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Verleihung im „Roten Ochsen“

Wenn die Schwarze Schar niederkniet: Das ist die Tanzstundendame 2024

Ellwangen / Lesedauer: 3 min

Die 17-Jährige bricht in ihrem Gedicht eine Lanze für Humor, Herz, Menschlichkeit und Empathie. Einige Passagen im Wortlaut.
Veröffentlicht:12.02.2024, 19:00

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Tradition wird bei der Schwarzen Schar großgeschrieben. Und so hat es am Faschingssonntagabend gegen 22.15 Uhr im Brauereigasthof „Roter Ochsen“ mitten im Vortrag der Spottversliste „Der Pennäler Schnitzelbank“ für die schwarzen Dominos wieder geheißen: „Silentium. Zur Tanzstundenbandverleihung in die Knie!“

Die diesjährige Tanzstundendame, Fanny Buhl, kritisierte in ihrem gekonnt, mit Charme und auswendig vorgetragenen Gedicht „Ex animo“ die Künstliche Intelligenz (KI) und brach eine Lanze für Humor, Herz, Menschlichkeit und Empathie. Und erntete Jubel und frenetischen Applaus.

Schülerin des Peutinger-Gymnasiums

Als Fanny Buhl im November per in Tusche geschriebenen Brief der Pennäler von der hohen Ehre erfahren hat, Tanzstundendame 2024 zu sein, habe sie sich „total gefreut“, bekannte die 17-jährige Schülerin der Kursstufe J2 des Peutinger-Gymnasiums kurz vor ihrem großen Auftritt.

„Ich habe nicht gedacht, dass ich es werde“, berichtete die junge, sympathische Ellwangerin, zu deren Hobbys Volleyball, Querflöte und Skifahren zählen. Klar, dass sie zugesagt hat.

Es liegt in der Familie

Dann ging es an die Arbeit, für den Schellenbaum der Schwarzen Schar ein Tanzstundenband drucken zu lassen und in die Stickerei zu geben, Kostenpunkt circa 200 Euro, und unter Mithilfe ihrer Mutter, der ehemaligen Ellwanger Stadträtin Jutta Buhl, geborene Ziegler, ein Gedicht als Loblied auf die Schwarze Schar zu verfassen und auswendig zu lernen.

Über das Prozedere wusste Fanny Buhl im Vorfeld Bescheid, denn ihre ältere Schwester Jule war 2017 bereits als Tanzstundendame auserkoren worden.

Fernsehteam filmt Auftritt

Als Motto für Band und Poem wählte Fanny Buhl „ex animo“, auf Deutsch „von Herzen“, „aus der Seele“. In Ulm kaufte sich das Fräulein ein langes, ärmelloses, schickes schwarzes Abendkleid, passend dazu elegante, silberglitzernde Schuhe.

Da auch das Fernsehen da sein sollte und für das 175-jährige Jubiläum der Schwarzen Schar ein Film zur Tanzstundenbandverleihung gedreht werden sollte, hatte Buhl eine schlaflose Nacht. Doch weil Freundinnen und ihre Familie im „Roten Ochsen“ mit dabei waren, hielt sich ihr Lampenfieber in Grenzen.

Darüber spricht sie in ihrem Gedicht

„Ich kann's nicht glauben, es ist wahr,/ich steh hier mit der Schwarzen Schar./Mir wurde geschrieben, von Hand, ganz fein,/ich, Fanny Buhl, soll's Tanzstundenfräulein sein“, reimte sie: „Als der Brief mir zugestellt,/veränderte sich meine Welt:/Einen Freudentanz hab ich aufgeführt,/auch Mutter und Schwester waren gerührt!“

Dann die Klage: „Den Auftrag, den ihr mir zugesandt:/Schreib ein Gedicht, fertige ein Band!/Da war ich dann doch sorgenvoll:/ Im Nähen bin ich nicht so toll./Auch Verse schreiben kann ich nicht,/wer soll mir schreiben mein Gedicht?/KI hab ich da angefragt,/weil man von der ja häufig sagt,/sie sei dem Menschen überlegen/ - ich kann nur eins sagen: Von wegen!“

Künstliche Intelligenz kenne weder Charme noch Witz, kritisierte Fanny Buhl: „Und sonderbar: Sie kennt nicht mal die Schwarze Schar!“ Selber denken, war deshalb für die Schülerin gefragt, Herz und Geist sollten sie lenken.

„Keine künstliche Intelligenz, kein Roboter können nachvollzieh'n,/welche Ehr' es ist, hier vorn zu steh'n,/Herzklopfen und schwindlige Gefühlslagen/kennen die nur vom Hörensagen./Und dass es hier gibt einen Brauch,/spannend und unheimlich auch,/mit Dominos und Fackelschein,/passt in so ein künstliches Hirn nicht rein./Bei der KI weiß man nie, ob wahr, ob Schein,/das weiß man nur bei euch allein./Mit Witz bringt Wahrheit ihr ans Licht./Den einen freut's, den andern nicht.“

Fanny Buhl empfahl, Weisheit und Herz einzuschalten, riet „all den Gestalten, von denen jeder einzelne denkt, er sei vom Verstand gelenkt“ und denen, „die überall auf dieser Welt nur eines sehen: Macht und Geld, betrügen und lügen, und Kriege beginnen, wüten und toben wie von Sinnen“, es mal mit Humor, Herz, Menschlichkeit und Empathie zu versuchen.

„Ein Wort für Herz, Seele und Geist/im Lateinischen 'animus' heißt./'Ex animo' heißt drum mein Band./Genäht wurde es von Meisterhand.“

Als Geschenke erhielt Buhl eine Dominopuppe, ein Buch der Schwarzen Schar, eine CD und eine Schachtel Pralinen. Danach war sie erleichtert: „Es war ein richtig tolles Gefühl.“