustand der Härtsfeldhalle, wo überdies wegen der Fülle der Veranstaltungen ständig der Sportunterricht ausfallen müsse. Und nicht zuletzt sei es schlecht um das Hallenbad bestellt: „Hat man oben Sport gemacht, ist unten die Decke abgekracht!“

Aber auch hier sparte Häfele nicht mit deutlichen Worten und hielt den Narren vor, sie hätten keine Ahnung, denn er habe im Gemeinderat nicht für die Fußgängerzone gestimmt. Im Übrigen brauche es bei der Sanierung der Halle Geduld und wenn die Decke bröckele, liege es wohl am heftigen Gardetanz.

Unschuldig sei er in allen Punkten, bilanzierte Häfele selbstbewusst und forderte den sofortigen Freispruch.