StartseiteRegionalRegion OstalbLauchheimMit „El Viaje“ auf Reisen in musikalisches Neuland

24. Festival Schloss Kapfenburg eröffnet

Mit „El Viaje“ auf Reisen in musikalisches Neuland

Lauchheim / Lesedauer: 4 min

Spektaktulär ist das 24. Festival Schloss Kapfenburg mit dem Ensemble „da! Sein - El Viaje“ gestartet. Zwei Jahre Vorbereitung hat das Projekt gebraucht - was dahintersteckt.
Veröffentlicht:22.07.2023, 19:00

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„Wie viele Koffer passen in ein Leben?“ – um diese Frage hat sich am Freitagabend bei der Welturaufführung des schwäbisch-baskischen Musiktheaters „El Viaje“ alles gedreht. Mit ihrem Auftritt bei der Eröffnung des 24. Festivals Schloss Kapfenburg geht für Musiker Marcus Englert, Schauspielerin Itziar Ituño und ihre Gruppe „da! Sein“ nach zwei Jahren Vorbereitung und interkulturellem Austauschs, die erste Etappe ihrer gemeinsamen Reise – zu spanisch: El Viaje – zu Ende. 

Die Stärke des Theaters: Offenheit für internationale Musikstile und der Mut, diese frei von kulturellen Grenzen miteinander zu kombinieren. „El Viaje" verbindet auf außergewöhnliche Weise Rock mit Klassik und Indie mit Folk.

Noch mehr Eindrücke von der Festivaleröffnung:


Zwischenmenschlichkeit durch Musik und Tanz

Mit Texten in deutscher, spanischer und baskischer Sprache zeigt das Theater, dass sprachliche Barriere kein Hindernis für zwischenmenschliche Begegnungen sein müssen, sondern Tanz und Musik viel mehr Emotionen auslösen können als Worte.

Vielleicht hat Regisseurin Agurtzane Intxaurraga auch gerade deshalb darauf verzichtet, Ituños Rezitationen ins Deutsche übersetzen zu lassen. Als Ankerpunkte werden lediglich ab und an Gedankenbruchstücke auf die große Leinwand im Hintergrund der Bühne projiziert oder von den deutschen Bandmitgliedern in rhetorischen Fragen an das Publikum gerichtet. 

Was entdeckt man, wenn man allein um die Welt navigiert?

Markus Englert, musikalische Leitung von „da! Sein“

Englert und Ituño nehmen die Zuschauer so nicht nur auf eine musikalische Reise mit, sondern regen dabei auch zu einer Erkundung der individuellen Gefühlswelt an – den Mut aufzubringen, trotz aller Ungewissheit etwas zu wagen. „Was entdeckt man, wenn man allein um die Welt navigiert?“, lautet dabei zum Beispiel eine Frage Englerts.

Ausdruck findet das auch in den tänzerischen Darbietungen von Amaia Elizaran und Gorka Duran, die – mal spielerisch-neckend, mal liebend, mal verzweifelt oder auch mal traurig-melancholisch – ohne Worte menschliche Begegnungen in all ihren Facetten auf die Bühne bringen.

„El Viaje“ als lebensbejahendes Plädoyer

Landrat Joachim Bläse, Akademiedirektor und Geschäftsführer der Stiftung Schloss Kapfenburg Moritz von Woellwarth sowie auch Bruno Seitz, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Landesverbands der Musikschulen Baden-Württembergs, ihre Freude darüber , die Welturaufführung des Projekts präsentieren zu dürfen. 

„Gestaltungswille und die Kraft, nach vorne zu gehen - das brauchen wir heute. Das ist genau das, was den Musikschulverband auszeichnet in Kombination mit dieser Akademie und dem Akademiebetrieb“, sagt Seitz dazu in seiner Begrüßungsrede. 

Aus Sicht von Woellwarths ist das Stück ein „Plädoyer für Neugier, Lebensfreude und Reiselust“ und passt damit gut unsere Umwelt, die – zum Zeitpunkt der Entstehung 2020 vor allem von der Coronapandemie – nun aber auch vom Krieg in Europa geprägt ist. Passend dazu, griff auch der Landrat diesen Gedanken in seiner einführenden Rede auf: „Im derzeitigen Leben läuft nicht immer alles so einfach. Da ist viel Herausforderndes, viel Unsicheres, es gibt Krieg oder andere schreckliche Dinge. Das schlägt alles schon ein bisschen auf den Magen und da tut es gut, auch mal wieder etwas Gutes zu erleben, und deshalb ist es schön, dass wir heute diesen Festivalauftakt miteinander begehen dürfen.“

Zusätzlich unterstützt wird die Bühnenshow von einer beeindruckenden Lichtinstallation, bei der die Kapfenburg immer wieder zur Projektionsfläche strahlender Farben und abstrakter Muster wird.


Von Woellwarth hatte schon zu Beginn des Abends angekündigt, dass  in diesem Jahr kein Feuerwerk gibt. Stattdessen Lichttechnik, die den Abend bestens ergänzt.  


Auch kulinarisch hat das Festival-Team  versucht, spanisches Flair aufkommen zu lassen, in dem neben Klassikern wie dem „Kapfenburger“, Grillgut und Pommes auch spanische Paella zur Auswahl stand. 

Spanische Rhythmen, aber fröstelnde Zuschauer

Lediglich das Wetter trübte die Illusion dann doch etwas: Nach den Schauern am Nachmittag riss die Wolkendecke bis zur offiziellen Eröffnung wieder komplett auf, die niedrigeren Temperaturen überraschten aber einige Besucher. Viele holten sich gegen die Kälte noch vor Showbeginn Fleecedecken aus ihren Autos oder kauften ein bis zwei Exemplare beim Festival-Team. Gut eingepackt, tat der Kälteeinbruch der Stimmung aber keinen Abbruch. 

Wie viele Koffer in ein Leben passen, bleibt am Ende des Abends unbeantwortet. Klar ist aber schon jetzt, dass für die Künstler die Reise noch lange nicht zu Ende ist. Nach einem Gastauftritt im Congress Centrum Stadtgarten Schwäbisch Gmünd sind bereits Aufführungen im Baskenland in Planung.

Unterstützt wurde das schwäbisch-baskische Ensemble an diesem Abend vom Trio Hackberry, das im Vorfeld der Show für Stimmung sorgte. Sowie von der Influencerin Maria Werner aus Heidenheim, die an diesem Abend ihr erstes Konzert vor so einem großen Publikum hatte.

So geht es weiter auf der Burg

Und wie „da! Sein“ geht auch das Kapfenburg-Festival in den kommenden Tagen weiter auf internationale Reise: Mit der britisch-georgischen Singer-Songwriterin Katie Melua, mit den deutschen Musikern Jan Delay und Konstantin Wecker, mit Unterhaltungskünstler Helge Schneider und der Blasmusikband Labrassbanda.