Kreismülldeponie

Weißstorch-Invasion auf der Kreismülldeponie Reutehau

Ellwangen / Lesedauer: 2 min

Mindestens 78 Tiere sammelten sich Ende der Woche in der Umgebung der Deponie
Veröffentlicht:10.08.2020, 05:00
Aktualisiert:10.08.2020, 05:01

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Seit Anfang April hält sich eine Gruppe von zehn bis 15 noch nicht brutfähigen Weißstörchen im Alter von ein bis zwei Jahren in der Umgebung der Kreismülldeponie Reutehau auf und nutzt den Biomüllbereich am Abend zur Nahrungsaufnahme. Diese Zahl hat sich am vergangenen Donnerstag schlagartig auf mindestens 78 erhöht. Das berichtet der Nabu-Storchenbeauftragte Helmut Vaas.

Nach der Suche nach Nahrung im Biomüll übernachteten die Tiere ausschließlich auf den Lichtmasten und auf Betriebsgebäuden der Deponie. Damit unterscheiden sie sich von den zahlreichen vorjährigen Besuchern aus dem Großraum um Braunschweig, die auch auf den Killinger Hausdächern und den Hochspannungsmasten am Ortsrand mehrere Nächte verbracht haben.

Auch die drei Ellwanger und mindestens zwei der Stimpfacher Jungstörche haben sich dieser Gruppe angeschlossen. Da die Ringe der Tiere zum Teil stark verkotet sind, ist eine Ringablesung nicht immer möglich.

Ursache dafür, dass sich die Weißstörche derzeit „weiße Strümpfe“ anziehen, sind die hohen Temperaturen, bei denen sie den Kot an den Beinen herabrieseln lassen. Durch die dabei entstehende Verdunstungskälte regulieren sie ihre Körpertemperatur.

Bei den neu hinzugekommenen Weißstörchen handelt es sich durchweg um Jungstörche, die sich bereits vom Familienverband getrennt haben, jetzt selbstständig werden und sich vor ihrem gemeinsamen Wegzug ab etwa Mitte August in größeren Trupps zusammenschließen. Sie sind leicht an den noch schwarzen Schnabelspitzen erkennbar.

Woher ein Großteil der neu eingetroffenen Jungstörche kommt, bleibt deren Geheimnis, denn mindestens zwei Drittel davon sind nicht beringt und wahrscheinlich aus größerer Entfernung angereist. Nicht überall werden die Jungstörche noch beringt. Ein Teil der beringten anwesenden Jungstörche stammt, wie die abgelesenen Ringe zeigen, offensichtlich aus dem Großraum um Nördlingen und Oettingen, denn dort wurden die betreffenden Ringnummern in diesem Jahr verwendet.

Am Freitagmorgen sah man die große Gruppe verteilt auf zwei Wiesen zwischen der Deponie und Killingen. Größtenteils suchten sie nach Nahrung, zum Teil ruhten sie auch, bis sie gegen 10.30 Uhr, wie auf Kommando, schlagartig alle aufflogen und sich bei guter Thermik, ohne einen Flügelschlag, hoch in den Himmel schraubten, bis sie nicht mehr zu sehen waren.

Am Freitagabend waren wieder mindestens 77 Weißstörche in der Deponie zu finden. Am Samstagabend hatte sich die Gruppe in etwa halbiert. Eine Hälfte ist wohl schon weiter gezogen. Das kann sich jedoch täglich wieder ändern, denn die Jungstörche sammeln sich jetzt in teilweise sehr großen Gruppen. Die Schwabsberger Jungstörche werden in wenigen Tagen folgen. Der Familienverband hat sich noch nicht aufgelöst und ist noch jeden Abend im Nest zu finden.