Einsatzkontingent

Oberstleutnant Pirner berichtet über seine Arbeit im Kosovo

Ellwangen / Lesedauer: 2 min

Er gab auch einen Überblick über die damalige und jetzige Situation in dem Land
Veröffentlicht:29.06.2012, 14:10
Aktualisiert:25.10.2019, 08:00

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Über seinen Einsatz als Führer des 28. Deutschen Einsatzkontingents im Kosovo hat Oberstleutnant Wolfgang Pirner auf Einladung der Gesellschaft für Wehrkunde und dem Reservistenverband in der Reinhardt-Kaserne Ellwangen referiert. Das seit 2008 unabhängige Land ist nur halb so groß wie Hessen und hat nur etwa 1,8 Millionen Einwohner. Die Besonderheiten dieses Landes sind zum einen das Durchschnittsalter der Bevölkerung von nur 25 Jahren, zum anderen die fünf unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen der Albaner, Serben, Türken, Bosniaken und Roma, aber auch weitere Minderheiten. Dazu kommen die unterschiedlichen Religionen Islam, Serbisch-Orthodoxe Kirche und Römisch-Katholische Kirche.

Die Vielzahl von Menschenrechtsverletzungen bei der Auflösung des alten Jugoslawiens und die Unruhen 2004 trotz der dort stationierten Nato-Soldaten, die eingesetzt waren, um den Frieden zu stabilisieren, haben den Hass und das Misstrauen zwischen den Bevölkerungsgruppen geschürt. Damals wurden dort zahlreiche serbische Wohn- und Kulturstätten zerstört. Die im Norden des Kosovo 2011 erneut ausgebrochenen Unruhen mit dem Verbarrikadieren von Grenzübergängen nach Serbien zeigen deutlich, wie hoch das Spannungs- und Konfliktpotential zwischen den Ethnien noch immer ist, berichtete Pirner.

Inzwischen sei der Aufbau einer Kosovo Polis (KP) jedoch schon gut vorangekommen, welche die internationale EULEX bei der Schaffung der Rechtsstaatlichkeit und dem Schutz serbischer Einrichtungen ablöst. Diese nehme ihre Aufgaben zunehmend wahr und werde auch von der Bevölkerung akzeptiert. Insgesamt sieben von neun kulturellen serbischen Stätten im Kosovo werden inzwischen von ihnen geschützt.

Seine Hauptaufgabe als Kontingentführer sei es gewesen, mit der Politik, der Islamischen Gemeinschaft, Vertretern der beiden Kirchen, den verschiedenen Derwisch-Orden sowie Wirtschafts- und Minderheitenvertretern Kontaktgespräche zu ermöglichen. Die sei auch durch regelmäßige Empfänge im Camp Pizren erfolgt, wo die verfeindeten Gruppen erstmals miteinander ins Gespräch gekommen seien. Außerdem habe er die Rückführung von Fahrzeugen, Gerät und Material nach Deutschland organisieren müssen, was durch die Reduzierung der Soldaten erforderlich wurde. Die ursprünglich 5000 deutschen Soldaten wurden bis Januar 2010 auf 1500, bis heute auf 780 Soldaten reduziert. Eine weitere Reduzierung der Truppenstärke auf 530 Soldaten sei für Anfang 2013 geplant.

Das Heranwachsen der jungen Generation, die die Gräuel des Bürgerkriegs nicht selbst erlebt hätten und die Hinwendung zur EU sehe er als Chance, die innere Zerrissenheit des Landes langfristig zu überwinden.