Ellwangen

Nach „Basilikum St. Virus“: Ellwangen hat jetzt eine „Hintere Ledergasse“

Ellwangen / Lesedauer: 2 min

Ein Scherzkeks hat den Straßennamen bei Google Maps eingepflegt. Wie so etwas möglich ist und wo die fiktive Straße verläuft.
Veröffentlicht:25.01.2023, 05:00
Aktualisiert:23.01.2023, 01:00

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Erst im vergangenen Herbst hatte ein veränderter Google-Eintrag für Verwunderung gesorgt. Damals hatte ein Witzbold die Basilika Sankt Vitus in „Basilikum St. Virus“ umgetauft. Jetzt hat wieder ein Scherzkeks zugeschlagen, denn seit Kurzem darf sich die Stadt über eine neue Straße „freuen“, zumindest bei Google Maps: die „Hintere Ledergasse“.

Zugegeben: „Hintere Ledergasse“ hört sich nach einem durchaus plausiblen Straßennamen an. Wer Ellwangen kennt, weißt natürlich, dass solch eine Straße nicht existiert. Die „Hintere Ledergasse“ ist schließlich eine Fasnacht-Kultband, die im vergangenen Jahr ihr 30-jähriges Bestehen feierte.

Die bekannte Laienspielschar selbst will mit der Vergabe des Straßennamens übrigens nichts zu tun haben. Es war sogar der künstlerische Leiter der „Hinteren Ledergasse“, Franz Brenner, der die Redaktion auf die Unregelmäßigkeit bei Google Maps aufmerksam machte. „Welcher Scherzkeks das gemacht hat, wissen wir nicht. Wir waren es aber nicht“, erklärt er.

Die „Hintere Ledergasse“ verläuft an der Marienkirche vom Referendarhaus des Landgerichts bis zu Radsport Ilg parallel zur Straße An der Mauer. Und bisher hatte der kurze Weg auch gar keinen Namen.

Wie solch eine Manipulation möglich ist, kann Markus Walter von von „tekka online ideas“ nur mutmaßen. „So einen Fall hatte ich noch nie“, sagt der Google-Experte. Es gebe bei Maps die Möglichkeit, Straßennamen zu bearbeiten. Das könne somit grundsätzlich jeder machen.

Doch warum ist Google die Manipulation nicht aufgefallen? Normalerweise fahre das Unternehmen mit seinen Street-View-Autos herum und fotografiere die Straßen, sagt Walter. „Da es sich bei der ’Hinteren Ledergasse’ aber nur um eine kleine Gasse handelt, in der keine Autos fahren, hat Google keine Informationen darüber. Es kann also kein Abgleich mit einem real existierenden Namen erfolgen“, sagt er. Wahrscheinlich ist es nach Meinung des Experten sogar noch einfacher, eine Straße zu benennen, wenn sie vorher gar keinen Namen gehabt hat.

Vor Kurzem hatte das Magazin „Chip“ darüber berichtet, dass Google absichtlich kleinere Wege und Gassen mit Fantasienamen versieht. Damit soll Missbrauch vermieden werden. Denn sollte ein anderer Anbieter die Karten verwenden, kann das Unternehmen anhand der Fake-Straßen beweisen, dass es sich um Google-Karten handelt.

Dass es sich bei der „Hinteren Ledergasse“ um eine von Google umbenannte Straße handelt, glaubt Markus Walter jedoch nicht. Es sei unwahrscheinlich, dass das Unternehmen die Gasse nach einer Ellwanger Faschingsband benannt habe. „Das war sicherlich ein Spaßvogel“, so der Experte.