Spielsucht

Spielsucht wird 22-jährigem Dieb zum Verhängnis

Ellwangen / Lesedauer: 3 min

Keine Bewährung mehr, sondern 18 Monate Haft für 22-Jährigen
Veröffentlicht:30.10.2018, 19:34
Aktualisiert:22.10.2019, 15:00

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Im Ellwanger Amtsgericht hat sich am Dienstag ein 22-jähriger Spielsüchtiger wegen Diebstahls in vier Fällen und zweifachen Betrugs verantworten müssen. Für Amtsgerichtsdirektor Norbert Strecker ist der junge Mann kein Unbekannter. Am 23. Januar hatte er den damals 21-Jährigen wegen fünffachen Diebstahls zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten verurteilt und den Haftbefehl aufgehoben.

Diesmal ist es nicht so glimpflich ausgegangen: Der junge Mann wurde aus der Justizvollzugsanstalt Schwäbisch Hall vorgeführt und kehrte auch dorthin zurück. Seit dem 18. Mai sitzt er dort erneut in Untersuchungshaft. Streckers Urteil lautete auf 18 Monate Haft – ohne Bewährung und trotz eines umfassenden Geständnisses.

Grundlage der Hauptverhandlung waren zwei Anklagen der Staatsanwaltschaft Ellwangen vom 19. Juli und vom 11. September 2018. Darin wurde dem leidenschaftlichen Spieler vorgeworfen, in der Nacht zum 6. April auf dem Gelände der Firma Kicherer in Neunheim zehn große Kabeltrommeln im Wert von 3000 Euro gestohlen zu haben.

Lange Liste von Einbrüchen, Diebstählen und Betrügereien

Vier Wochen später, am Abend des 8. Mai, sei er in die Gartenanlage Neunheimer Berg eingebrochen. Mit einem Bolzenschneider habe er Schlösser durchtrennt und aus drei Lauben Schleifwerkzeuge, Sägen und Akkuschrauber im Wert von insgesamt 170 Euro entwendet. Der am gleichen Tag gestartete Versuch, bei einer Firma im Aalener Industriegebiet einzubrechen, misslang, weil er beim Überklettern des Maschendrahtzauns Alarm auslöste.

Bereits im Februar hatte der 22-Jährige, der keinen Beruf erlernt hat, beim Probearbeiten in Aalen zwei Angestellte bestohlen und sechs Flaschen Schnaps mitgehen lassen. Der Schaden betrug 410 Euro. Außerdem tankte er zweimal für rund 100 Euro, ohne zu bezahlen.

All das, so Strecker, seien nur „Ausschnitte“ aus einer langen Liste von Einbrüchen, Diebstählen und Betrügereien, die der Angeklagte beging, um seiner Spielsucht zu frönen. Mittlerweile hat er Schulden in Höhe von rund 300 000 Euro. Bereits bei der Verhandlung am 23. Januar hatte sich der Angeklagte kooperativ gezeigt und zugegeben, im Juni 2017 aus dem Tresor seines damaligen Arbeitgebers 2290 Euro Bargeld, eine Spiegelreflexkamera und eine Motorsäge im Wert von rund 520 Euro gestohlen zu haben.

Teure Uhr des Vaters im Leihhaus versetzt

Im August 2017 stahl er in der von seinem Bruder betriebenen Tankstelle 230 Euro, brach im Haus seiner Eltern den Tresor aus der Wand und ließ eine Rolex-Uhr seines Vaters im Wert von 25 000 Euro und eine Münzsammlung seines Bruders im Wert von einigen Tausend Euro mitgehen.

Die Uhr, gestand er damals, habe er bei einem Pfandleiher für 2500 Euro versetzt und die Münzsammlung für 1400 Euro verkauft. 600 Euro Schulden habe er davon gezahlt, das übrige Geld wieder verspielt. Sein Elternhaus musste er daraufhin verlassen. Seine Automatenspielsucht kostete ihn einen Ausbildungsplatz und mehrere Arbeitsstellen. „Sehen Sie die Bewährung als Chance. Sie sind dafür verantwortlich, Ihre Spielleidenschaft zu bekämpfen, sonst niemand“, hatte Strecker ihm im Januar ans Herz gelegt und ihn in die Obhut seiner Familie entlassen.

Das war nun nicht mehr möglich. „Ihr größtes Problem ist Ihre manifestierte Sucht. Ihre Familie hat alles versucht, um Ihnen zu helfen“, mahnte Strecker. Es komme einiges auf den 22-Jährigen zu, denn er müsse mit dem Widerruf der seinerzeit ausgesprochenen Bewährung rechnen.

Ein letztes Wort nach Ende der Beweisaufnahme wollte dem Spieler nicht einfallen: „Sie könnten sich bei den vielen Geschädigten und Ihrer Familie entschuldigen“, riet ihm der Richter. Das tat er – und hofft auf eine neue Chance durch eine erneute Langzeittherapie. Die erste hatte er nach fünf Wochen abgebrochen.