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Festival Schloss Kapfenburg 2023

Jan Delay im Interview: „Durch Hip–Hop habe ich das Musikmachen gelernt“

Lauchheim / Lesedauer: 5 min

Kurz vor seinem Auftritt auf der Kapfenburg sprach Jan Delay im Interview über seine Lieblingsmusik, seine Band und Sommer–Konzerte wie in Lauchheim.
Veröffentlicht:24.07.2023, 19:00

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Am Samstag brachte Jan Delay die Kapfenburg mit seinen Sounds zum Beben. Kurz vor seinem Auftritt nahm sich der Hamburger Künstler Zeit für ein Interview mit der „Ipf– und Jagst–Zeitung/Aalener Nachrichten“. Möglich wurde das durch Jan Delays Kooperation mit dem Unternehmen Grünbeck Wasseraufbereitung GmbH aus Höchstädt.

Jan Delay, mit Ihrem Programm „Earth, Wind & Feiern“ bedienen sie sich vielen Reggae– und Riddim–Sounds, wie zu Ihren Anfangszeiten. Wie kam es zum erneuten Genrewechsel, der bei Ihnen keine Seltenheit ist?

Eigentlich ist es ja das erste Mal, dass ich das Genre nicht gewechselt habe, sondern dahin zurückgekehrt bin, wo Jan Delay herkommt. Das war aber nicht das Ziel. Wir haben zum ersten Mal gesagt: Wir machen keine Genreplatte, sondern wir machen einfach Musik. Ich habe bestimmte Vorstellungen auf welchen Sound ich Bock habe, wir nehmen mit der Band auf und produzieren das. Wir machen einfach das, was Spaß macht und so sind wir bei dem Sound gelandet. Ich hatte gemerkt, dass ich keinen Bock mehr auf Live–Drums habe, weshalb meistens J. Fresh (Anm. d. Red.: Drummer von „Disko No. 1“) raus geflogen ist. Wir haben dann die Drums programmiert. So ist immer mehr Reggae rein gerutscht und immer mehr von anderen Sachen raus gerutscht. Der Vibe ist gekommen, ohne dass man sich ein Ziel gesetzt hat.

Jan Delay im Interview mit der Ipf- und Jagst-Zeitung/Aalener Nachrichten.
Jan Delay im Interview mit der Ipf- und Jagst-Zeitung/Aalener Nachrichten. (Foto: Rill)

Haben Sie trotz allem ein Lieblings-Genre?

Das ist natürlich Hip–Hop, da komme ich her. Durch Hip–Hop, habe ich das Musikmachen gelernt und durch das Sampeln habe ich andere Musikrichtungen noch viel doller schätzen gelernt.

Hip–Hop–Artists bauen viel mehr als nur kleine Zitate aus anderen Genres in ihre Musik ein, so haben wir das auch gemacht. Ich würde meine Musik so nicht machen, wäre der Bezug nie dagewesen. Egal wie sehr ich andere DInge gerne höre und mag, Hip–Hop ist immer die größte Leidenschaft.

Sie sind in Ihrer Karriere sowohl mit der Hip-Hop-Gruppe „Beginner“, als auch mit „Disko No. 1“ aufgetreten. Inwiefern unterscheidet sich die Arbeit auf einer Live–Tour mit „Disko No. 1“ von der mit den „Beginnern“?

Das ist total verschieden und es ist super, dass es so ist. Hier (Anm. d. Red.: mit „Disko No. 1“) lastet viel mehr auf meinem Schultern und ich habe eine riesige Band. Das heißt es gibt viel mehr Dinge, die schieflaufen können und viele kleine Dinge, die es zu beherrschen gilt, damit man am Ende einen geilen Sound hat. Wenn ich mit den „Beginnern“ unterwegs bin, sind wir zu dritt und ich muss nicht so viel auf meinen Schultern tragen.

Jeder hat die gleiche Arbeit und Verantwortung, wir haben keine Riesen–Band, DJ Mad ist die Band. Dadurch ist es häufiger genau dasselbe. So sehr ich das auch feiere mit den „Beginnern“ unterwegs zu sein und diesen fetten Sound zu haben, so sehr nutzt sich das nach einer Zeit auch ab. Man wünscht sich dann mal etwas anderes machen zu können und das können wir mit der Band die ganze Zeit. Genauso ist es auch andersrum: Wenn ich die ganze Zeit mit der Band unterwegs bin, habe ich Bock, dass es einfach nur ballert aus dem Mischpult.

Der Name des Albums „Earth, Wind & Feiern“ spielt auf die Band „Earth, Wind & Fire“ an. Hat sie diese Gruppe besonders inspiriert? Wie ist der Name entstanden?

Das ist einfach ein geiles Wortspiel und Earth, Wind & Fire ist einfach eine geile Band. Es ist nicht so, dass ich ein krasser Über–Fan bin. Aber ich bin Fan von diesem besonderen Sound und wofür sie stehen. Jeder kennt einen Song von denen und man kriegt gute Laune, wenn man an den Song denkt. Sie haben eine Formel gehabt, ähnlich wie „Abba“ oder die „Beatles“. Ich will nicht Äpfel mit Birnen vergleichen, aber einige wenige Bands haben einen eigenen Sound erschaffen. „Earth, Wind & Fire“ ist eine davon.

Das Kapfenburg–Festival in Lauchheim ist bekannt für seine einzigartige Location. Gleichzeitig sind wir hier im eher ländlichen geprägten Raum. Unterscheidet sich das Publikum an Orten wie diesen von dem bei großen Auftritten in Hamburg, Berlin oder Köln?

Auf jeden Fall. Das hat natürlich zum einen mit der Situation zu tun, wie viele Einwohner Lauchheim hat und wie viele Berlin hat (lacht). Bei solchen Festivals im Sommer draußen kommt ein anderes Klientel, wie wenn ich in Stuttgart im Winter in der Schleyerhalle spiele.

Hier bringen die Leute auch ihre Kinder mit, es ist familiärer und irgendwie was anderes. Es liegt nicht daran, dass es hier provinziell ist, das finde ich gar nicht. Es ist einfach eine andere Art von Event, dadurch kommen andere Leute.

Welche Art von Konzert macht Ihnen mehr Spaß?

Das ist schwierig. Inzwischen machen mir Konzerte draußen mehr Spaß, als Touren im Winter. Es ist eine andere Lebensqualität draußen bei geiler Luft an solchen Locations zu spielen. Vor 20 Jahren hätte ich das nicht so gesagt, aber jetzt sage ich das so (lacht). Bei Club–Touren im Winter habe ich auf der Bühne genauso viel Spaß, wie auf einem Sommer–Festival. Aber die 120 Minuten davor und danach sind im Sommer geiler.