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Lauchheim

So war das Konzert von Katie Melua

Lauchheim / Lesedauer: 4 min

Trotz Regen kamen zahlreiche Besucher zum Auftritt der international bekannten Sängerin auf Schloss Kapfenburg. Diese Songs hatte sie im Gepäck.
Veröffentlicht:26.07.2023, 19:00

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Keine Anmoderation, keine ersten Worte, plötzlich asiatisch gefärbte Töne in der Luft. Das Konzert von Katie Melua am Dienstagabend auf Schloss Kapfenburg hat mit dem wohl größten Hit der georgischstämmigen Künstlerin begonnen. „Nine Million Bicycles“ — wohl der einzige Hit der 38–Jährigen, der regelmäßig im Radio zu hören ist. Die Rahmenbedingungen an diesem Abend waren zudem denkbar schlecht. Es goss in Strömen und Melua stand sichtbar angeschlagen mit Hals– und Kopftuch sowie einer Thermoskanne dampfenden Tees auf der Festivalbühne im Innenhof des Schlosses. Dem musikalischen Erleben tat die Erkältung der Sängerin jedoch keinen Abbruch. 95 Minuten lang klang ihre Stimme, als würde jemand Lieder einer perfekt abgemischten CD abspielen. Ein Beweis dafür, was für ein Ausnahmetalent das Festival nach 2019 bereits zum zweiten Mal besucht hat.

Katie–Melua–Fans der ersten Stunde mögen nach dem Konzert möglicherweise ein wenig enttäuscht gewesen sein, dass die Sängerin nur einige wenige Songs ihrer ersten beiden Alben, die mehr in Richtung Jazz und Blues gehen, gespielt hat. Darunter „The Closest Thing to Crazy“ und „Just Like Heaven“ vom gleichnamigen im Jahre 2003 erschienenen Debütalbum sowie „I Cried for You“ vom Nachfolger „Piece by Piece“ (2005), auf dem auch „Nine Million Bicycles“ zu finden ist. Diese Songs ernteten dann auch merklich hörbar den größten Applaus.

Ansonsten präsentierte Melua, die als Kind mit ihrer Familie Georgien verlassen hat und in London lebt, eine bunte Mischung ihres mittlerweile mehr als 20–jährigen Schaffens. Und so fiel es auch an diesem Abend schwer, ihren Stil einem bestimmten Genre zuzuordnen. Viel Pop, ein bisschen Folk, etwas Jazz und eine Prise Rock. Zwei Songs, die sie gleich singen werde, würden von ihren Erinnerungen an Georgien handeln. Die Landschaft sei wunderschön, ähnlich wie in Deutschland, sagte Melua und setzte zu „Leaving the Mountain“ (2020) an. Dann folgte „Lie in the Heat“ (2023).

Schwer einzuordnen, gar ein wenig experimentell mutete „It Happened“ an, ein Song der aus der Kollaboration der Sängerin mit dem in Berlin lebenden britischen Geiger und Komponisten Simon Goff entstanden ist. Gemeinsam nahmen sie 2022 das nur sechs Lieder umfassende Album „Aerial Objects“ auf. Bei rockig treibenden, dramatisch überwältigen Klängen, die unverkennbar eine Prise James Bond enthielten, holte Melua das Maximum aus ihrer Stimme heraus.

Und einen waschechten 007–Song gab es dann sogar auch noch. Als letztes Lied vor der Zugabe wagte sich Melua an „Diamonds are Forever“ von Shirley Bassey aus dem Jahre 1971 heran, den Titelsong des bis dato siebten James–Bond–Films „Diamantenfieber“. Fehlen durfte auch „Wonderful Life“ nicht. das Original stammt von dem britischen Musiker Black, der es 1986 schrieb. Im Laufe der Jahre wurde das Lied schon von vielen Künstlern gecovert, darunter Kim Wilde und „Ace of Base“. Katie Melua nahm das bekannte Stück 2015 in ihr Œuvre auf.

Wie angekündigt, sang Melua auch ein Lied auf Deutsch. Mancher mag dabei sofort an den Song „Ich wollte nie erwachsen sein“ gedacht haben, den die Künstlerin gemeinsam mit Peter Maffay bei dessen MTV–Unplugged–Konzert 2017 erstmals performte, doch während eines Interviews mit der „Ipf– und Jagst–Zeitung/Aalener Nachrichten“ im Vorfeld des Festivals hatte sie bereits verraten, dass es „Dann erinner ich“ sein wird. Das Lied hatte Philipp Poisel ins Deutsche übersetzt. Auf der Deluxe–Version ihres aktuellen Albums „Love & Money“ ist das Stück als Bonustrack enthalten, den Melua dort gemeinsam mit ihrem deutschen Kollegen singt.

Tapfer trotzten die zahlreichen Zuschauer auf der Tribüne und vor der Bühne dem anhaltenden Regen, der nur durch wenige Trockenphasen unterbrochen wurde. Die meisten hatten Regencapes in vielen verschiedenen Farben dabei, sodass die Ränge aussahen, als seien sie durch eine große Gruppe von Ampelmännchen bevölkert. Melua musste zudem ständig ihre Gitarre wechseln, da die hohe Luftfeuchtigkeit dafür sorgte, dass sich die Saiten verzogen. Dennoch sorgte sie in ihrem hellen „Piraten–Outfit“ und mit glockenheller Stimme für einen gelungenen Festivalabend, der sicherlich nicht nur wegen der einen oder anderen durchgeweichten Hose in Erinnerung bleiben wird.