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Landwirte freuen sich über Boden aus den Auwiesen

Ellwangen / Lesedauer: 4 min

Die Landesgartenschaugesellschaft hat jüngst das Erdmanagement im Rahmen der Jagst-Renaturierung vorgestellt.
Veröffentlicht:26.09.2023, 16:34

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Im Zuge der Erstellung des neuen Flussverlaufes der Jagst im Bereich der Auwiesen ist am Mittwoch das Erdmanagement vorgestellt worden. Dabei kooperiert die Landesgartenschaugesellschaft mit den Landwirten aus Schrezheim und der Stadtverwaltung, die die Einbringung von Erdmasse in den Lärmschutzwall im Industriegebiet ermöglicht hat.

„Es ist eine unglaubliche Menge, die wir wegbringen müssen“, berichtet Stefan Powolny, Geschäftsführer der Landesgartenschaugesellschaft, über den aus dem Auenbereich für die Jagstschleifen ausgegrabenen Boden und freut sich über die Abnahme des Erdmaterials dieser „Riesenbaustelle“ durch die Landwirte: „Wir sind tatsächlich dankbar, dass sie es aufnehmen. Sonst wäre es unglaublich teuer geworden. Es ist eine sensationelle Geschichte.“ Denn auf diese Weise müsse man den Boden „nicht deponieren und endlos über die Landschaft fahren“. Powolny zeigt sich „begeistert, dass wir ein Bodenschutzgesetz haben“. Die Rede ist von 27.000 Kubikmeter ausgebaggertem Boden.

„Die Landwirte waren die Ersten, die mitgemacht haben bei der Landesgartenschau“, zeigt sich Wolfgang Baur, Leiter des städtischen Liegenschaftsamts, froh darüber, dass die Landwirte Flächen verkauft haben und auch bereit waren, das Erdmaterial zu nehmen. Sonst hätte man das Material auf die Deponie Herlikofen fahren müssen. Das wäre „ökologisch totaler Nonsens“ gewesen. Und Baur ergänzt: „Wir sind bestrebt, auch die Fläche zum Teil wieder der Landwirtschaft und der Lebensmittelproduktion zurückzubringen.“

„Der Boden unterscheidet sich dadurch von Steinen, dass er 50 Prozent Hohlraumvolumen hat“, erläutert Jörg Schneider, Geschäftsführer der Regioplus Ingenieurgesellschaft. Der ausgebaggerte Boden sei Schwemmlandboden und auch im Unterboden sehr nährstoffreich und humushaltig. „Die Auenböden sind Bücher über die Landschaftsgeschichte“, betont Schneider. Die Tonminerale hätten dadurch, dass sie quellen und schrumpfen, eine besondere Eigenschaft, und das Hohlraumsystem könne Wasser speichern. Die Landwirte bekommen eine Mischung aus Oberboden und kulturfähigem Unterboden. Der alte Ackerboden sei aufgerissen und verzahnt worden, um die beiden Bodenschichten zu verbinden.

„Für mich war auch die Wasserspeicherfähigkeit ein zentrales Thema“, pflichtet Hubert Kucher, Schrezheimer Landwirt und Kreisvorsitzender des Bauernverbandes, bei und freut sich über den Humus. Sein vier Hektar großer Acker, in den die Luzerne bereits gesät wurde, ist jetzt 25 bis 30 Zentimeter höher. Kucher und die anderen Landwirte müssen auf ihren Äckern drei Jahre lang Luzerne anbauen, so ist die Bewirtschaftungsauflage. „Wenn die Pflanzenwurzel drin ist, ist das Hohlraumsystem wieder biologisch stabilisiert“, erklärt Jörg Schneider: „Das Hohlraumsystem muss ich erhalten und pflegen, dass es funktioniert.“

Die Landwirte müssen für den Boden nichts bezahlen und erhalten zudem noch Geld für die Abnahme. „Der Ertrag der Luzerne ist auch nicht überragend“, weiß Landwirt Kucher, der sich vorausschauend schon mal einen Gabelwender gekauft hat. Luzerne sei zwar an sich ein sehr gutes Futter, „aber es passt nicht in unsere Bewirtschaftungsweise hinein“. Silieren könne man die Luzerne auch ganz schlecht, da sie eine Kleeart sei. Die Landwirte müssten in den nächsten fünf bis zehn Jahren in die Äcker außerdem noch an Dünger und Nährstoffe investieren, damit die Böden ertragreich werden. „Wir als Landwirte gucken nach Betriebswirtschaft“, so Hubert Kucher: „Wir machen nicht unbedingt den Billigen Jakob. Wir werden für den Ertragsverlust entschädigt.“

Jan Fischer, Projektleiter Planung und Bau bei der Landesgartenschaugesellschaft, betont das Nachhaltigkeitsleitbild beim Bodenmanagement. Jörg Schneider bringt es auf einen Nenner, es sei von den Kosten her für eine Baustelle und für einen Abnehmer attraktiv.

Wie Wolfgang Baur, Leiter städtisches Liegenschaftsamts, mitteilte, habe das Abfahren des Bodens aufgrund des Lärms und Staubs Ärger in der Bevölkerung verursacht. Hubert Kucher indes lobt die Baufirma: „Die machen einen super Job. 27.000 Kubik zu bewegen, ist nicht ohne und ist eine Belästigung. Auch draußen auf dem Acker wird so geschafft, dass es passt. Wir haben Glück gehabt mit dem Wetter.“ Kucher freut sich in diesem Zusammenhang auf die Landesgartenschau: „Man muss das Ergebnis vor Augen haben. Das wird mit Sicherheit richtig geil.“


Bildtext: Auf dem Acker von Hubert Kucher (von links): Zahra Eslamikhah, Hubert Kucher, Jörg Schneider, Wolfgang Baur, Stefan Powolny und Jan Fischer. Foto: Josef Schneider