Unterstützungspersonal

Staab übt Kritik: Die Schule erreicht viele Eltern heute nicht mehr

Ellwangen / Lesedauer: 2 min

Staab übt Kritik: Die Schule erreicht viele Eltern heute nicht mehr
Veröffentlicht:30.09.2010, 14:15
Aktualisiert:26.10.2019, 00:00

Von:
Artikel teilen:

Eine ganzheitliche Schulbildung, Unterstützungspersonal für Lehrer und deren verpflichtende Weiterbildung – dies hat die ehemalige Landeselternbeiratsvorsitzende Christiane Staab in Ellwangen gefordert. Sie sprach bei der inzwischen vierten Plenumsveranstaltung des Lokalen Bündnisses für Familie.

„Schule als lokales Bildungsnetzwerk – von der Lehranstalt zum Lernraum“ hatte sich die Karlsruher Rechtsanwältin, Stadträtin und Mutter von vier Kindern als Thema gewählt. Und Christiane Staab begann gleich mit Zahlen: Als Sie 1974 die Schule besuchte, waren 28 Kinder in der Klasse. Eines war türkischer Herkunft, eines war Zeuge Jehovas und 26 waren Deutsche – und alle kamen zu Fuß. Bei ihrem Besuch in derselben Schule 2006 waren es ebenfalls 28 Schüler, davon zwei Deutsche und 26 Kinder mit Migrationshintergrund, und alle Kinder waren erstaunt, als sie erzählte, wie weit ihr Weg zur Schule damals war.

Ein Großteil der Eltern, so beklagte Staab, sei heute für die Schule kaum mehr zu erreichen. Bei vielen Kindern lägen deutliche Sprachdefizite vor, bei einigen fehle der regelmäßige Tagesablauf. Reaktionen auf diese Entwicklung seien in der Schullandschaft sträflich vernachlässigt worden. Die Politik müsse endlich zur Kenntnis nehmen, dass bei Kindern nicht nur der Verstand, sondern die Sprachkompetenz und regelmäßiges gesundes Essen und ein liebevolles Umfeld zum Lernerfolg gehörten. Schwache dürften dabei nicht durch den Rost fallen.

Dazu sollten Lehrer Unterstützungspersonal bekommen, etwa Sozialarbeiter, um für ihre eigentlichen Aufgaben freie Kapazitäten zu gewinnen. Schulen müssten Netzwerke bilden, um eine ganzheitliche Schulausbildung zu gewährleisten.

Lehrerarbeitszeit neu regeln

Dafür sind nach Ansicht Staabs Ganztagsschulen notwendig, die Arbeitszeit der Lehrer müsse dazu neu geregelt werden: gesichert von 8 bis 16 Uhr. Nur so werde es möglich, die Kinder richtig kennenzulernen und nach ihren Fähigkeiten zu fördern. Nachdrücklich forderte die Referentin die verpflichtende Weiterbildung von Lehrern, wozu das Beamtenrecht genügend Handhabe biete. Zudem forderte sie eine effektive, unabhängige Qualitätskontrolle der schulischen Arbeit von außen.

In der Diskussion mit den knapp hundert Besuchern erhielt die Referentin viel Zustimmung, doch auch einige kritische Anmerkungen, besonders zu ihrem Vorschlag, die Schulämter aufzulösen und die Schulen zu kommunalisieren. Den musikalischen Auftakt zu der Veranstaltung hatten die 26 „Goldkehlchen“ aus Eigenzell unter Leitung von Renate Huber gemacht.