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„What the fuck is Breschdlengsgsälz?”

Hüttlingen / Lesedauer: 2 min

„Dodokay“ bringt beim Hüttlinger Kleinkunstfrühling den rappelvollen Bürgersaal zum Brüllen
Veröffentlicht:28.04.2017, 13:07
Aktualisiert:23.10.2019, 06:00

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Was Dominik Kuhn macht, ist eigentlich schnell erklärt: Er leiht Barack Obama , Darth Vader, Leinwand-Schurken, Werbefiguren, Kino-Stars, vermeintlichen und echten Promis oder auch Mal dem Interviewten einer Doku seine Stimme. Weil er aus einem Kaff bei Reutlingen stammt, ist diese Stimme eben ziemlich handfestes Alb-Schwäbisch. Und weil der „Synchro-Grasdackel“ ziemlich dick dabei ist bei YouTube und Co., nennt er sich „Dodokay“. Das hört sich jetzt einfach an, ist aber richtig witzig. Davon hat er die Besucher des Hüttlinger Kleinkunstfrühlings im proppenvollen Bürgersaal im Handstreich überzeugt.

Kuhn ist eigentlich Filmer und Filmfan, das sagt er auch kurz nach dem Start in Hüttlingen. Seinen Start legte er 2006 hin. Als er damit anfing, synchronisierte Videos bei YouTube hochzuladen. Sachen wie die Internet-Glosse „Virales Marketing im Todesstern Stuttgart“ oder Obama, der sich über die Fahrräder im Hausgang aufregt. Natürlich auf schwäbisch. Mittlerweile hat er Millionen Fans und über 200 Filme. „Schwaben-Menschen-Abenteuer“ hat er als Live-comedy nach Hüttlingen mitgebracht, ganz zur Freude der Gäste, die seine cool-schwäbische Performance von der ersten bis zur letzten Reihe mit nicht gerade wenigen Brüllern wertschätzen.

Der gestenmäßig ziemlich Wandelbare erzählt vom Sein und Wesen der Schwaben, durchaus mit Selbstkritik. Weil der Schwabe ja alles andere als ein Angeber ist. Ja es stimmt schon – zwar liebt die Welt die Schwaben, aber nicht jeder Bewohner der Bundesrepublik tut das. In seiner Sturm- und Drangzeit, offenbart er, habe er sein Schwäbisch sogar verleugnet – „weil sonsch koi Alde kriegsch“. Auf Hochdeutsch übersetzt also: Der schwäbische Dialekt ist der Partnerfindung eher abträglich. Und „Dodokay“ stellt auch klar: Schwäbisch in der Werbung, das funktioniert nicht. Aber genau da liegt ja der Witz: Werbung auf Schwäbisch lässt vielleicht nicht die Kasse des Unternehmens klingeln, ist aber saukomisch. Das hört sich dann so an: Die Stimme des Toiletten-Betreibers auf der Autobahn-Raststätte säuselt vom „beschten Soichtempel auf dr ganza Autobahn“ und die Ode ans Toilettenpapier kommt so daher: „Noch’m Mexikaner isch des Super“ oder auch „Mei‘m Fiedle got’s Super“. Kuhn reist durch die Film- und Kinowelt, geht mit dem SWR zum Makrameefest des Schwäbischen Albvereins beziehungsweise zum Maulkorbfest irgendwo in der afrikanischen Savanne und erntet einen laut lachenden Bürgersaal. Und wer immer noch nicht vom Schwäbischen überzeugt ist: Dieser Dialekt eignet sich hervorragend zur Chiffrierung abgehörter Telefonate. Da kann der Mitarbeiter des NSA nur noch rufen – „What the fuck is Breschdlengsgsälz?!“