Vertriebenenwallfahrt

Vertriebenenwallfahrt im Zeichen der Aussöhnung

Ellwangen / Lesedauer: 3 min

Miloslav Kardinal Vlk und Justizminister Guido Wolf sprechen auf dem Schönenberg vor Hunderten Katholiken
Veröffentlicht:29.05.2016, 17:21
Aktualisiert:23.10.2019, 15:00

Von:
Artikel teilen:

Zentrale Themen der 68. Vertriebenenwallfahrt auf dem Schönenberg sind Flucht, Vertreibung und Verlassen der Heimat gewesen. Zur Eröffnung durch den Musikverein Rattstadt boten Trachten und Fahnenabordnungen der Landsmannschaften auf dem Kirchplatz ein prächtiges Bild. Miloslav Kardinal Vlk, emeritierter Prager Erzbischof, war Hauptzelebrant der Eucharistiefeier. Als Hauptredner der Glaubenskundgebung hatte der baden-württembergische Justizminister Guido Wolf seinen ersten offiziellen Auftritt. Zur Wallfahrt geladen hatte die Arbeitsgemeinschaft Katholischer Vertriebenenorganisationen der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Die Ackermann-Gemeinde der Sudetendeutschen richtete sie aus. Der Chor „Cantate Brno“ des Cyrill-Method-Gymnasiums und der pädagogischen Fachschaft Brünn begleitete den Gottesdienst musikalisch.

Schönenberg als Ort der Begegnung und des Wiedersehens

Schönenberg sei ein Ort des Wiedersehens und der Begegnung mit Ostmittel- und Südosteuropa, der Erinnerung und des Danks für gemeinsam Geleistetes, aus dem man Mut für die Zukunft schöpfen könne, sagte Oberbürgermeister Karl Hilsenbek bei seiner Begrüßung. Er zitierte Schiller: „Die Heimat ist wohl das Teuerste, was Menschen besitzen.“ Mit dem Schicksal von Flüchtlingen sei auch Ellwangen konfrontiert worden. Sie teilten die schmerzliche Erfahrung des Verlusts von Heimat und Identität mit 12 Millionen Menschen, die vor 70 Jahren vertrieben wurden. Dass es diesen gelungen sei, sich im Nachkriegsdeutschland „wirtschaftlich, geistig, sozial und politisch zu verwurzeln“, so der OB, verdiene Respekt, Achtung und Bewunderung.

In der Kirche begrüßte Dekan Matthias Koschar aus Tuttlingen die Gläubigen. Die Form der Wallfahrt mag sich, so Koschar, verändert haben. Unverändert sei ihr Anliegen: Die Bitte um Frieden und Überwindung aller Gräben. In seiner sehr persönlichen Predigt sprach Miloslav Kardinal Vlk über die Gemeinschaft der Gläubigen als geistige und religiöse Heimat. „Gott ist mir nahe.“ Diese Leitlinie seines Lebens sei ihm auch in Zeiten der Verfolgung ein Quell der Freude gewesen. „Gemeinschaft ist uns Identität und Sendung über Grenzen hinaus“, sagte Vlk. Christus sei unter uns, nicht oben im Himmel: „Hinter den Wolken ist nichts.“ Der Kardinal rief die Gläubigen auf, das Geschenk der Wallfahrt anzunehmen, Gemeinschaft zu bilden und aus dem Glauben Kraft zu schöpfen. .

Heimat in Zeit des „globalisierten Dorfs“ immer wichtiger

Diese Botschaft griff Guido Wolf in der Glaubenskundgebung auf. Migration, Vertreibung, Suchen und Finden von Heimat sei so alt wie die Menschheit. In einer Zeit, da die Welt ein „globalisiertes Dorf“ sei, werde die Verankerung in der Heimat immer wichtiger. Wolf dankte den Vertriebenen für ihren maßgeblichen Beitrag beim Wiederaufbau nach Kriegsende. Angesichts der Konflikte vor unserer Haustür sei es „gewachsene Pflicht“, Flüchtlingen Brücken nach Europa als „Insel des Friedens“ zu bauen. Nur ein solidarisches und starkes Europa könne diese Aufgabe meistern. Baden-Württemberg könne dabei Vorbild sein. Mit den Worten „Wir dürfen unseren Glauben nicht aus Angst oder falsch verstandener Toleranz verstecken“ rief Wolf unter Beifall dazu auf, christlichen Glauben zu leben.