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Und die Virngrund-Klinik? OB kritisiert erneute „Zwei-Häuser-Debatte“

Ellwangen / Lesedauer: 4 min

Michael Dambacher fordert eine Rückkehr zum vorgegebenen Zielbild. Amtskollegen aus Gmünd und Aalen sind seiner Meinung nach „sehr scharf unterwegs“.
Veröffentlicht:30.11.2023, 19:00

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Der Beschluss des Kreistags vor der Sommerpause scheint unmissverständlich: Zukünftig soll es auf der Ostalb ein zentrales Klinikum als Regionalversorger (wahrscheinlich bei Essingen) sowie zwei Basisversorger in Mutlangen und Ellwangen geben. Aalens OB Frederick Brütting hatte inzwischen aber Pläne vorgelegt, wonach Aalen als Standort erhalten bleiben könnte.

Für dessen Ellwanger Amtskollegen Michael Dambacher scheinen solche Vorschläge allerdings eine Rückkehr in eine, wie er sagt, „Scheindebatte“ zu sein, wie es sie vor dem Kreistagsentscheid gegeben hatte. Denn nach Dambachers Eindruck findet die Sankt-Anna-Virngrund-Klinik in Ellwangen in der derzeitigen öffentlichen Krankenhaus-Debatte so gut wie nicht statt. Gemeinsam mit Berthold Vaas, dem Vorsitzenden des Bündnisses für eine starke Ellwanger Klinik, fordert er eine Rückkehr zum vereinbarten Zielbild.

Dambacher kritisiert Amtskollegen

Seit geraumer Zeit werde wieder eine „unsägliche Debatte“ geführt, sagt Dambacher und bezieht sich damit auch auf Aussagen des Gmünder OBs Richard Arnold, der „sehr scharf unterwegs“ sei und sich für eine Stärkung Mutlangens einsetze. Ellwangen sei der einzige Akteur, der sich lange Zeit brav verhalten und das vom Kreistag vorgegebene Zielbild forciert habe, so der OB. Gegen den Zielbeschluss werde nun wieder eine Zwei-Häuser-Debatte geführt, in der die Virngrund-Klinik offenbar keine Rolle spiele. Ellwangen wolle aber weiterhin hinter der Entscheidung der Kreisräte stehen. „Wie zwei Gockel auf dem Misthaufen, einer schreit für Aalen, der andere für Mutlangen“, kommentiert Dambacher die Aussagen seiner Amtskollegen. „Doch dabei fällt der östliche Raum komplett raus.“

Laut Dambacher entspricht die Zielvereinbarung nämlich einer ausgewogenen medizinischen Struktur für alle Bürger des Ostalbkreises. Daher sei es schade, dass man die derzeitige Diskussion einfach so weiterlaufen lasse. Er hätte sich gewünscht, dass Landratsamt und Klinikvorstand die Debatte schnell wieder eingefangen hätten.

Wenn man vorhabe, ein komplett neues Krankenhaus zu bauen, benötige es dafür eine vernünftige Planung, sagt Berthold Vaas. Es bedürfe zahlreicher Absprachen und Feinabstimmungen aller Beteiligten. So könnten Strukturen für ein zukunftsfähiges Klinikkonzept geschaffen werden.

Für Vaas ist Brüttings Idee irritierend

Von der Idee Frederick Brüttings, der gemeinsam mit dem Planungsbüro Isin + Co vor Kurzem bereits ein Konzept zum Ausbau des Ostalb-Klinikums als Alternative zu einem Komplett-Neubau präsentiert hatte, hält Vaas nichts. Das sei irritierend. Wenn man so etwas plane, brauche es auch eine europaweite Ausschreibung. Schließlich stände hier eine Summe zwischen 500 Millionen und einer Milliarde Euro im Raum.

Bis die Kliniklandschaft im Ostalbkreis neu geordnet ist, werden ohnehin noch mindestens acht bis zehn Jahre ins Land ziehen. Nach Meinung von Dambacher und Vaas muss auch diese Übergangszeit klar geregelt und strukturiert werden. Und da wird aus Sicht der beiden der Virngrund-Klinik eine bedeutende Rolle zuteil.

Vorteile der Virngrund-Klinik sollen genutzt werden

Denn das Ellwanger Krankenhaus habe neben dem geringsten finanziellen Defizit aller drei Häuser die modernsten OPs und eine sehr gute Infrastruktur, auch bezogen auf die stationäre Unterbringung, erläutert Vaas. Zudem gebe es eine hervorragend ausgebaute Orthopädie mit einem erst jüngst wieder zertifizierten Endoprothetik-Zentrum, so Vaas weiter. Deshalb ist der frühere Klinikleiter überzeugt, dass die Vorteile der Virngrund-Klinik so lange genutzt werden sollten, bis der neue Regionalversorger irgendwann in Betrieb geht.

Bleibt die Zukunft des Krankenhauses aber weiter unklar, sehen Vaas wie Dambacher zahlreiche Probleme auf das Klinikum zukommen, die weitreichende Folgen für die medizinische Versorgung hätten. Man verspiele sich damit seine Mitarbeiter. Fachkräfte seien gesucht, sodass diese keine Probleme hätten, woanders einen neuen Job zu finden, so der OB. Auch Facharztweiterbildungen seien in Gefahr. Die Ärzte gingen doch woanders hin, wenn sie nicht wüssten, ob sie ihre Weiterbildung in Ellwangen überhaupt beenden könnten, sagt Vaas.

Und ohnehin: Sollte Ellwangen als Basisversorger nicht mehr gesetzt sein, ist nach Meinung von Vaas und Dambacher die medizinische Versorgung im gesamten nordöstlichen Raum in Gefahr. Wenn die Stadt ihre zentrale Notaufnahme reduziere oder gar verliere, habe die kassenärztliche Vereinigung (KV) Baden-Württemberg bereits angekündigt, ihre häusliche Notfallversorgung zu schließen. Das führe dann zu einer gravierenden Versorgungslücke, warnt Vaas.

Deshalb sind Vaas und Dambacher überzeugt, dass die Debatte schnell wieder zum vereinbarten Zielbild zurückkehren muss. Eine Forderung, die sie auch an den neuen Vorstandsvorsitzenden der Kliniken Ostalb, Christoph Rieß, richten, der die Nachfolge von Professor Ulrich Solzbach antreten wird.